"New York Times" kritisiert "Wetten, dass …?"

01.02.2013 | 14:45 |   (DiePresse.com)

Erst Tom Hanks, dann Denzel Washington und nun mokiert sich auch die "New York Times" über den Unterhaltungstanker: Dieser stehe für die Qualitätsdebatte im deutschen Fernsehen.

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Schon der Titel lässt nichts Gutes erahnen: "Stupid German Tricks, Wearing Thin on TV" heißt die Überschrift jenes Artikels in der "New York Times", in dem Berlin-Korrespondent Nicholas Kulish die Samstagabendshow "Wetten, dass ...?" analysiert. Nach einem Aufriss über die jüngere, wenig ruhmreiche Geschichte der Sendung - der Unfall von Wettkandidat Samuel Koch, der Abschied von Thomas Gottschalk und die Geschäfte rund um die Show, die Gottschalk gemeinsam mit seinem Bruder getätigt haben soll - kommt er zum Kern seiner Kritik: "Wetten, dass ...?" stehe für die Debatte über fehlende Qualitätsformate im deutschen Fernsehen.

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In Deutschland sei eine Diskussion darüber entbrannt, wieso man den Trend zu anspruchsvollen Fernsehserien verpasst habe, schreibt Kulish und zitiert den "Spiegel". Trotz großer literarischer und filmischer Tradition gibt es kaum eigene Quality-TV-Serien. Eine der wenigen Ausnahmen sei Dominik Grafs Krimi-Zehnteiler "Im Angesicht des Verbrechens". Sonst ist das sogenannte Quality-TV, etwa Serien wie "The Wire" Importware. Regisseur Graf selbst kritisiert in dem Artikel die inkonsequente Haltung der Öffentlich-Rechtlichen. Diese haben einerseits den Anspruch auf Qualität, um die eigene Finanzierung zu rechtfertigen, anderseits gehe es ständig um Quoten.

"Dschungelcamp" statt Quality-TV

Gute Zuschauerzahlen haben etwa Trash-Formate wie das "Dschungelcamp", das selbst Zeitungen minutiös verfolgen, bemerkt Kulish. Den Höhepunkt der TV-Kritik liefere nach 30 Jahren on Air aber unverändert "Wetten, dass ...?".

An der Sendung lässt der Korrespondent kaum ein gutes Haar. Er beschreibt, wie (US-)Prominente zum Affen gemacht werden, lästert über die Überlängen und die teils skurrilen Simultanübersetzungen. Zuletzt habe das Publikum Matthias Schweighöfers blanken Hintern sehen müssen und Tom Hanks und Denzel Washington seien Hüte mit Katzenohren aufgesetzt worden.

Gottschalk selbst beschreibt der Korrespondent als skurrile Starfigur. Er habe durch seine extravaganten Anzüge wie eine Mischung aus dem verrückten Hutmacher aus "Alice im Wunderland" und Willy Wonka aus" Charlie und die Schokoladenfabrik" gewirkt. Moderator Markus Lanz agiere hingegen wie ein "fleißiger Schuljunge". Die Wetten selbst erinnern ihn an die Sparte "Stupid Human Tricks" (daher der Titel des Artikels) aus der David-Letterman-Show.

Kritik von US-Stars

Der "NYT"-Artikel ist eine weiterer Schlag aus den USA gegen die ZDF/ORF-Koproduktion. Hanks hatte sich bereits im November über die Länge der Sendung mokiert, ein Programmverantwortlicher in den USA wäre für solch einen Showmarathon gefeuert worden. Milder war da Washington Ende Jänner: "Das ist tatsächlich ein Showformat aus einer andern Zeit", sagte der Oscar-nominierte Schauspieler. Die Sendung habe ihn an die Fernsehshows aus seinen Kindertagen erinnert. "So etwas haben wir in den USA gar nicht mehr", meinte Washington. Das "Altmodische des Konzepts" habe er auch als "sehr rührend empfunden".

(her)

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23 Kommentare

Wo sie recht haben

Auch wenn sich manche mokieren werden, dass so eine Kritik aus den USA kommt, so stimmt sie doch in jedem einzelnen Punkt. "Wetten, dass...." ist an Belanglosigkeit, Langeweile und sogar Peinlichkeit kaum zu übertreffen. Ich wundere mich seit Jahrzehnten, wer sich das im Fernsehen antut. Dürfte ein Hinweis auf die Überalterung der Menschen im Sendegebiet sein. Viel zu selten gelingt im deutschsprachigen Raum ein Coup wie Braunschlag. Das meiste was hier produziert wird, ist belangloses Tussi- und Rentnerfernsehen.

5 1

Gerade die Amis regen sich auf???

Die haben doch 1000 mal mehr sinnlosen Blödsinn im TV als wir hier in Europa.

Kehrt mal in eurem Haus bevor ihr den Schlapfen aufreißt und andere kritisierte ;-)

Re: Gerade die Amis regen sich auf???

waren Sie schon mal dort oder reden Sie von den hier gezeigten Sendungen? (die noch dazu meistens ganz furchtbar synchronisiert werden)

köstlich

Amerika macht sich Gedanken über Qualitätsformate im TV ? wenn ich unabsichlich in einen amerikanischen Spielfilm zappe,drehts mir den Magen um

"als rührend empfunden"

Denzel ist wirklich ein Sir.

na sowas ...

zu Wetten daß kann man stehen wie man will, aber ich kann in Amerika weder den intellektuellen, kulturellen nich historischen Hintergrund erkennen, die es befähigen würde uns zu beratschlagen. Immerhin haben die 2(!) mal George W. Bush gewählt. Wenn's den Herren Hanks und Washington nicht passt, müssen's ja nicht kommen. Außerdem waren's ja eh wegen der Kohle da und nicht wegen der Sendung.

3 1

Re: na sowas ...

Was George W. Bush in dieser Diskussion verloren hat, ist mir rätselfhaft. Tatsache ist, dass in den vergangenen 10 Jahren eine Menge hochwertiger Qualitätsserien produziert worden. Weder in Deuschland, noch in Österreich gibt es Vergleichbares zu "The Sopranos", "Mad Men", "Six Feet Under", "Sons of Anarchy", "Grey's Anatomy" oder "Breaking Bad" (um nur einige zu nennen).

Und was den kulturellen und intellektuellen Hintergrund im Allgemeinen angeht, dann ist wohl schwerlich zu leugnen, dass hier die bedeutenden Impulse grossteils auch aus den USA kommen. Das gilt für Literatur, Bildende Kunst, Film, Philosophie, ebenso wie für die Naturwissenschaften.

naja...

... Tom hanks ist jetzt nicht unbedingt dafuer bekannt ein umgänglicher Typ zu sein

Re: naja...

Kennen Sie ihn?

Re: Re: naja...

Gegenfrage kenne Sie ihn? Ich will ja nicht ihre Welt zerstören aber Tom hanks ist nicht gleich Forest Gump ;)

Re: Re: Re: naja...

Nein, um Ihre Gegenfrage zu beantworten. Allerdings trage ich nicht zweifelhafte Informationen, die Sie ja offentsichtlich aus der Klatsch-Presse haben müssen, in die Welt hinaus. Solch ein Verhalten des unkritischen Nachplapperns bestätigt diese Blätter ja noch. Gottseidank sprechen wir über "Wetten dass..." bzw. Unterhaltung und nicht über wichtigere Themen ;-)

zum Fremdschämen!

die sendung ist ja auch unter jeder kritik. man sollte sich halt nicht mit internationalen stars schmücken, die dann daheim berichten ..

Wetten Dass,...

...war schon immer eine sehr seichte und anspruchslose TV Show. Aber nachdem Gottschalk, der durch seine Art doch noch ein wenig - ja fast schon Humor- hineingebracht hat, gegangen ist, hätte sie einfach abgesetzt werden sollen. Der neue Moderator und seine übergewichtige Assistentin, deren Geschlecht sich gerade am Namen erahnen lässt, sind einfach eine Blamage für den gesamten deutssprachigen Raum! Denn was die Deutschen machen, wird von der Welt auch auf uns projiziert. Und mit so einem Image sollte Österreich sich nicht herumschlagen müssen!
Dass aus dem deutssprachigen Raum nur sehr wenige gute TV- und Filmproduktionen kommen ist keine Neuigkeit, aber dass eine davon so enorm schlecht (geworden) ist, dass sie sogar von einem amerikanischen Qualitätsblatt kommentiert wird, ist doch eine Seltenheit und sollte die Verantwortlichen zum Nachdenken bringen.

… Herrn Kulishs Artikel ist mir nicht einmal einen verschlagenen Wind wert.


Ob er jetzt Recht hat oder nicht, …


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Die Geschmäcker sind halt verschieden (Gott sei Dank)

Bin selbst zwar auch kein Fan von "Wetten dass..", aber es gibt viel schlechtere Unterhaltungssendungen. Am besten man zeigt den Amis einmal das Dschungelcamp. Hoffentlich glauben sie dann nicht, dass dies eine europäische Kultursendung wäre.

9 4

Hollywood-washington-new york

Wenn ich mir ansehe welchen kitsch die amis über den kasten flimmern lassen, sollten sie über ihre art von qualität nachdenken und nicht vor der haustüre anderer kehren.

Re: Hollywood-washington-new york

Wo kommt innovation im TV global her? D/O oder USA? Bitte ein format nennen das in D/O entwickelt wurde und weltweit Verbreitung findet? In den letzten Jahren. Mir fallen einige schlechte US serien ein, mir fallen aber auch zig tolle/ innovative formate ein (24, csi, homeland...). Aber einfach mal gegen die Amis mit den tiefsten voruteilen laestern!

0 0

Re: Re: Hollywood-washington-new york

Coca cola lasst grüßen.

0 1

Re: Re: Hollywood-washington-new york

schlag den Raab wurde doch ziemlich weit verbreitet - ob das jetzt für oder gegen das deutsche Fernsehen spricht ist eine andere Frage :|

9 1

Trotzdem

.. haben die Amis neben dem ganzen Mist halt auch qualitativ hochwertige Produktionen. Die Deutschen nicht.

Re: Trotzdem

Blödsinn...auch Deutschland hat sein Filmschaffen jenseits des Mainstream.

1 0

Re: Re: Trotzdem

"jenseits des mainstream", genau darum geht es eben NICHT:

Serien wie "CSI", "24", "The Sopranos", "Mad Men", "Six Feet Under", "Sons of Anarchy", "Grey's Anatomy" oder "Breaking Bad" haben bzw. hatten so hohe Einschaltquoten, dass man sie wohl kaum als Nischenprodukte einstufen kann.

Diese Produktionen zeigen deutlich, dass die Kombination aus "Qualität" und "Mass Appeal" möglich ist.

Damit führen sie ein altes und überholtes europäisches Dogma ad absurdum: Dass guter Geschmack einer kleinen Elite vorbehalten ist und das Massentauglich automatisch Schrott ist. Es geht eben auch anders...

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