Die Vermessung der Medienmanager des Landes

Der typische österreichische Medien-Geschäftsführer ist männlich, 44, Vielarbeiter, Akademiker, Betriebswirt, seit 17 Jahren im Geschäft. Der vierte Journalisten-Report des Medienhauses Wien erscheint am Montag.

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Rund 800 Medienmanager gibt es in Österreich, 131 hat das Medienhaus Wien im vergangenen Jahr befragt. Seit 2007 untersucht die Forschungseinrichtung die Protagonisten der Medienbranche – zuerst die Journalisten, dann ihre Motive, zuletzt die Gruppe der Politikjournalisten. Nach Abschluss des dritten Journalisten-Reports habe man sich gefragt: „Wer sind eigentlich die Medienmanager“, erzählt Andy Kaltenbrunner, Gründer und Gesellschafter des Medienhauses. Nun wird im vierten Journalisten-Report die Gruppe der Medienmanager und Redaktionsmanager vermessen. Ihre wichtigste Aufgabe sieht Kaltenbrunner darin: „Neue Topmanager müssen die Systemerhalter in Traditionsmedien aus ihrer Komfortzone bringen.“

Und wie sieht er nun aus, der typische österreichische Medienmanager? Er ist männlich, 44 Jahre alt, zählt mit durchschnittlich 53 Arbeitsstunden zu den Vielarbeitern des Landes und verdient im Schnitt 4340 Euro netto im Monat (Frauen nur 3485 Euro netto). Der Medienmanager hat einen deutlich höheren Bildungsgrad als der typische Journalist: 52 Prozent der Medienmanager haben einen Hochschulabschluss (nur ein Drittel der Journalisten) – und zwar am häufigsten in Betriebswirtschaft oder Publizistik. Auffallend ist, dass Medienmanager im Durchschnitt 17 Jahre in der Medienbranche tätig sind. Das sei ein Hinweis auf ein „sehr abgeschlossenes System“, sagt Kaltenbrunner. „Es zeigt: Wenn du einmal in der Medienbranche drin bist, bleibst du relativ lange.“ Allerdings sieht Kaltenbrunner darin „einen Innovationshemmer“. Es wäre für die Branche wichtig, wenn sie sich immer wieder Zuzug aus anderen Berufssparten, etwa der IT, holen würde.

Wie selten die heimischen Medienvorstände weiblich sind, war zwar bekannt – die Zahlen machen es aber besonders deutlich: Nur 26 Prozent der Medienmanager sind weiblich. Während Frauen in journalistischen Berufen immer häufiger Spitzenpositionen erlangen, ist ihr Anteil auf CEO-Ebene immer noch sehr gering.

Was sind die wichtigsten Themen für Verlage? Drei Viertel der befragten Medienbosse sahen den Ausbau der digitalen Strategien und die Entwicklung von mobilen Inhalten für Tablets und Smartphones als wichtig an. Nur die Hälfte der Befragten hält das Thema Bezahlmodelle für journalistische Inhalte für relevant. Allerdings glaubt Kaltenbrunner, dass der Fokus vieler Verlage erst jüngst stärker auf dieses Thema gelenkt wurde.

 

„Krone“ zählt nicht zu den Zukunftsmedien

Das vielleicht interessanteste Ergebnis bringt eine konkrete Frage: Drei Medien sollten die Manager spontan nennen, „die in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden“. Dabei liegt der „Standard“, der vorwiegend online genannt wurde, vor dem ORF (Ö1 und orf.at wurden weit häufiger genannt als die TV-Sender). Danach folgen „Heute“, ServusTV und „Die Presse“. Allerdings: Die so lange als ehernes Erfolgsmodell geltende „Kronen Zeitung“ wurde nur von vier der Befragten genannt. Als zukunftsweisendes Medium gilt die Zeitung unter Österreichs Medienmanagern offenbar längst nicht mehr.


Kaltenbrunner, Karmasin, Kraus: „Der Journalisten-Report IV: Medienmanagement in Österreich“, WUV Verlag, 148 Seiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2013)

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