ORF kann auf Formel1 und Orchester verzichten

16.05.2013 | 18:13 |   (Die Presse)

Richard Grasl, Finanzchef des ORF, sagt im Gespräch mit den Bundesländerzeitungen: "Müssen uns auf Kernaufgaben konzentrieren." Differenzen gab es am Donnerstag im Stiftungsrat rund um die Sparpläne.

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ORF-Chef Alexander Wrabetz übt sich in Optimismus. Im Vergleich zum staatlichen Fernsehen in Marokko, dem unlängst 40Prozent des Budgets gekürzt wurde, ginge es dem ORF richtig gut, sagte er am Rand des Stiftungsrates am Donnerstag. Ganz so erfreulich ist die Lage für den ORF freilich nicht. Seit Kurzem steht fest, dass die Politik vor der Nationalratswahl keine weiteren Millionen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stecken will. 600Millionen Euro kassiert er bereits durch Rundfunkgebühren. Der Einnahmenausfall durch Gebührenbefreiungen wird ab 2014 nicht – wie zuletzt mit 160Mio. Euro in vier Jahren – ersetzt. Wo kann der ORF also künftig sparen? Noch bevor der Stiftungsrat am Donnerstag unter anderem zu dieser Frage tagte, legte Finanzdirektor Richard Grasl seine Überlegungen in einem Gespräch mit den führenden Bundesländerzeitungen dar: „Wir müssen uns auf unsere absoluten Kernaufgaben konzentrieren und reduzieren. Niemand kann ernsthaft glauben, dass bei 30Millionen Euro weniger Geld das Angebot gleich bleiben kann.“ Während ihm Ski-Übertragungen als unantastbar gelten – „daran darf keiner rühren“ – hält Grasl mittelfristig ein Ende der Formel-1-Übertragungen für möglich und sinnvoll: „Der Aufwand für die Formel1 ist beträchtlich – da müssen wir nach Auslaufen des Vertrags überlegen, ob wir diese Mittel nicht für unverwechselbaren österreichischen Inhalt wie Filmproduktionen oder Dokumentationen einsetzen.“ 15Filme könne man für das Geld, das die Übertragung kostet, machen.

 

Neuer Kollektivvertrag – oder Jobabbau

Neben Programmreduktionen und Sondererlösen wird wohl auch beim Personal gespart werden müssen, kündigt Grasl an. „Entweder es gelingt uns, einen neuen Kollektivvertrag zu fixieren. Oder wir müssen uns von 250Mitarbeitern trennen.“ Grasl favorisiert jedoch die Ausgliederung von Nicht-Kernbereichen wie technischen Diensten oder von Verwaltungseinheiten in Tochtergesellschaften – eventuell mit Neuanstellung der Mitarbeiter zu neuen Bedingungen, nur das könnte die Kosten relativ rasch senken.

„Was mich wirklich stört, ist, dass einige immer noch glauben, im ORF gebe es eine zu geringe Produktivität. Wir haben in vier Jahren 600Mitarbeiter eingespart – das sind fast 20Prozent des Personals. Da könnten sich viele, die in so einer schwierigen Situation sind, etwas abschauen“, sagt Grasl. Bei der Frage, was zum Kernauftrag des ORF gehöre und was nicht, wird immer wieder das Rundfunksymphonieorchester genannt. Generaldirektor Wrabetz will es weiterführen, Grasl will diskutieren: „Auch wenn es sich um ein großartiges Orchester handelt, wird man darüber reden müssen, ob man TV-Produktionen streicht, aber die Streicher weiter spielen. Aber am liebsten wäre es mir natürlich auch, wir könnten es fortführen.“

Die Fraktionen im Stiftungsrat waren am Donnerstag uneins, wie mit den fehlenden Gebühren umzugehen sei. SPÖ-Freundeskreisleiter Josef Kirchberger brachte erneut einen an die Politik gerichteten Antrag für die Fortsetzung der Gebührenrefundierung ein, allerdings ohne dezidierten Sparauftrag. Die ÖVP-Stiftungsräte wollten da nicht mit, man habe bereits Anfang März einen beinahe identen Appell mit Hinweis auf Einsparungspotenziale eingebracht: eine neuerliche Resolution sei „nicht hilfreich“ und „inflationär“. Unbeeindruckt von diesen Differenzen und optimistisch gab sich Wrabetz. Er sehe „durchaus realistische Chancen“, die Refundierung in „Nichtwahlzeiten von der nächsten Regierung“ zu bekommen.

Das Interview wurde im Rahmen eines Treffens der Chefredakteure führender Bundesländerzeitungen mit Richard Grasl geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2013)

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95 Kommentare
 
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Weg mit der Zwangsbeglückung


Wrabetz-Abzockerpartie entlassen!

Diesen Parteien-Privilegiensender privatisieren! Diese Abzocker von ORF sollten mal richtig arbeiten für ihre Millionengagen ! Das Programm ist sowieso eine Frechheit!

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Das Rundfunkorchester...

...ist das Beste, was der ORF zu bieten hat.
Das zur Disposition zu stellen, zeigt den eher schlichten Geist des Hrn. Grasl.

Re: Das Rundfunkorchester...

@Bolzen: Sie sagen (schreiben) es. Das RSO gehört unwiderruflich zum ORF, denn es hat einen Kulturauftrag und diesen darf der ORF nicht streichen, denn Kultur gehört auch zu seinen Kernbereichen, insbesondere unsere heimische Kultur. Sollte dennoch das RSO aufgelöst werden, dann blamiert sich der Sender auch international und das kann es doch nicht sein. Es reicht schon, wenn seine Nachrichten und Hörfunkmagazine politisch einseitig sind. Das Orchester ist politisch nicht belastet und muss daher unbedingt erhalten bleiben.

Re: Re: Das Rundfunkorchester...

Außerdem ist das Orchester eines der wenigen Überbleibsel von früher, bei denen man noch von Kultur im ORF reden kann, aber das kriegen die Verantwortlichen dort sowieso nicht mit.

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Re: Re: Re: Das Rundfunkorchester...

Der Grasl dürfte offenbar ein reiner Ö3-Hörer sein ;-)

Leistung wird in Ö durch "Pragmatisierung" in Luft aufgelöst !!!


Es ist lächerlich, mit welchem Programm sich diese Kasperln jährlichen von uns Steuerzahler vergolden lassen !

Da wie dort ist die Politik von Rot und Schwarz Garant dafür, dass sich Leistung durch Pragmatisierung in NULL auflöst - ORF - Schule - Verwaltung - Bundesländer - WIKA - AK - ...


Für die Formel 1

Mir sind die Formel 1 - Übertragungen hundertmal lieber als 30, 40, 50 "österreichische" Filmproduktionen. Die wirklich guten Sachen behaupten sich auch ohne kräftige ORF-Quersubvention und auf den ganzen Schrott kann ich sehr, sehr gut verzichten.

Hat jeder schon den absoluten Tiefpunkt "Mitten im Achten" vergessen? Das ist es, was dabei rauskommt, wenn der ORF "unverwechselbaren österreichischen Inhalt" meint.

Warum kauft der ORF um die zig-Millionen nicht ab und an einmal niveauvolle US-Serien ein? Warum kein "The Wire"? Warum kein "Game of Thrones"?

Aber Hauptsache intellektuell komplett degenerierten Schund am 2er-Kanal und eher mittel-lustige Sitcoms am 1er Kanal bringen. Das schaffen die Privaten ohne Subventionen auch.

Jetzt sponsern die Burli Bures und der Taxi-Werner eh schon die Krone und die anderen Krawallblätter mit Steuergeldinseraten. Reicht das nicht?


Auf den Frequenzen vom ORF könnten wir einfach die Krone-Clips aus dem Internet senden. Die innenpolitischen Aussagen sind ähnlich.

Dann bräuchte die SPÖ nicht mehr ihre Leute am Küniglberg. Und müsste somit auch keine Rundfunkgebühren mehr einheben lassen.

Eine win-win Situation für alle. Wäre doch was.

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Am besten

ein für alle Mal den Rotfunk abschalten. Diese Indoktrinierungsmaschine wird niemand vermissen.

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Ersparen wir uns diesen SPÖ - ORF!!!


Wozu braucht ein winziges Land wie Österreich neun Landesstudios? Der Postenschacher im ORF ist nicht mehr auszuhalten, ständig höhere Gebühren, aber niemand macht etwas gegen diese Gauner! Privatisieren wäre die einzige Lösung, damit die politischen Gauner entsorgt werden!!!

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Als ich davon hörte, dass der ORF auf Formel1-Übertragungen verzichten könnte, habe ich befreit aufgeatmet

Denn dreitägige Übertragungen übers Autoabladen, freies Trainung, Pflichttraining, langes Rundumfahren und Siegerehrung samt dem ständigen gescheiten herumquasseln ist unerträglich. Zudem frage ich mich, warum der ORF als einziger staatlicher TV-Sender so viel Formel 1 überträgt und was wohl dahinter steckt.

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Re: Als ich davon hörte, dass der ORF auf Formel1-Übertragungen verzichten könnte, habe ich befreit aufgeatmet

Auf die Schiübertragung kann man aber auch leicht verzichten.
Hätte nicht dagegen. Die Formel 1 gibts auch auf anderen Kanälen.

Der ORF hat nur ein Problem, er ist eine nationale Institution

In Zeiten der EU-Vergemeinschaftung ist alle was die staatliche Identiät stärkt schlecht.

Darum gibt es auch kein Geld für einen unabhängigen ORF.

Wer braucht schon Formel eins ?

Wenn man am ORF Sport+ Highlights wie Golf aus Bangladesch oder Reiten aus Hintertupfing genießen kann.

Snooker aus dem Cafe Bauchstich in Ottakring soll demnächst auch übertragen werden.

Ja man braucht ja nur ein Konzept, dann klappts auch mit dem Zuschauerschwund.

Effektiver Sparvorschlag:


Einfach die Politikberichterstattung an den Pressedienst in der Löwelstraße auslagern!

Das würde jede Menge Personal und Geld sparen, ohne dass der Zuschauer eine Qualitätseinbuße merkt.

<Zynismus aus>

wer braucht schon die Formel 1?

Bei all der Kritik, die zum Teil sicher angebracht ist: Ich würd´den Job vom Grasl nicht machen wollen und wenn man sich anschaut, mit wievielen Einsparungen, Kürzungen, Streichungen was auch immer, der ORF in den letzten Jahren konfrontiert war, dann find ich, er hat einen guten Job gemacht.

Ich würd´den Job vom Grasl nicht machen wollen

Bei 250.000 Euro / Jahr ohne Boni ist wohl ein bisschen "Schmerzensgeld" dabei. Da hält man es schon aus.

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kernaufgaben

Die Kernaufgabe ist wohl ein Bildungs- und Kulturauftrag. Ohne Orchester ist der ORF kein solcher öffentlich rechtlicher Sender mehr. Was unterscheidet ihn dann eigentlich noch von den deutschen privatsendern? Alle 2 Jahre die gleiche Diskussion zum Orchester ist jämmerlich (v.a. im Vergleich mit Ländern, auf die Österreich hier gerne arrogant als "Kulturnation" herabsieht - zB Deutschland etwa zumindest 10 RSOs, UK 4 und Schweiz 3). Für Ramsch a la Dancing Stars oder Musikantenstadl braucht es keine Subventionen. Das die derzeitige Führungsebene nicht in der Lage ist, das zu managen, läßt 2 Lösungen zu: austauschen oder zugeben, dass dieser Anspruch nicht mehr erfüllt werden kann. Dann bitte privatisieren und kein Zuschuß mehr aus Steuermitteln.

Re: kernaufgaben

Bin ganz Ihrer Meinung, aber die schweizerische SRG hat ihre Orchester mit den regionalen Symphonieorchestern fusioniert, siehe Beispiele Basel und Lugano. Auch wurde in Deutschland beispielsweise das Rundfunkorchester Kaiserslautern mit dem Saarbrücker RSO fusioniert zur Deutschen Radiophilharmonie. Dafür entstand in Hannover die Radiophilharmonie Hannover des NDR als zweites Symphonieorchester des Norddeutschen Rundfunks. Man geht also in Deutschland andere Wege und an diesen könnte sich der ORF orientieren.

Re: kernaufgaben

Das Radio-Symphonieorchester ist nicht nur ein Aushängeschild, sondern auch gewinnbringend. Was allerdings am Dancing Stars-Orchester Ramsch sein soll, müßten Sie, werter kh123, noch erklären. Denn es handelt sich um ein Orchester aus lauter Spitzenmusikerinnen und -musikern. Diese sind wochenlang für den ORF tätig, aber dort nicht angestellt. Offensichtlich aus Spargründen.

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Re: Re: kernaufgaben

Das war auch nicht speziell auf das dort beschäftige Orchester sondern die Sendung als Ganzes bezogen. Die Frage ob der ORF auch ein Unterhaltungsorchester, eine Big-Band oder wie immer man das genau einordnet und organisiert würde ich durchwegs legitim finden. Auch sowas betreibt zB der NDR, während der ORF das schon vor langem abgeschafft hat. Ich glaube, dass das aber auch beim NDR nicht als Full-Time-Ensemble läuft. Das ist aber vermutlich auch nicht ganz mit einem Symphonieorchester vergleichbar, dessen spezifische Klangkultur zu entwickeln eher ein Langzeitprojekt ist, während eine Bigband eher vergleichbar ist mit einem Kammerensemble (vielleicht zB auch solchen wie die reihe oder Ensemble Modern) - die profitieren oft von einzelnen exzellenten Solisten, die ohnehin auch andere Karrieren parallel betreiben.

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„Wir müssen uns auf unsere absoluten Kernaufgaben konzentrieren

Ja, das wäre vielleicht einmal eine Idee, oder?

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da der e.pröll von kultur nichts versteht,

hat er seinen vasallen grasl angeschaft,das ORF Orchester zu zerstören.
dafür aber ihn selbst endlich auch Österreich weit in jeder noch so unwichtigen Sendung palavern zu lassen!

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Sind wir doch froh!

Sind wir doch froh, das wir für den Pelinka Bub auch noch einen hochdotierten, sicheren, fachspezifischen Job gefunden haben!

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Sport

auf den dafür eingerichteten Kanal - aber dafür viel mehr aktuelles, auch aus anderen Sportarten.

Österreichische Meisterschaften im Schwimmen, Reiten, Ringen, etc. zu übertragen, böte sicherlich interessante Einblicke in diesen Sport. Dann hätten auch diese tlw. sehr hochwertig tätigen, jedoch medial vernachlässigten Sportarten, mehr Chancen auf Sponsorgelder. Und da käme sicher mehr Leistung auf intern. Level raus als zB. beim Fussball!

Denkt an diese Sportarten auch dann, wenn nicht gerade Olympia ist (und wir wieder einmal Medaillenchancen haben sollten).

Das gehört ganz sicher mehr zum öffentlich rechtlichen Auftrag, als ein F1 Rennen in Malaysia, Singapur oder Tadschikistan!
;-)

 
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Meinung

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