Internationale Häme für VÖZ-Kampagne

03.05.2013 | 14:22 |  Heide Rampetzreiter (DiePresse.com)

Die Sujets seien "eine reichlich unreflektierte Kritik an Twitter, Facebook und Google" und die "vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt". Der VÖZ verteidigt sich.

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Nicht nur in Österreich stößt die Kampagne des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) zum heutigen Tag der Pressefreiheit auf Kritik, auch international gibt es Häme für die drei Werbesujets. Auf einem der drei Bilder liegt das blaue Twitter-Vöglein tot am Rücken, auf einem ist der Facebook-Like-Daumen mit dem Text "Likes sind kein Qualitätsmerkmal!" zu sehen und auf einem sieht man einen Panzer hinter einem bunten Google-Logo, das den Schriftzug "Zensur" trägt. Es gleicht dem Foto, das 1989 am Platz des Himmlischen Friedens in Peking aufgenommen wurde, auf dem sich ein Mann einem Panzer entgegenstellt.

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Diese drei Motive seien "vor allem eine reichlich unreflektierte Kritik an Twitter, Facebook und Google", schreibt das deutsche Branchenmagazin Meedia am Freitag. Wolfgang Blau, ehemaliger Chefredakteur der "Zeit Online" und nunmehriger "Guardian"-Onlinestratege schließt sich an der Kritik an. Er glaube an eine Zukunft von Print-Zeitungen, schreibt er auf Facebook. "Aber nur von solchen, die mehr zu bieten haben und sich auf eine andere Weise abheben als über das Schlechtmachen des Internet, digitaler Lesestrategien und Social Media."

"Die vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt"

Härtere Worte findet der Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger: Er hält die VÖZ-Serie für "die vielleicht dümmste Analogkampagne der Welt", schreibt er auf Twitter. Netz-Journalist Mario Sixtus schließt sich auf dem Kurnachrichtendienst an und schreibt: "Die Ösi-Zeitungsverleger toppen im Nicht-im-einundzwanzigsten-Jahrhundert-ankommen-Wollen sogar die deutschen." Und "Bildblog"-Herausgeber Stefan Niggemeier meint: "Österreichische Verleger noch bekloppter als deutsche Verleger. Keine Ahnung, ob das als gute Nachricht zählt."

>>> Storify: Wie sich das Netz über die VÖZ-Kampagne lustig macht

Der VÖZ selbst hat auf die viele Kritik reagiert: "Zeitungen und Magazine sind der Garant für unabhängige und ausgewogene Berichterstattung", so VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. "Soziale Medien bieten die Möglichkeit des Meinungsaustausches und der fragmenthaften Information. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dies kam auch im Text des Inserates klar zum Ausdruck."

Die Erregung derer, "die nur allzu gerne den Abgesang auf die Zeitungsindustrie anstimmen" sei durchschaubar und ändere nichts an der Funktion, die Zeitungen und Magazine für die Demokratie hätten, meint Grünberger. Zudem würden soziale Netzwerke die Meinungsvielfalt nicht zwingend befördern: "Nur weil virtuelle 'Freunde' oder Follower in einem Netzwerk uniform eine Meinung vertreten, heißt das nicht, dass es keine anderen Meinungen gibt." Zeitungen und Magazinen würden unterschiedlichen Standpunkten Raum geben, damit sich der Leser eigenständig eine Meinung bilden könne.

"Zensur im Web findet im Verborgenen statt"

Mit den Sujets wolle der VÖZ eine Diskussion rund um die Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und Ausgewogenheit von Informationen in unterschiedlichen Medienkanälen anstoßen: "Während Zensoren in manchen Ländern unliebsame Textstellen mit schwarzen Balken unkenntlich machen, findet Zensur im Web im Verborgenen statt", so der VÖZ-Geschäftsführer.

(c) VÖZ Pressefreiheit Panzer gegen Google

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58 Kommentare
 
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ein paar Jugendliche in der Zensur

filtern die Meinung der Leser nach ihrer Präpotenz. Auf Garohne-Niwoh herab.

"Zeitungen und Magazine sind der Garant für unabhängige und ausgewogene Berichterstattung"

Bei den Medienförderungen die in Ö jährlich an diverse "Freunde" von SPÖ und ÖVP ausgezahlt werden (Fellner, Dichand, ....) grenzt dieser Kommentar an Hohn.

Man erinnere sich an dieser Stelle auch an das tolle Geschäft das der Herr Faymann und der Herr Fellner, bzegl einer Rückmietung der NEWS Tower mit der Wiener Wohnen abgeschlossen haben. Den Steuerzahler kostet das jährlich Millionen und die News Verlagsgruppe saniert sich fein raus .....

Pressefreiheit

Die Pressefreiheit ist gut und schön, aber: gibt es ein relevantes Printmedium in Österreich, welches nicht vom Staat Millionenförderungen erhält?

VÖZ...

"Zeitungen und Magazine sind der Garant für unabhängige und ausgewogene Berichterstattung. Soziale Medien bieten die Möglichkeit des Meinungsaustausches und der fragmenthaften Information."

Gratulation an den VÖZ, sie haben sich bei der Veröffentlichung dieser Sujets selbst übertroffen, v.a. mit der oben zitierten Begründung auf deren offiziellen Seite. Meinungsfreiheit des einzelnen mit Pressefreiheit gleichzusetzen grenzt an unreflektierter Betrachtung des Themas per se sondergleichen und ist absolute Themenverfehlung!

VÖZ

Herzig die Vorgestrigen vom VÖZ. Die Medienvielfalt gepaart mit einer gesund durchmischten Eigentümerstruktur sorgt für Pressefreiheit und journalistische Qualität. Ganz sicher nicht der Publikationskanal.

Ich kann mich noch erinnern als es hieß Wikipedia könne hinsichtlich Seriosität, Verlässlichkeit und Genauigkeit nie mit der Brockhaus Enzyklopädie mithalten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Brockhaus_Enzyklop%C3%A4die#Weitere_Entwicklung

(c;

Re: VÖZ

.

Die beim VÖZ haben echt Mut

Passt aber gut zum Tag der Pressefreiheit

8 1

einfache Frage

Wem gehören denn all die grossen Medien, und welche Interessen werden deren Besitzer schon verfolgen ?!

0 0

als ob das Eigentum... Re: einfache Frage

Als ob die Eigentümer noch was zu sagen hätten.

Printmedien sind zuverlässig?

Printmedien schreiben in den meisten Fällen einfach das, was die Leute, die dort das sagen haben, diktieren. Man braucht sich nur den Substandard ansehen. Ist das reale, zuverlässige Information? Oder ist das Grüncommie-Propaganda? Wohl eher letzteres. Und die Medien schreiben oft so viel Müll, gerade wenn es um die USA und Waffen etc. geht. Ein Drittel der Journalisten in Österreich steht nach offiziellen (!), freiwilligen Angaben den Grünen nahe. Die gleiche Umfrage kam auch zu dem Schluss, dass Journalisten generell ihre Medien als Mittel sehen, die öffentliche Meinung nach ihren Wünschen zu beeinflussen. No-na wird da in den Medien nicht gerade die Wahrheit abgedruckt werden, wenn linksextreme Schreiberlinge am Werk sind.

3 0

Wer diese Kampagne verhöhnt,...

...hat sie nicht verstanden und arbeitet den Zensoren in die Hände.

Re: Wer diese Kampagne verhöhnt,...

ich glaube eher, dass hier der Unterschied zwischen Pressefreiheit und Meinungsfreiheit nicht verstanden worden ist!

Häme braucht es nicht!

Sondern Journalisten die selbständig denken können. Solche, die nur den Mainstream Senf nachplappern haben wir zur Genüge. Was hätte bei solch einer Kampagne schon herauskommen können, in einer Medienlandschaft mit annähernden 90 % links-grünem Meinungsterror?

Ich kenne kein namhaftes Onlinemedium, das nicht Postings zensiert, die krass von ihrer Blattlinie abweichen. Auch die Presse liegt auf dieser Linie. Heute Morgen ist ein Strache Artikel sehr schnell in der Versenkung verschwunden, weil ihm wahrscheinlich zu viele recht gegeben haben. Ich bin kein Strache Fan, aber, dass der tschetschenische Terrorismus in Österreich hofiert wird ist ein Faktum.

Bravo VÖZ!

Gratuliere zu den Sujets der Insertionen aus Anlass des Tages der Pressefreiheit!


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Wo ist das Inseratensackerl bei der Kampagne?

Irgendwohin muss das Geld ja von den Politikern an die nützlichen Idioten fliessen ...

... oder soll der Schuh ein Sparschweinderl von SPÖ und ÖVP Gnaden darstellen?

Was soll eine Werbekampagne bewirke?

Ganz einfach: Dass man darüber spricht. Ob gut oder böse, man spricht darüber.
Gut gelungen!

Re: Was soll eine Werbekampagne bewirke?

da gebe ich ihnen vollkommen recht.
immerhin geht es in der kampagne nicht um
irgendetwas, sonder um die pressefreiheit und
das recht auf freie meinung. es ist dem vöz
gelungen, dass das thema in aller munde ist.
und das ist meiner meinung nach großartig!

Ja da geifert die Social-Kamarilla

Braucht sie doch die ach so "sozialen" Netze als Schlachtfeld für Marketing-Offensiven.

Diese Kampage trifft den Nagel auf den Kopf.

17 1

Zensur, wie gestrig.


Statt auf solche Vorschlaghammer-Methoden wie Zensur zurückzugreifen geht es heutzutage doch wesentlich subtiler.

Zum Beispiel durch parteipolitische Besetzung. Oder Diskussionsverbote unter dem Deckmäntelchen der "political correctness" bzw. "Gleichbehandlung".
Und wenn das auch nicht mehr weiterhilft, dann eben die gute alte Eh-schon-wissen-Keule.

Aber Zensur? Niemals!

Re: Zensur, wie gestrig.

Nicht zu vergessen die Nötigung mit Geld in Form von sinnfreien Inseraten... ;-)

3 2

btw.

über die kampagne wird ja quer durch die medienlandschaft diskutiert, daher chapeu VÖZ, in dem bereich ist vor allem diskussion wichtig (negativ/positiv is eher wurscht), sind ja alles so diskussionsbereit und so wahnsinnig kritisch und reflektiert


Re: P = Z

Was soll das heißen und warum? Detaillierte Begründung bitte.
Oder kannst du es nicht begründen?

Re: Re: P = Z

was Du wollen Türke ...

Re: Re: Re: P = Z

ah, tückische türkische Manipulation, sehr sehr "clever"

4 0

tja

""bei der Reform der Presseförderung darauf zu achten, dass Medien nicht gefördert werden, die arbeitsrechtliche Vorschriften ignorieren ""

ist das die aufforderung, förderungen für den ORF zu kürzen?

 
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Meinung

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