Darüber lachen, trotz Parkinson

Der Parkinson-Patient Michael J.Fox zeigt in seiner neuen Serie, wie man einer schweren Krankheit mit Humor und Charme entgegentreten kann.

„Michael J. Fox Show“
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„Michael J. Fox Show“
„Michael J. Fox Show“ – (c) REUTERS (PHIL McCARTEN)

Eine Szene aus der zweiten Folge der „Michael J. Fox Show“ bringt ihren Esprit auf den Punkt: Mike Henry (Michael J. Fox), bis zu seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit wegen einer Parkinson-Erkrankung ein umjubelter Fernsehjournalist, trifft eine attraktive neue Nachbarin. Sie macht mächtig Eindruck auf ihn, was er seiner Frau (Betsy Brandt, bekannt aus „Breaking Bad“) gegenüber natürlich angestrengt abzustreiten versucht. Je mehr er beteuert, dass die Reize der schönen Blonden ihn nicht rühren, desto größer wird der Gattin Ärger. „Komm schon“, beendet Henry den Disput mit der Moralkeule, „was willst du machen? Den allseits geliebten Nachrichtenmann mit Parkinson verlassen?“

Mit der „The Michael J. Fox Show“ haben NBC und Fox Ende September ein gewagtes Experiment begonnen: Kann man eine Komödie über eine schwere, unheilbare Krankheit ins Abendprogramm bringen? Darf man das? Und: Ist das lustig? Nach Ansicht der ersten drei Folgen darf man alle drei Fragen bejahen. Fox, der seine Erkrankung 1998 öffentlich gemacht und die weltgrößte Stiftung zur Erforschung von Parkinson gegründet hat, nimmt sich selbst charmant auf die Schaufel und stellt den oft unerträglich heuchlerischen Umgang der Fernsehwelt mit kranken Menschen gekonnt bloß. „Na, was denn? Parkinson“, entschuldigt er sich, nachdem er einem Kollegen verärgert eine Semmel ins Gesicht geworfen hat.

Die Serie beginnt damit, dass NBC Mike Henry aus dem Hausmännerdasein zurück vor die Kamera holen will. Natürlich wissen alle, Henry eingeschlossen, dass das ein kühl kalkuliertes Spiel mit der Mitleidsmasche ist. Und so zappelt und zuckt Henry durch das NBC-Nachrichtenstudio und demaskiert die Scheinheiligkeit der amerikanischen Fernsehwelt. Um zu verhindern, dass er wieder vor laufender Kamera auf seinem Bürosessel aus dem Bild rollt, weil er seine Füße nicht kontrollieren kann, wird der Stuhl kurzerhand mit Bremsen versehen. „Wenn ich zwinkern könnte, würde ich dir jetzt zuzwinkern“, sagt Fox alias Henry an anderer Stelle.

Klugerweise setzt er die Witze über seine Krankheit sparsam ein; die Familienkiste mit der leicht verkrachten Schwester Leigh, dem Sohn Ian, der sein Collegestudium abgebrochen hat, um in seinem alten Kinderzimmer eine Internetfirma zu gründen, der Teenager-Tochter Eve, die sich zu künstlerischen Höhenflügen erkoren fühlt, und dem anarchistischen achtjährigen Graham, der ständig Streiche ausheckt, ist komisch genug.

Darüber hinaus werden die zahlreichen Fox-Fans über die Querverweise auf seine großen Erfolge in Film und Fernsehen jubeln. Wenn er zum Beispiel ebenso unbeholfen wie fröhlich auf einer E-Gitarre herumhämmert, erinnert man sich sofort an die legendäre Szene aus „Zurück in die Zukunft“, in der er als Zeitreisender Marty McFly im Jahr 1955 den Song „Johnny B.Goode“ erfand.

 

Arzt würde Serie „Patienten empfehlen“

Bei all dem Klamauk bleibt die Darstellung der Krankheit realistisch, sagt der Neurologe Dietrich Haubenberger, der am Wiener AKH und an den National Institutes of Health in Washington an Parkinson-Therapien forscht: „Ich habe mir schon bei der ersten Folge gedacht, dass ich dies meinen Patienten empfehlen würde.“ Die „Michael J. Fox Show“ sei die erste TV-Serie, die einen chronisch Kranken als Hauptperson hat, ohne die Krankheit in den Mittelpunkt zu stellen – jedenfalls nicht im Sinn einer Betroffenheitsmasche. Mike Henry hat Parkinson, aber in erster Linie ist er eben Vater, Ehemann und Arbeitskollege. Ein solcher Umgang mit der Krankheit „war mehr als überfällig“, findet Haubenberger. „An Parkinson stirbt man nicht mehr. Wir können die Krankheit behandeln.“

ZUR PERSON

Michael J. Fox (*1961 in Edmonton/Kanada) trat schon mit 15 Jahren das erste Mal im Fernsehen auf und brach die High School ab, um Schauspieler zu werden. 1979 ging er in die USA, spielte dort in der Comedyserie „Familienbande“ (1982–89), wo er seine Frau Tracy Pollan kennenlernte. 1985 landete er in der Rolle des Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ seinen größten Kinohit. Auch seine Filme „Teen Wolf“ (1985) und „Das Geheimnis des Erfolges“ (1987) waren erfolgreich. Seit 1991 leidet Fox an Parkinson – er konnte die Krankheit jahrelang überspielen und ging damit erst 1998 an die Öffentlichkeit. Im Jahr 2000 gründete er die Foundation for Parkinson's Research und setzt sich für die Förderung der Stammzellenforschung ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2013)

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