Internationale Häme für VÖZ-Kampagne

Die Sujets seien "eine reichlich unreflektierte Kritik an Twitter, Facebook und Google" und die "vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt". Der VÖZ verteidigt sich.

Pressefreiheit Panzer gegen Google
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Pressefreiheit Panzer gegen Google
Pressefreiheit Panzer gegen Google – (c) VÖZ

Nicht nur in Österreich stößt die Kampagne des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) zum heutigen Tag der Pressefreiheit auf Kritik, auch international gibt es Häme für die drei Werbesujets. Auf einem der drei Bilder liegt das blaue Twitter-Vöglein tot am Rücken, auf einem ist der Facebook-Like-Daumen mit dem Text "Likes sind kein Qualitätsmerkmal!" zu sehen und auf einem sieht man einen Panzer hinter einem bunten Google-Logo, das den Schriftzug "Zensur" trägt. Es gleicht dem Foto, das 1989 am Platz des Himmlischen Friedens in Peking aufgenommen wurde, auf dem sich ein Mann einem Panzer entgegenstellt.

Diese drei Motive seien "vor allem eine reichlich unreflektierte Kritik an Twitter, Facebook und Google", schreibt das deutsche Branchenmagazin Meedia am Freitag. Wolfgang Blau, ehemaliger Chefredakteur der "Zeit Online" und nunmehriger "Guardian"-Onlinestratege schließt sich an der Kritik an. Er glaube an eine Zukunft von Print-Zeitungen, schreibt er auf Facebook. "Aber nur von solchen, die mehr zu bieten haben und sich auf eine andere Weise abheben als über das Schlechtmachen des Internet, digitaler Lesestrategien und Social Media."

"Die vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt"

Härtere Worte findet der Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger: Er hält die VÖZ-Serie für "die vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt", schreibt er auf Twitter. Netz-Journalist Mario Sixtus schließt sich auf dem Kurnachrichtendienst an und schreibt: "Die Ösi-Zeitungsverleger toppen im Nicht-im-einundzwanzigsten-Jahrhundert-ankommen-Wollen sogar die deutschen." Und "Bildblog"-Herausgeber Stefan Niggemeier meint: "Österreichische Verleger noch bekloppter als deutsche Verleger. Keine Ahnung, ob das als gute Nachricht zählt."

>>> Storify: Wie sich das Netz über die VÖZ-Kampagne lustig macht

Der VÖZ selbst hat auf die viele Kritik reagiert: "Zeitungen und Magazine sind der Garant für unabhängige und ausgewogene Berichterstattung", so VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. "Soziale Medien bieten die Möglichkeit des Meinungsaustausches und der fragmenthaften Information. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dies kam auch im Text des Inserates klar zum Ausdruck."

Die Erregung derer, "die nur allzu gerne den Abgesang auf die Zeitungsindustrie anstimmen" sei durchschaubar und ändere nichts an der Funktion, die Zeitungen und Magazine für die Demokratie hätten, meint Grünberger. Zudem würden soziale Netzwerke die Meinungsvielfalt nicht zwingend befördern: "Nur weil virtuelle 'Freunde' oder Follower in einem Netzwerk uniform eine Meinung vertreten, heißt das nicht, dass es keine anderen Meinungen gibt." Zeitungen und Magazinen würden unterschiedlichen Standpunkten Raum geben, damit sich der Leser eigenständig eine Meinung bilden könne.

"Zensur im Web findet im Verborgenen statt"

Mit den Sujets wolle der VÖZ eine Diskussion rund um die Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und Ausgewogenheit von Informationen in unterschiedlichen Medienkanälen anstoßen: "Während Zensoren in manchen Ländern unliebsame Textstellen mit schwarzen Balken unkenntlich machen, findet Zensur im Web im Verborgenen statt", so der VÖZ-Geschäftsführer.

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Pressefreiheit Panzer gegen Google – (c) VÖZ

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