Hannelore Veit: "Ich mag Amerika"

Sie wird als erste Frau eines der großen ORF-Korrespondentenbüros leiten: Hannelore Veit übersiedelt von der "Zeit im Bild" in die USA. Eine Globetrotterin war sie schon immer.

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Hannelore Veit – (c) ORF (Günther Pichlkostner)

Die Presse: Sie leiten ab Jänner das ORF-Korrespondentenbüro in Washington. Schon gepackt?

Hannelore Veit: Nein. Nur die Möbel sind schon verschickt, denn die brauchen länger. Ich fliege am 3. Jänner und werde als erste Frau ein großes ORF-Büro leiten – das war auch höchste Zeit. Auch in Brüssel oder Berlin waren Frauen bisher nur zweite oder dritte Korrespondentin, nie Chefinnen.

 

Sie haben einen Dreijahresvertrag. Heißt das, Sie werden bei der nächsten US-Präsidentenwahl vielleicht gar nicht dabei sein?

Ich denke, wir können davon ausgehen, dass ich von der nächsten US-Wahl aus Washington berichte. Ich hoffe, dass es dann eine Frau als Kandidatin gibt – vielleicht Hillary Clinton, die sich gerade erholen muss. Sie hat sich in den vier Jahren als Außenministerin einen hervorragenden Ruf erworben und steht in den Umfragen sehr gut da.

 

Amerika – das ist ja eigentlich Ihr Fachgebiet.

Ich mag Amerika, weil es ein riesiges Spektrum hat – geografisch, aber auch von den Menschen her. Es gibt extrem urbane Städte und daneben das Land, wo die Leute extrem konservativ sind, mit manchmal skurrilen Vorstellungen, die man Europäern kaum vermitteln kann – etwa dass das Recht, eine Waffe zu tragen, in der Verfassung steht. Ich habe American Studies studiert – mit Hauptfach Politologie, dazu Geschichte und Literatur, alles US-bezogen. Das war an der University of Notre Dame in Indiana – eine super Uni, verloren zwischen Maisfeldern.

Und danach?

Dann habe ich für den Radiosender Voice of America gearbeitet. Bei den Amerikanern habe ich Journalismus gelernt – im Osteuropa-Büro in Wien. Damals gab es noch den Eisernen Vorhang und wir berichteten über umliegende Warschauer-Pakt-Staaten, die KSZE-Konferenz und manchmal aus Russland, wenn die unseren Korrespondenten dort wieder einmal rausgeschmissen hatten.

 

Sie waren auch in Tokyo.

Ja, vier Jahre lang habe ich dort für einen kleinen privaten Wirtschafts-TV-Sender gearbeitet. Das war ein Kulturschock, weil man immer ein Außenseiter bleibt. In Amerika habe ich dieses Gefühl nie gehabt. Nach vier Jahren wollte ich zurück nach Europa – und der ORF suchte Moderatorinnen.

 

Von Tokyo in die „Zeit im Bild“ – das muss auch ein Kulturschock gewesen sein.

Ja. (Lacht.) Ich bin aus Japan gekommen, Wolfram Pirchner aus Tirol – das war eine wunderbare Mischung. Ich habe 1993 begonnen und hätte nie gedacht, dass ich so lange bleiben werde. Aber dann sind die Kinder gekommen, und es ist eben viel einfacher, einen fixen Job mit meistens fixen Arbeitszeiten zu haben.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Die Sondersendungen. Die „ZiB“ selber, das ist ja viel Routine. Aber bei einer Sondersendung kann man nichts vorbereiten – bei der US-Wahl war ich die ganze Nacht im Einsatz. Am Ende habe ich schon nicht mehr gewusst, was ich die Korrespondenten noch fragen soll, weil es so lange gedauert hat, bis der Sieg von Barack Obama offiziell war.

Wien wird Ihnen nicht abgehen?

Bei Wien fällt mir nichts ein. Ich lebe gern in einer neuen Stadt und mag Veränderungen. Konzerte, Theater waren mit meiner Arbeit bei der „ZiB“ zeitlich praktisch unvereinbar. Und wenn man 15 Tage im Monat sehr lang arbeitet und Kinder hat, will man nicht auch noch abends unterwegs sein. Da habe ich ein Defizit – vor allem was das Theaterleben angeht! Das wird für mich in den USA einfacher, wegen der Zeitverschiebung – ich bin dann spätestens am Nachmittag zu Hause.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich versuche, möglichst viel zu lesen – vor allem Zeitung. Außerdem war ich ein paar Tage beim Radio und habe Radioschnitt neu gelernt. Als ich das letzte Mal schneiden musste, hat man ja noch Bänder richtig auseinandergeschnitten und geklebt. Jetzt geht alles digital. Und wir Korrespondenten machen Fernsehen und Radio.

 

Fehlt noch das Internet für die Trimedialität.

Ich will die Zusammenarbeit mit ORF.on forcieren. Wir können Audio- und Video-Files schicken und Texte für ORF.on liefern.

 

Werden Sie bloggen?

Ich werde mich zwingen müssen. Zumindest zum Twittern – auch das habe ich noch nicht gemacht.

Hannelore Veit studierte Dolmetschen (Englisch, Spanisch) an der Universität Wien und ein Masterstudium an der University of Notre Dame in den USA (American Studies). Sie arbeitete als Radiokorrespondentin für „Voice of America“, war für den „European Business Channel“ Japan-Korrespondentin in Tokyo. 1993 kam sie zur „Zeit im Bild“. Ab Jänner 2013 wird sie das ORF-Büro in Washington leiten. Insgesamt hat der ORF 26Korrespondenten in 16 Büros weltweit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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