Private haben kein Mitleid mit ORF

26.06.2013 | 17:37 |  Von Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Die Privatsender haben genug vom Jammern über das Sparen des ORF. Er habe noch genug „fette finanzielle Mittel“, um teure Erstausstrahlungsrechte zu kaufen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Tarnen und Täuschen nennt man das wohl: Im ORF kursiert ein Imagevideo, in dem dafür geworben wird, weiterhin vom Staat jährlich einen Millionenzuschuss für entgangene Rundfunkgebühren zu bekommen. Die Gebührenrefundierung sei „eine Investition in öffentlich-rechtliches Programm“, sagt die weibliche Stimme aus dem Off. Davor hat sie aufgezählt, wohin die insgesamt 160 Millionen Euro in den vergangenen vier Jahren geflossen sind: in die Spartenkanäle, das Rundfunksymphonieorchester, den Ausbau der Untertitelung des Programms für Blinde. Nebenbei habe man seit 2009 mehr als 60,9 Millionen Euro beim Personal gespart und zum dritten Mal hintereinander positiv bilanziert.

Worauf der Spot abzielt, ist klar. Der ORF präsentiert sich darin als braver Sparmeister, der alle gesetzlichen Auflagen für den Erhalt der Zusatzmillionen eingehalten hat. Doch verschwiegen werden wesentliche Teile des Programms: kein Wort von Action-Blockbustern, „Dancing Stars“ oder „Große Chance“, Fußballübertragungen oder Serien. Das Video, das auf YouTube gelandet ist, stößt den heimischen Privatsendern naturgemäß besonders auf. Am Dienstag luden sie zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Rundfunkfinanzierung, die zugleich Auftakt für eine neue Veranstaltungsreihe war. Die eingeladenen ORF-Vertreter waren nicht gekommen. Sowohl Generaldirektor Wrabetz als auch die angefragten Direktoren und Stiftungsräte hatten die Einladung ausgeschlagen. Der ORF schlug andere Gäste vor, die waren wiederum den Privatsendern nicht genehm. Eine kleine Posse, die zeigt: Die Gräben zwischen Privat- und öffentlich-rechtlichem Rundfunk sind tief, derzeit will man nicht einmal miteinander diskutieren.

Mehr zum Thema:

Keine Veranstaltung gegen den ORF

Den Zeitpunkt der Veranstaltung hätten die Privatsender nicht besser planen können. Seit Tagen wird gegen die mögliche Einstellung von kulturellen Veranstaltungen wie dem Bachmann-Preis oder sozialen Einrichtungen wie „Rat auf Draht“ protestiert. Für Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker grenzt die Jammerei über das ORF-Sparprogramm von immerhin 80 Millionen Euro an „Propaganda“. Der ORF werde sich auch in Zukunft Kultursendungen leisten können, wenn er bereit sei, bei anderen Bereichen zu sparen. „Der ORF soll weiter Unterhaltung bieten, aber in angemessenem, europäisch durchschnittlichem Umfang“, so die Forderung des Privatsenderverbands. „Der ORF soll nicht keinen Sport mehr zeigen, sondern nicht mehr jeden Sport. Nicht keine Serien, sondern nicht mehr jede wichtige Serie“, sagt Breitenecker.

Man wolle „keine Veranstaltung gegen den ORF abhalten“, betonte Klaus Schweighofer, Präsident des Privatsenderverbands und Styria-Vorstand: „Wir sind davon überzeugt, dass der ORF wichtig für dieses Land ist.“ Doch die Schieflage zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk müsse behoben werden.



Was wollen die Privaten also? Einen „fairen Wettbewerb“. Von dem sei Österreich weit entfernt, zumindest ergab das ihre Untersuchung der quotenstärksten Formate in Europa: Die teuren Kommerzrechte für Fußballübertragungen, Spielfilme, Serien und Shows seien in anderen europäischen Ländern zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern aufgeteilt. Anders in Österreich, hier würden alle Erstausstrahlungsrechte, bis auf „Twilight“ und die Champions League, bei einem Anbieter liegen – dem ORF.  Für Breitenecker ein Indiz für seine „fetten finanziellen Mittel“ durch öffentliche Mittel und Werbung (2012 betrug das Budget 900 Millionen Euro, 596 Millionen waren Gebühren), die im europäischen Vergleich und bezogen auf die Anzahl der zu versorgenden Bevölkerung sehr hoch seien. Würde er künftig bei seinen Rechteausgaben sparen, sich an das ORF-Gesetz halten, würde eine Diskussion wie derzeit über das Ende des Bachmann-Preises und Personalkürzungen hinfällig werden.

Übrigens, auch die Privatsender sind gut darin, in knackigen Imagevideos ihre Botschaft zu verpacken: Siegessicher reihen sie da Sendungen aneinander, vom Science-Fiction-Blockbuster „Avatar“ über den Historien-Mehrteiler „Tore der Welt“, Sitcoms wie „How I Met Your Mother“ und Serien wie „CSI Miami“ bis zu Fußball- oder Olympia-Berichten. Ein Sprecher sagt: „Das beste TV-Programm wird überall in Europa gleichberechtigt aufgeteilt. Nicht überall. Ein kleines Land kämpft immer noch gegen die Vorherrschaft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.“ Am Ende löst sich das Rätsel auf: Alle angeführten Sendungen waren sowohl im ORF als auch in Österreichs Privatsendern ATV, Puls4 oder ServusTV zu sehen. Das gallische Fernsehdorf Österreich, das da in Asterix-Manier gezeichnet wurde, würden die Privaten lieber heute als morgen verlassen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

46 Kommentare
 
12

was das Fernsehen betrifft: ORF auf III rwduzieren und auch da

die Naziremineszenzen und den alten Bronner weglassen.

Die Sendungen der Barbara Rett reichen mir.

ORF-Verbrechervertreter, jetzt müssen wir uns in Südtirol für den ORF schämen

Albaner haben die Kinder eines Zeitungsherausgebers niedergeschlagen, wie ich den ST Medien entnommen habe, kein Einzelfall.
Die Zeitung hat darauf von Albaner-Banden berichtet und die Aktion "Stopp der Gewalt in ST" gegründet.
https://www.facebook.com/StoppDerGewaltInSudtirol
Das hat den ORF nicht gepasst und sie haben darüber berichtet und der Zeitung Rassismus vorwarf.

ich auch nicht


Redet mal mit den Leuten, ...

... die bei den Privatsendern arbeiten. Da sich in Wien die Kameraleute, Redakteure, Cutter, Sprecher usw. untereinander kennen, weiß auch jeder, wie es bei anderen Sendern ungefähr läuft.
Eine kleine Auswahl:
1) Beim ORF gibt es vorauseilenden Gehorsam. die Redakteure wissen, was sie zu berichten haben. Andernfalls werden sie zwar nicht entlassen, werden aber auf Abstellgleisen entsorgt.
2) Was bei den Privaten 1 Cutter macht, machen beim ORF mindestens zwei Leute, jeweils zum fast doppelten Gehalt. Beim ORF dürfen bestimmte Cutter nur mit bestimmten Programmen arbeiten. Ist ein Rohschnitt erledigt, macht ein anderer das Endprodukt. Bei den Privaten macht das ein Mitarbeiter.
3) Im ORF, und darüber lachen sogar die Leute in den deutschen Sendern werden wichtige Jobs vererbt. (Fingers, Dittelbachers, Resetarits etc. etc.)

Der ORF ist eine Geldvernichtungsmaschine. Die paar Qualitätsprogramme wie Neujahrskonzert, kreuz + quer und andere Kultursendungen könnten locker auf ATV, Puls 4, Pro7, Sat-1 Sky usw. aufgeteilt werden - zum halben Preis versteht sich.

Re: Redet mal mit den Leuten, ...

Vollkommen richtig. Hinzu kommen auch die sogenannten "weißen Elefanten". Das sind Spitzenangestellte des ORF für die der ORF (oft aus politischen Gründen) keine Verwendung mehr hat. Diese gehen mit vollen Bezügen spazieren, denn eine Rückstufung ist laut ORF-Statut nicht möglich, sobald man 4 Jahre in einer Gehaltsstufe verbracht hat.
Der ORF in seiner jetzigen Form ist jedenfalls nichts anderes als eine Politbonzenversorgungsanstalt mit angeschlossenem Sendebetrieb und dieser Sendebetrieb erschöpft sich mittlerweile ausschließlich in der Ausstrahlung roter Propaganda.

10

Man muss den ORF nicht beseitigen, er macht das selbst!

Die ORF-Eigentuemer, SPOe und OeVP, schaffen sich ja auch ab ...

Nicht aufregen, abwarten! Wenn die Eigentuemer (siehe oben) so weitermachen, ist das auch ihr Ende!

Es ist ein Menschenrecht

den ORF nicht konsumieren und finanzieren zu müssen. Deshalb Schluss mit Zwangsgebühren!

frechheit

Als jahrelanger Ex-Taxler hab ich nie einen ORF-Mitarbeiter gesehen, der öffentlich heimfährt. Ausnahmslos Funkbestellungen für Business-Fahrzeuge, bezahlt wurde kein einziges Mal bar. Warum auch bar, wenn man ORF-Kundenkarte eingesteckt hat und jede Fahrt (auch private!!!) damit zahlen kann? Auf Steuerkosten natürlich!

zur Info

Z.B.

Kleine zeitung, presse --> styria medin Ag --> katholische Privatstiftung!

heute, österreich --> staatsinserate

usw.

Wenn

sich der Staat bei der Förderung des ORF zurückhalten, dann sollen bitte auch alle vom Staat gestützte und Privilegierte Organisationen, Vereine, Firmen, usw.

dazu zähle auch alle im Einflussbereich der katholischen Kirche stehenden Medienunternehmen!

Auch Banken sollten sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren!


Man bräuchte nur die allfälligen Stützungen einstellen

und schon wäre es fair für alle.

Der Staat ist nicht irgendein Akteur am Markt, er ist der einzige, der seine Wünsche notfalls mit Waffengewalt erzwingen darf.


Wenn wir

SPÖVP abwählen gibt es auch den ORF nicht mehr.
Ursache und Wirkung.

Re: Wenn wir

Doch, er wird nur anders eingefärbt werden!

Re: Re: Wenn wir

was das ENDE der ALTERNATIVE waere!

Die Privatsender haben genug vom Jammern des ORF

Warum sollen sie Mitleid haben mit dem "affenähnlich" geführten ORF! Auch die Zwangsgebührenzahler haben die "Schnauze" voll vom ORF und seinem miesen Programm.

Um Weltnachrichten zu sehen muss man auf DEUTSCHE Fernsehsender ausweichen weil man den "Schmarrn" vom ORF weder sehen noch hören will.

Beim ORF können die "Arbeiter" nicht einmal die Uhren genau ablesen und von Tontechnik haben die keine Ahnung.

Sender Danzig....


....ähm..... Küniglberg:abstellen!!

Schleimer, echtes Programm und Kultur Linke

Fakten:
So schlecht ist der ORF auch wieder nicht.

Neutral in der Information ist er nicht - über 60 % wählen rotgrün bei den Betriebsratswahlen - das wirkt sich natürlich auf den "neutralen" Journalismus aus ( in der Information ist es besonders arg).

Es arbeiten zu viele "Versorgte" und angeheiratet Versorgte dort in Positionen, die ihnen kaum zustehen (warum fällt mir Frau SPÖ Dittelbacher ein?).

Ein "bis endlich zum Erfolg" geförderter Haneke schleppt zahlreiche ewig dümpelnde Mini Hanekes nach sich, deren Filme kein Publikum haben. Wrabetz soll sich in kleinen Kreisen über mitgeförderte "sinnlos Filmprojekte", die nur nach Mitternacht ausgestrahlt werden können schon öfter echauffiert haben.

Auch der Kultur Bereich ist von GESINNUNGSGLEICHEN "Freunden", deren Karrieren der ORF fördert unterwandert. Vom Film über das Kabarett, bis zur eigentlichen Kultur. Zu Wort kommt nur der politisch korrekte Gleichklang.

Den Abbau von Stellen glaube ich nicht-Auslagerungen!

Re: Schleimer, echtes Programm und Kultur Linke


<ähem> und was ist jetzt gut am ORF?

Ich meine, für den gemeinen Unterta- äh Konsumenten.

ORF vollkommen neu aufstellen

Hier hilft nur totale neue Aufstellung. Das jetzige Gebilde ORF ist untragbar, teuer, verpolitisiert und nicht reformierbar.
Die diversen "Informationssendumgen" sind unerträglich tendenziell.
glücklicherweise haben wir Zugriff auf ARD, ZDF und andere.


Re: ORF vollkommen neu aufstellen

was ich noch vergessen habe: de facto haben wir 10 Belangsendungs-Programme. Österreich heute und alle ZIBs haben PR- Charakter mit leichten news-Einsprengseln damit es nicht gar so auffällt.

Re: ORF vollkommen neu aufstellen

wozu ?!?

Re: Re: ORF vollkommen neu aufstellen

genau wozu... am besten ABSCHAFFEN!!!

ja aber was die privaten nicht haben ist ein haufen "freunderln" die von der politik vorgeschoben wurde, die den ganzen nix tun außer luft schnappen, und die man trotzdem sehr gut "honorieren" muss! Freundschaft!!! würden die anfangen mit einem besen den ORF von polit-schädlingen zu säubern, wäre innerhalb von tagen schon möglich den ORF ohne verluste zu führen!!! Wer kann sich schon so viele UNnötige posten leisten? NUR ein ORF! die privaten können sie sich so viele "Direktoren" "Räte" "Vorstände" und bla bla bla einfach nicht leisten, deswegen haben die alle SCHLANKE strukturen und arbeiten kosteneffektiver als der große ORF monster!!!

einmal saß ein politiker am nebentisch und telefonierte mit dem wrabetz. auf einmal hörten wir "du machst das schon... schau dass der buam einen g'scheiten posten kriegt, der ist der sohn von XYZ (lieber nicht sagen sonst brennt hier das online forum!).
es quasi wie ein BEFEHL das ganze und kann mir schon vorstellen, dass solche anrufe mehrmals in der woche stattfinden!!!

22

900 Mill - dagegen sind ja die Griechen wahre Sparmeister

Die Wahrheit verdrehen ist halt teuer - mal schauen ob die Politik für verdrehte Informationen weiter zahlt.

Zum Schluss werden nur noch die Parteilieblinge raus grinsen - ich schau mir das wirre Zeug nicht mehr an.

Orf gehört nicht auf die Kultur - Seite !!!!!

Chronik oder Panorama ....

hoffentlich bald unter "Nachrufe"

!!!!!!

orf = Boulevard

jede Gratiszeitung hat höheres Niveau

 
12

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

AnmeldenAnmelden