Leo Beenhakker ist außer sich. „Das ist scheiße“, schimpft der polnische Nationaltrainer. Grund für die verbale Blutgrätsche sind Berichte der polnischen Boulevardpresse über das Sonntagsmatch seiner Mannschaft gegen Deutschland, etwa die Fotomontage des Revolverblattes „Super Express“: Beenhakker, übrigens Holländer, hält die Köpfe von Michael Ballack und Joachim Löw. „Leo, bring uns ihre Köpfe!“, fordert die Schlagzeile.
Am Donnerstag legte das Blatt nach: Aus diversen geschichtlichen Ereignissen, die mit polnischen Siegen endeten, soll abgeleitet werden, dass die Deutschen auch in Klagenfurt verlieren. Das letzte Datum in der abstrusen Reihe ist das Ende des Zweiten Weltkrieges. Dass „Super Express“ dabei eine Geschichte des Blattes „Fakt“ weitergedreht hatte, berichtet der deutsche „Spiegel“. Und meint, der Springer-Verlag (zu dem neben „Fakt“ die wiederum gegen Polen eingestellte „Bild“-Zeitung gehört) schüre einen deutsch-polnischen Konflikt.
Die blutrünstige Berichterstattung wird den Polen nun jedenfalls zu viel. Unter dem Titel „Angriff der Boulevardpresse – Ruhe bei den Fans“ zeichnet die konservative Zeitung „Rzeczpospolita“ ein realistisches Bild der Fußballwelt in Polen. Das Ziel der skandalösen Bilder und dümmlichen Tiraden sei lediglich die Auflagensteigerung. Die Unterstützung von dieser Seite kommt reichlich überraschend, sparen die Redakteure der konservativen Zeitung in der Regel nicht mit ätzender, bisweilen überzogener Kritik an Deutschland: „Mit den Deutschen sollte man hart verhandeln, wenn es um die Ostsee-Pipeline, die Ostpolitik oder die Darstellung von Geschichte geht.“ Aber, so der Kommentator weiter, „nicht mit primitiven Instinkten spielen“. kk
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2008)
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