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ORF: Publikumsrat wünscht sich ein Europamagazin

29.09.2008 | 20:22 |  PATRICIA KÄFER (Die Presse)

„Friends“ wird morgen durch den „Coolen Onkel Charlie“ ersetzt, Wahlberichterstattung kam gut an.

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„Mit ,Friends‘ sind wir eingefahren“: Das bekannte ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz am Montag bei einer Sitzung des Publikumsrats ganz offen. Die US-Serie aus 1994 lief seit Ende August parallel zur „Zeit im Bild“, in dem Zeitfenster, das mit dem Ende der „ZiB“-Durchschaltung in ORF1 entstanden war. „Friends“ hatte zuletzt drei bis fünf Prozent Marktanteil und damit weniger als 100.000Zuschauer. Man werde morgen, Mittwoch, reagieren und statt der Sitcom aus 1994 „Mein cooler Onkel Charlie“ mit Charlie Sheen bringen, ebenfalls US-Sitcom. Eine eigenproduzierte Serie könne man sich nicht leisten. Demnächst verschiebt Sat1 aber vielleicht die schwach laufende Telenovela „Anna und die Liebe“ (derzeit 19 Uhr), die der deutsche Privatsender gemeinsam mit dem ORF produziert hat – dann würde man mitziehen.

Der Publikumsrat kritisierte Montag die Vorgehensweise des ORF, betreffend die Reality-Serie „Wiener Blut“: Lorenz hatte vor Sendestart erfahren, dass einer der Darsteller jener Sanitäter war, der an der „Amtshandlung“ im Wiener Stadtpark beteiligt war, bei der der Mauretanier Cheibani Wague starb. Willi Mernyi (ÖGB) meinte, man hätte die Kurzserie keinesfalls mit dem Slogan „Helden des Alltags“ bewerben dürfen. Auch mit der Berichterstattung über die Meinungsmacht der „Kronen Zeitung“ waren einige Publikumsräte nicht zufrieden – diese hätte thematisiert werden sollen.

Lob hingegen gab es für die Wahlberichterstattung des ORF – vom Publikumsrat wie von Generaldirektor Alexander Wrabetz selbst. Freundliche Worte fand der auch für die Konkurrenz: Die beiden Privatsender ATV und Puls4 hätten ihre Politiksendungen „durchaus ordentlich“ gemacht – die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags aber sei nur durch den ORF möglich.

Publikumsrat Andreas Kratschmar legte außerdem eine Umfrage zur ORF-Berichterstattung über die Europäische Union vor. Sie stammt vom Marktforschungsinstitut Mafos.

 

Keine Mrs., kein Mr. Europa

Demnach sei die EU-Berichterstattung des ORF negativ dominiert. Sie sei zwar glaubwürdig, es fehle ihr aber an interessanten Themen und „Schmäh“. Kratschmar forderte stellvertretend für die Befragten eine eigene EU-Sendung im Programm und einen stärkeren Bezug der Themen auf den Alltag der Österreicher. Kritisiert wurde auch, dass der ORF nicht über „eine Mrs. oder einen Mr. Europa“ verfüge – bei der Umfrage spontan genannt wurden Hugo Portisch, Paul Lendvai, Hans Bürger, Eugen Freund.

In Summe herrschte am Montag Harmonie zwischen Publikumsrat und Geschäftsführung, sodass sich Franz Küberl bereits über die „neue Amikalität“ wunderte.

DIE BEIDEN ORF-GREMIEN

Publikumsrat: 35 Mitglieder; sollen die Interessen der Hörer und Seher wahren. Darunter sind Vertreter der Kirchen, Hochschulen, Kammern, ältere Menschen, Jugend.

Stiftungsrat: 35 Mitglieder, die Länder, Regierung, Parteien, Betriebsrat, Publikumsrat entsenden. Die NR-Wahl hat an seiner Zusammensetzung vorerst nichts geändert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2008)

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1 Kommentare
Geli
30.09.2008 13:57
0 0

Eigene Sendung unbedingt nötig!

Der Euopa-Gedanke ist besonders
in Österreich schwach entwickelt.
Daher ist es längst an der Zeit, die geplante Europa-Sendung zu realisieren.
Natürlich wird es Widerstand geben.
Last Euch nicht entmutigen!