Netzwerk: Ein Salon im Geiste Zuckerkandls

24.02.2013 | 18:50 |  von Teresa Schaur-Wünsch und Anna-maria Wallner (Die Presse)

Die beiden PR-Experten Gabi Spiegelfeld und Markus Schindler wollen den „Zigarrenklub“ als „SalonZ“ fortsetzen.

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Man kann eigentlich nicht behaupten, dass Gabi Spiegelfeld nicht genug ausgelastet wäre. Neben ihrer Tätigkeit als PR- und Event-Beraterin für Wiener Kreativunternehmen ist sie Schirmherrin und Organisatorin mehrerer Wiener Netzwerke. Trotzdem hebt sie gerade mit dem PR-Fachmann Markus Schindler ein neues aus der Taufe. Ab heute, Montag, laden die beiden einmal pro Monat zu ihrem „Salon Z“ in die Beletage des Café Landtmann. Ganz nach dem Vorbild von Berta Zuckerkandl, die im Fin de Siècle um 1900 sogar im selben Haus, wenn auch ein paar Stockwerke weiter oben, Künstler, Mediziner und Juristen regelmäßig zum Austausch in ihren Salon lud.

Um einen informellen Austausch soll es auch im „Salon Z“ gehen, denn Gabi Spiegelfeld will beobachtet haben, dass die Wiener Gesellschaft „hungrig nach Themen“ ist. „Du siehst, dass die Menschen danach lechzen, sich auszutauschen“, sagt sie. Sie suchen Einordnung, Unterstützung und Diskussion bei vielfältigen Themen, sei es bei der Bildungsreform, der Finanzkrise oder schlicht bei der Frage, in welche Schule man die eigenen Kinder geben soll.

Markus Schindler hat, als ehemaliger Partner der Agentur Pleon Publico, Erfahrung mit Netzwerkzirkeln – schließlich war es sein damaliger Kompagnon Wolfgang Rosam, der vor 15 Jahren in den Publico-Räumlichkeiten den mehrheitlich von Männern frequentierten „Zigarrenklub“ einführte. Der hat dann auch Schindler und Spiegelfeld, die Ehefrau von Immobilienmakler Georg Spiegelfeld, indirekt zusammengeführt: Ab 2003 war Spiegelfelds überparteilicher „Klub für Frauen“ dort immer wieder zu Gast.


Schindler verließ 2010 die Pleon Publico, seit Jänner führt er die neue Agentur Pantarhei – beinah zeitgleich eröffnet er den neuen Salon. (Seine frühere Agentur, nunmehr Ketchum, ist soeben in die Nähe des Gasometers übersiedelt, Chefin Saskia Wallner will den einstigen Zigarrensalon wie berichtet ebenfalls in anderer Form fortführen.) Der neue Klub, betont Schindler, sei allerdings unabhängig von seiner Agentur: „Schon aus Compliance-Gründen.“

Zielgruppe für den Salon Z sind „Meinungsträger des Landes, Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und den Medien“. Allerdings legt Spiegelfeld Wert darauf, dass sich hier nicht nur Männer über 50 treffen, sondern auch junge Menschen. Über ihre Söhne habe sie Zugang zu dieser Zielgruppe („etwa Vorstandsassistenten“), die viel zu wenig Möglichkeit habe, „in qualitätsvolle Netzwerke zu kommen“. Die größte Arbeit war demnach ein sorgfältig zusammengestellter Einladungsverteiler, den man mit 600 Personen als handverlesen bezeichnen kann. Vielleicht mit ein Grund, warum sich zuletzt immer wieder die eine oder andere Person meldete, die förmlich darum gebettelt haben soll, auf die Gästeliste gesetzt zu werden. Es habe durchaus Interessenten gegeben, relativiert Spiegelfeld; auch werde die Gästeliste eine dynamische sein und: „Es sollen sich nicht nur die Leute sehen, die sich ohnehin überall sehen. Auf jeden Fall habe man einen gewissen „Exklusivitätsanspruch“.

Aber hat ein Salon wie dieser in Wien noch gefehlt? Veranstaltungen und Vortragsreihen gibt es zuhauf, fast jedes größere Unternehmen lädt regelmäßig zu Networking-Events, dazu kommen Sponsoringessen von Museen und Ähnliches. Dennoch: „Wien braucht so etwas“, ist Schindler überzeugt. Auch Spiegelfeld ist selbstsicher, Konkurrenz für den „Salon Z“ gäbe es derzeit keine. Und ob die Zielgruppe überhaupt noch Zeit für einen weiteren monatlichen Jour fixe hat, beantwortet sie so: „Für eine gute Veranstaltung ist immer Zeit.“ Die Abende werden immer gleich ablaufen: Ein Gast wird einen kurzen Impulsvortrag halten – am ersten Abend ist das ÖBB-Chef Christian Kern, im März Uniqua-Chef Andreas Brandstetter. Im Anschluss gibt es ein Buffet und Zeit für Diskussion. Networking nicht ausgeschlossen.

Auf einen Blick

„Salon Z“ist eine neue Diskussionsrunde, die von den PR-Experten Markus Schindler und Gabi Spiegelfeld initiiert wird. Sie bringen ihre Erfahrungen aus dem ehemaligen „Zigarrenklub“ und dem „Klub für Frauen“ ein. Man trifft sich einmal im Monat montags in der Beletage des Café Landtmann, wo einst Berta Zuckerkandl zu Salonabenden lud. Die Teilnehmer werden persönlich eingeladen und sollen Raum für „gute Gespräche“ haben; Auftakt ist heute Abend mit einem Vortrag von ÖBB-Chef Christian Kern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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