"Westfälische Rundschau" künftig ohne Redaktion

"Krone"-Miteigentümer WAZ streicht 120 Stellen im defizitären Blatt. Den Titel "Westfälische Rundschau" will man erhalten – mittels Inhalten von der Konkurrenz.

Westfaelische Rundschau kuenftig ohne
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Westfaelische Rundschau kuenftig ohne
''Westfälische Rundschau'' – (c) APA (DPA/ Federico Gambarini)

Die WAZ Mediengruppe, Hälfteeigentümer der "Kronen Zeitung", schmiedet einen riskanten Plan für die "Westfälische Rundschau". Sie streicht 120 Stellen beim defizitären Blatt und schließt die Redaktion zur Gänze. Für die Mitarbeiter gilt ein Sozialplan. Das teilte die WAZ-Gruppe am Dienstag in Essen mit. Die Betroffenen wurden bei einer Mitarbeiterversammlung informiert. Die "Westfälische Rundschau" ist einer von vier Titeln der WAZ-Gruppe in Nordrhein-Westfalen, sie verkauft täglich 115.000 Exemplare und soll laut Plan auch ohne Redaktion erhalten bleiben. Dafür kauft die WAZ lokale Inhalte ein: Den Mantel liefert die Zentralredaktion der WAZ-Gruppe, die lokale Berichterstattung kommt am Februar von der WAZ-eigenen "Westfalenpost" sowie von drei konkurrierenden Verlagen: Von den "Ruhr Nachrichten" aus dem Dortmunder Medienhaus Lensing, vom "Hellweger Anzeiger" aus dem Verlag Graphische Betriebe F. W. Rubens KG und vom Märkischen Zeitungsverlag in Lüdenscheid, der zur Verlagsgruppe Ippen gehört.

Die Essener Zeitungsgruppe WAZ ist einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas. Zur WAZ-Gruppe gehören 40 Zeitungen und mehr als 100 Zeitschriften. In Nordrhein-Westfalen erscheinen die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ), die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ), die "Westfalenpost" und die Westfälische Rundschau mit einer verkauften Auflage von 700.000.

Drastischer Sparplan beim Medienriesen

Die Gruppe erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit 15.000 Mitarbeitern Erlöse von 1,1 Milliarden Euro. In Österreich hält die Verlagsgruppe 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" (die andere Hälfte befindet sich im Besitz der Familie Dichand) und 49,4 Prozent am "Kurier".

Im Herbst hat die WAZ einen drastischen Sparkurs eingeleitet. Bis zum Jahr 2014 sollen 20 Prozent der Kosten gesenkt werden und zwar im In- und im Ausland, heißt es im "Handelsblatt". Derzeit sollen die mehr als 40 Führungskräfte der Verlagsgruppe Einsparungsmöglichkeiten in ihren Bereichen identifizieren. Die WAZ reagiert damit auf den auch in Deutschland schwachen Anzeigenmarkt und sinkenden Abonnentenzahlen.

(APA/dpa/Red.)

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