Mainzelmännchen und Sascha Hehn: Das ZDF wird 50

27.03.2013 | 18:15 |  ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

In der ZDF-Realsatire „Lerchenberg“ spielt der „Traumschiff“-Kapitän sich selbst. Ein Geburtstagsgeschenk an den Sender.

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Auch Mainz hat seinen Küniglberg. Auf der kleinen Anhöhe im Südwesten der Stadt steht seit 40 Jahren die Zentrale des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF). Nicht nur deshalb nennt man den Hügel auch „Medienberg“, denn anders als auf dem Wiener Küniglberg in Hietzing, auf dem nur der ORF residiert, beherbergt der Mainzer Stadtteil Lerchenberg auch Sender wie 3sat und Arte.

Zwischen den Studios und Redaktionsbüros in der ZDF-Zentrale auf dem Lerchenberg spielt nun die gleichnamige Serie, die der Sender ab heute, Donnerstag, rund um seinen 50.Geburtstag zeigt. Darin spielt sich der Seriendarsteller Sascha Hehn selbst – und das ist beachtenswert: Erstens begibt sich das ZDF damit in das im deutschsprachigen Raum bisher unterentwickelte Realsatirefach, das in den USA mit Serien wie „30 Rock“ etabliert wurde. Darin wird der Redaktionsalltag einer NBC-Sendung mit Alec Baldwin und Tina Fey nacherzählt. Zweitens hat der Sender, der 1963 genau 13Jahre nach der ARD auf Sendung ging, begriffen, dass er seinen runden Geburtstag nicht nur staatstragend abhandeln kann.

 

„Kein Kuschelverein“

Drittens hat Hehn, bekannt als Dr. Udo Brinkmann (in der „Schwarzwaldklinik“) und nach wie vor als Kapitän auf dem „Traumschiff“ im Dienst (neue Folgen ab 2014), offenbar ein komödiantisches Talent. Das ZDF sucht für ihn, den in die Jahre gekommenen, aber von sich eingenommenen einstigen Superstar, eine neue Spielwiese. Betraut mit dem Sonderprojekt wird Redakteurin Sibylle Zarg (Eva Löbau): Darf es eine Kochshow sein? Oder doch der sportliche Auftritt in Lederjacke in der Krimireihe „Ein Fall für zwei“? Was auch immer es wird – das ZDF ist jedenfalls „kein Kuschelverein“, wie der Sportredakteur Philipp mit betroffener Stimme sagt. „Man kriegt ja hier nichts geschenkt – auch wenn das nach außen hin alles so träge aussieht.“ Schon der Trailer der Serie verrät, dass nicht nur Hehn Selbstironie beweist, sondern auch der Sender Mut zur Selbstreflexion hat. Kritik kam bisher nur an der späten Sendezeit: Alle vier Folgen laufen schon heute Nacht im Spartensender ZDFneo, erst ab 5.April auf ZDF. Das ist sogar Absicht, die Serie soll nach der Erstausstrahlung in der Mediathek abrufbar sein, dort ihre Fans finden und damit bessere Quoten zur späten Sendezeit einfahren.

Abgesehen von „Lerchenberg“ feiert das ZDF sein halbes TV-Jahrhundert konventionell – mit zwei Liveshows, die Maybritt Illner moderiert und bei der auch die Werbemainzelmännchen eine Rolle spielen werden. Jörg Pilawa hätte die Shows moderieren sollen, doch er fixierte kürzlich seinen Wechsel zur ARD, was ZDF-Intendant Thomas Bellut in Interviews kritisierte. Hätte der Weltkriegsdreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ zuletzt nicht Quoten von rund sieben Millionen Zusehern gehabt, es gäbe wenig Grund zum Feiern für das ZDF: Sinkende Quoten und Schleichwerbevorwürfe gegen „Wetten, dass..?“, der Wechsel der Jungstars Joko & Klaas zu Pro7 und das Ende der Talkshow „Roche & Böhmermann“ auf ZDFneo haben die Laune getrübt. Die Ironie von „Lerchenberg“ hat somit einen wahren Kern: Nicht Sascha Hehn sucht verzweifelt eine Sendung zur Selbstverwirklichung, sondern der Sender einen echten Quotenhit.

„Lerchenberg“: alle Folgen heute, 28.3., ZDFneo, ab 22.45h und ab 5.4., ZDF, 23h. Jubiläumsshow: heute und Samstag, 20.15h.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2013)

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