Wo die wilden Trolle toben

Die Boulevard-Blätter "Österreich" und "Heute" schießen scharf gegen Online-Foren. In den Foren werde Menschenjagd betrieben. Unternehmer Wolfgang Rosam fordert eine Registrierungspflicht.

rosam rainer österreich der standard heute
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Agenturchef Wolfgang Rosam. – (c) Michaela Bruckberger

Christian Rainer tut es. Und Wolfgang Rosam tut es nun auch. Nach dem jüngsten Leitartikel des „Profil"-Herausgebers zu untergriffigen Online-Kommentaren gegen Conchita Wurst, Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger und Gastronom Mario Plachutta fordert nun auch der Agenturchef (Change Communications) und Verleger („Falstaff") überprüfbare Identitäten in Foren, um gegen die „anonyme Vernaderung" vorzugehen.
Mit den Worten „Aus für Shitstorms in anonymen Postings" schlug am Donnerstag das Boulevardblatt „Österreich" in dieselbe Kerbe. Herausgeber Wolfgang Fellner attackierte vor allem den „Standard": Dieser würde „staatliche Presseförderung kassieren" und an den „Reichweiten der Hass-Postings Millionen verdienen". An der Seite von „Österreich" steht - und das kommt sonst nicht allzu häufig vor - „Heute". Auch die U-Bahn-Zeitung wettert gegen den „Standard". Dort würden sich „immer mehr Österreicher zur Menschenjagd" treffen und „sich Trolle immer wilder austoben".

oe24.at will Anonymität abschaffen

Rosams Aktion „Die Meinungsmutigen" bekommt also in erster Linie Unterstützung vom Boulevard - und Fellner kündigte übereifrig an, sein Blatt werde „als Erstes dieser Initiative folgen und ab Juni auf oe24.at nur noch Postings mit echtem Namen bringen."

Wer glaubt mit einer singulären Maßnahme der Registrierung den „Hass im Internet" (Fellner) zu beenden, irrt jedoch, das schilderte etwa Ingrid Brodnig in ihrem Buch "Der unsichtbare Mensch. Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert". Denn auch Klarnamen schützen vor Hass-Ausdrücken nicht, wie Posts auf Facebook eindrucksvoll beweisen, wo die Nutzer großteils mit ihrem echten Namen aktiv sind. Vielmehr liege die Lösung darin, Foren verstärkt zu moderieren, schreibt die „Falter"-Redakteurin Brodnig in ihrem Blog. „So etwas kostet natürlich Zeit und Personal", knappe Güter in der kriselnden Medienbranche. Nach wie vor gilt „haters gonna hate", das ist keine Frage der Anonymität. Rosams Vorstoß und Fellners Ankündigung kassierten auf Facebook oder Twitter vor allem Kritik und Häme - und zwar nicht von anonymen Nutzern, sondern von Menschen mit Klarnamen.

(Red.)

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