ORF.at retuschierte Foto

ORF.at ließ den Schriftzug des Radiosenders 88.6 aus einem Foto von Boliviens Präsident Morales in Wien verschwinden. Das entsprach "der redaktionellen Linie", war aber ein "Einzelfall".

AUSTRIA SNOWDEN BOLIVIA
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Hier mit Logog: Das 88,6 verschwand aus dem Foto auf ORF.at – (c) EPA (HELMUT FOHRINGER)

Eine deutliche Bildpanne ist der Nachrichtenseite ORF.at am gestrigen Mittwoch unterlaufen. Die Nachrichtenseite des Öffentlich-Rechtlichen zeigte ein Bild des bolivianischen Präsidenten Evo Morales, dessen Privatjet zum Zwischenstopp in Wien gezwungen worden war, weil vermutet wurde, er habe Whistleblower Edward Snowden an Bord (mehr dazu hier). Auf dem Foto halten Vertreter verschiedener Medien Morales Mikrofone unter die Nase, darunter auch der Privatradiosender 88.6, wie man auf dem Originalbild Helmut Fohringers von der Austria Presse Agentur (APA) sieht. Auf dem Bild auf ORF.at ist der Schriftzug entfernt worden, sichtete etat.at.

"Vorgabe mit sofortiger Wirkung aufgehoben"

Diese Bildbearbeitung war offenbar kein Regelfall gewesen, entsprach aber einer Vorgabe. Es sei "bisher die redaktionelle Linie gewesen, Firmenlogos in einer zentralen Bildposition zu vermeiden, um nicht vom eigentlichen Bildinhalt abzulenken", so ORF-ON-Geschäftsführer Karl Pachner in einem Statement gegenüber DiePresse.com. "Da dies aber zu dem Missverständnis führen könnte, wonach ORF.at unlauteren Motiven folgen oder gar grundsätzlich leichtfertig Bildmaterial verändern würde - was beides ausdrücklich zurückzuweisen wäre -, wurde diese Vorgabe mit sofortiger Wirkung aufgehoben."

"Ein absoluter Einzelfall"

Pachner spricht von einer "Vorgabe aus grauer Zeit". Bis zu dem bearbeiteten Foto von Morales habe es "keinen einzigen Fall gegeben hat, wo diese zur Anwendung gelangt ist. Das Mißgeschick gestern war nämlich wirklich das, was es ist: ein absoluter Einzelfall", so der ORF-ON-Geschäftsführer.

Und Pachner weiter: "ORF.at stellt klar, dass sich die Bearbeitung des Bildes von Evo Morales nicht gegen einen Privatradiosender gerichtet hat."

88.6 "schon ein wenig überrascht"

Der Radiosender 88.6 bleibt in der Causa gelassen. "Es hat uns schon ein wenig überrascht", so Geschäftsführer Ralph Meier-Tanos. "Aber die Aktion spricht ohnehin für sich. Es braucht dazu keinen weiteren Kommentar."

(her)

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