Als am Samstag im Wiener Rabenhoftheater die österreichischen Big Brother Awards vergeben wurden, musste wegen des Andrangs sogar Publikum abgewiesen werden. Nur die Ausgezeichneten zogen es wieder einmal vor, zuhause zu bleiben. Kein Wunder, handelt es sich doch um einen Negativpreis an Behörden, Firmen und Einzelpersonen für die „übelsten Datenschutzverletzungen“.
Nur die Post brachte einmal den Mut auf, einen Repräsentanten zu entsenden. Sie gehört in Österreich schon gewohnheitsmäßig zu den Big-Brother-Award-„Gewinnern“ (stets geht es um die Erhebung und den Weiterverkauf von Kundendaten), so erhielt sie heuer auch den Sonderpreis für „lebenslanges Ärgernis“. Unter den übrigen Preisträgern waren etwa die Sicherheitssprecher von ÖVP und SPÖ (wegen des Sicherheitspolizeigesetzes, dank dem die Polizei IP-Adressen und Handystandortdaten ohne richterliche Kontrolle abfragen darf), Wiener Wohnen (angeblich anonyme Fragebögen wurden mit versteckten Kundennummern versehen) und die Telekom Austria (Weitergabe von Kundendaten an die Porno-Industrie).
Anders als in Deutschland, wo die extremen Maßnahmen von Innenminister Schäuble heftige Reaktionen hervorgerufen hätten, würden österreichische Behörden eher eine „Salamitaktik“ verfolgen, indem sie immer wieder kleine Änderungen anbringen, meint Adrian Dabrowski vom Verein „Quintessenz“, der den BBA organisiert. Das sei wohl auch ein Grund, warum in Österreich die Proteste gegen die Zunahme der Überwachung bislang schwächer seien als in Deutschland.Immerhin, die Begeisterung des Publikums beweist: Im zehnten Jahr ihres Bestehens sind die BBAs in Österreich zu einer Institution geworden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2008)

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