"New York Times" kritisiert "Wetten, dass …?"

Erst Tom Hanks, dann Denzel Washington und nun mokiert sich auch die "New York Times" über den Unterhaltungstanker: Dieser stehe für die Qualitätsdebatte im deutschen Fernsehen.

York Times kritisiert Wetten
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York Times kritisiert Wetten
Denzel Washington und Cindy aus Marzahn, die Assistentin von Lanz in ''Wetten, dass ...?'' – (c) Dapd (Ronald Wittek)

Schon der Titel lässt nichts Gutes erahnen: "Stupid German Tricks, Wearing Thin on TV" heißt die Überschrift jenes Artikels in der "New York Times", in dem Berlin-Korrespondent Nicholas Kulish die Samstagabendshow "Wetten, dass ...?" analysiert. Nach einem Aufriss über die jüngere, wenig ruhmreiche Geschichte der Sendung - der Unfall von Wettkandidat Samuel Koch, der Abschied von Thomas Gottschalk und die Geschäfte rund um die Show, die Gottschalk gemeinsam mit seinem Bruder getätigt haben soll - kommt er zum Kern seiner Kritik: "Wetten, dass ...?" stehe für die Debatte über fehlende Qualitätsformate im deutschen Fernsehen.

In Deutschland sei eine Diskussion darüber entbrannt, wieso man den Trend zu anspruchsvollen Fernsehserien verpasst habe, schreibt Kulish und zitiert den "Spiegel". Trotz großer literarischer und filmischer Tradition gibt es kaum eigene Quality-TV-Serien. Eine der wenigen Ausnahmen sei Dominik Grafs Krimi-Zehnteiler "Im Angesicht des Verbrechens". Sonst ist das sogenannte Quality-TV, etwa Serien wie "The Wire" Importware. Regisseur Graf selbst kritisiert in dem Artikel die inkonsequente Haltung der Öffentlich-Rechtlichen. Diese haben einerseits den Anspruch auf Qualität, um die eigene Finanzierung zu rechtfertigen, anderseits gehe es ständig um Quoten.

"Dschungelcamp" statt Quality-TV

Gute Zuschauerzahlen haben etwa Trash-Formate wie das "Dschungelcamp", das selbst Zeitungen minutiös verfolgen, bemerkt Kulish. Den Höhepunkt der TV-Kritik liefere nach 30 Jahren on Air aber unverändert "Wetten, dass ...?".

An der Sendung lässt der Korrespondent kaum ein gutes Haar. Er beschreibt, wie (US-)Prominente zum Affen gemacht werden, lästert über die Überlängen und die teils skurrilen Simultanübersetzungen. Zuletzt habe das Publikum Matthias Schweighöfers blanken Hintern sehen müssen und Tom Hanks und Denzel Washington seien Hüte mit Katzenohren aufgesetzt worden.

Gottschalk selbst beschreibt der Korrespondent als skurrile Starfigur. Er habe durch seine extravaganten Anzüge wie eine Mischung aus dem verrückten Hutmacher aus "Alice im Wunderland" und Willy Wonka aus" Charlie und die Schokoladenfabrik" gewirkt. Moderator Markus Lanz agiere hingegen wie ein "fleißiger Schuljunge". Die Wetten selbst erinnern ihn an die Sparte "Stupid Human Tricks" (daher der Titel des Artikels) aus der David-Letterman-Show.

Kritik von US-Stars

Der "NYT"-Artikel ist eine weiterer Schlag aus den USA gegen die ZDF/ORF-Koproduktion. Hanks hatte sich bereits im November über die Länge der Sendung mokiert, ein Programmverantwortlicher in den USA wäre für solch einen Showmarathon gefeuert worden. Milder war da Washington Ende Jänner: "Das ist tatsächlich ein Showformat aus einer andern Zeit", sagte der Oscar-nominierte Schauspieler. Die Sendung habe ihn an die Fernsehshows aus seinen Kindertagen erinnert. "So etwas haben wir in den USA gar nicht mehr", meinte Washington. Das "Altmodische des Konzepts" habe er auch als "sehr rührend empfunden".

(her)

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