„Österreich war fünf Jahre lang das einzige Land der zivilisierten Welt ohne Selbstkontrolle der Medien“, konstatierte Elisabeth Horvath am Montag in Klagenfurt. Die Journalistin aus Wien („Wirtschaftswoche“, „Welt“, „Der Journalist“) ist Chefin der Clearingstelle der neu geschaffenen Leseranwaltschaft, die den 2002 aufgelösten Presserat ersetzen soll. Seit längerem versuchte der „Verein der Chefredakteure“, einen Ersatz für dieses „institutionalisierte Gewissen“ der Journalisten zu schaffen, erst auf sozialpartnerschaftlicher Ebene, wie das in Österreich Brauch ist. Laut Horvath legte und legt sich die Gewerkschaft quer. Es musste also eine neue Form gefunden werden.
Die gibt es jetzt: Die ehemaligen Chefredakteure Alfred Payrleitner (ORF-Hauptabteilungsleiter) und Wolfgang Mayr (Apa) sowie die stellvertretende innenpolitische Ressortchefin der „Salzburger Nachrichten“, Silvia Wörgetter, agieren ab sofort als „Leseranwälte“. Elisabeth Horvath betreut die Clearingstelle, das heißt, dass alle Beschwerdefälle zuerst bei ihr landen. „Als langjährige Journalistin weiß ich reine Querulanten von echten Beschwerdeführern zu unterscheiden.“ Beschwerden mit sofortigem Handlungsbedarf werden sofort an das Anwaltstrio weitergeleitet, andere Anliegen werden gesammelt und der Anwaltschaft bei den alle zwei Monate stattfindenden Konferenzen vorgelegt.
Mediator zwischen Leser und Medium
Dabei geht es aber nicht um Verurteilungen, betont Horvath: „Wir verstehen uns in erster Linie als Mediatoren.“ Man versucht also, zwischen Beschwerdeführer und Autor des betreffenden Artikels das Einvernehmen herzustellen: „In vielen Fällen kann ja der Konflikt z.B. durch die Veröffentlichung eines Leserbriefes beigelegt werden.“ Die Arbeit der Leseranwaltschaft basiert auf dem Ehrenkodex der österreichischen Presse, der von Journalisten, Herausgebern und Verlegern Wahrhaftigkeit und Korrektheit einmahnt.
Wer sich von der Berichterstattung in Printmedien ungerecht behandelt fühlt, kann sich per E-Mail an office@leseranwaltschaft.at wenden oder per Post an Leseranwaltschaft c/o Medienhaus Wien, Alser Straße 22/8, 1090 Wien. bene
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2007)
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