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MedienDebatte: ORF auf der Suche nach der Jugend

09.11.2008 | 18:20 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Wolfgang Lorenz beim Grazer Dialogforum: „Wir sind nicht die Erziehungsanstalt der Nation.“ Er gesteht eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit der Jugend ein

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Wolfgang Lorenz ist kein großer Freund des Internet. Der Programmdirektor des ORF-Fernsehens wurde bei einem „Dialogforum“ am Wochenende in Graz nicht müde, coram publico zu betonen, dass es ihm „scheißegal ist, was da drinnen steht und was Jugendliche darin machen“. Damit mutierte er kalkulierterweise zum Lieblingsgegner des netzaffinen jugendlichen Stammpublikums der im Rahmen des „Elevate“-Festivals für zeitgenössische Musik, Kunst und politischen Diskurs abgehaltenen Veranstaltung. „Es wird Ihnen nicht egal sein, wenn wir keine Gebühren zahlen“, kontert ein junger Mann aus dem Publikum. Vom ORF-Fernsehen fühle sie sich schon jetzt „nicht mehr vertreten“, attestiert eine Alterskollegin. „Warum gibt es keine Sendung, wo Jugendliche eingeladen werden“, will sie wissen.

Lorenz gesteht eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit der Jugend ein. Jugendsendungen seien keine adäquate Lösung. Im Gegenteil: „Die sind das Schlimmste, was wir der Jugend anbieten können“, sagt der Programmchef, fordert aber auch mehr Initiative und Rebellionsgeist des 12- bis 29-jährigen Zielpublikums selbst. „Es fehlt eine aufgekratze Jugend, die ihre Chance einfordert und Lust hat, die Gesellschaft in die Luft zu sprengen“, bedauert Lorenz. Die Leute wollen nur noch unterhalten werden, seien aber nicht mehr an ernsthaften gesellschaftspolitischen Fragen interessiert. Auch der ORF sei zwar „nicht die Erziehungsanstalt der Nation“ (Lorenz), würde aber entsprechende Plattformen anbieten. Im Fernsehen! Denn: „Das Internet hat keine gesellschaftliche Relevanz“, poltert der Direktor.

 

„Biotop der Alten“

„Die Zeit, in der die Jugend das Fernsehen als Quelle zur politischen Information nutzt, sind vorbei“, sagt dagegen Heinz Wittenbrink, Medienprofessor an der Grazer Fachhochschule Joanneum: Die klassischen Nachrichtensendungen würden zum „Biotop der Alten“ verkümmern. Das habe nichts mit einer Verkürzung der Informationsbeschaffung zu tun, sondern mit der Möglichkeit, schneller selbst aktiv werden zu können.

Großes Potenzial misst auch FM4-Chefin Monika Eigensperger dem Internet zu. „Nicht belehren, sondern im Sinne einer Meinungspluralität einen Diskurs zulassen“ – damit habe es das Internet noch leichter als das Radio, sagt Eigensperger. Blogger und deren Community seien nur Einzelerscheinungen und Ergebnis einer zunehmenden Kokonisierung der Gesellschaft, glaubt dagegen Programmentwickler David Schalko („Sendung ohne Namen“). Deshalb müsse sich die Jugend ihre Plätze im TV-Programm erkämpfen. Nur so könne eine breite gesellschaftliche Relevanz hergestellt werden.

 

Pachner lobt das Almodische

Nicht so drastisch im Ton, aber inhaltlich nicht weit von Lorenz entfernt, warnt selbst ORF-Online-Chef Karl Pachner vor zu großen Erwartungen an das Internet: „Die großen Events finden nicht ohne Fernsehen statt“, behauptet er. Auch Kampagnen würden – siehe jüngste Beispiele bei der „Kronen Zeitung“ – noch über ein „altmodisches Medium“ wie die Zeitung funktionieren. Parallel sei online aber ein „verstärkter Bedarf nach Stellungnahme“ festzustellen.

So gebe es massiven User-Anstieg bei Foren, Debatten. „Wir sind im Internet die Ermöglicher eines direkten, schnellen Meinungsaustausches“, sagt Pachner. Er hofft, dass auch sperrige Themen im Netz „funktionieren, wenn sie gut aufbereitet sind“, und verweist auf die aktuelle weltweite Finanzkrise sowie das begleitende Informationsangebot im ORF-Online; zu diesem Thema habe man mehr Zugriffe verzeichnet als bei der Berichte-Flut rund um den Tod des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2008)

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11 Kommentare
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Warum soll sich die Jugen Positionen im TV-Programm "erkämpfen"?

TV und besonders der ORF ist offenbar ein Mediensektor, der viele heutige Jugendliche einfach NICHT INTERESSIERT! Warum also sollten sie sich also ausgerechnet gerade da irgendwelche Positionen "erkämpfen"? Ds Internet ist nun einmal das modernste Kommunikatinsmedium unserer Zeit; auch wenn das dem offenbar aus der Postkutschenzeit stammenden Herrn Lorenz noch so "scheißegal" sein mag; er verkörpert die mediale Vergangenheit! Und OHNE die ORF-Zwangsgebühren wäre dieser Herr eh schon lange arbeitslos...

Die "Kronen-Zeitung" mag vielleicht ein "altes Medium" sein, aber im Gegensatz zum ORF ist sie eben KEIN reines Sprachrohr der Regierung. Deshalb bringt sie Info-Inhalte, die im ORF gezielt ausgespart bleiben, wenn sie unangenehme Fakten beinhalten. Zwar spricht die TV-Werbung notorisch nur ein junges Publikum an, aber wenn dieses nicht zusieht - was dann?

Besonders grotesk finde ich aber die Forderung an die Jugend, sie solle die "Gesellschaft in die Luft sprengen".


artemi_s
10.11.2008 17:01
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fotos von der "scheisse"

gibts auf chilli.cc

http://chilli.cc/index.php?id=84-1-101

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Youtube Links:

http://www.youtube.com/watch?v=YPGEEzeN57E&feature=PlayList&p=D09F24595F37E315&index=34
http://www.youtube.com/watch?v=ko5CCSomDMY

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die gesellschaft in die luft sprengen?

wünschen sie sich das lieber nicht, guter mann. ihre wünsche könnten in erfüllung gehen.

mfg
mc

Gast: Crusader
10.11.2008 07:34
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Weg mit der GIS weg mit dem ORF..

Verkaufen, privatisieren oder einfach nur auf den Müll werfen...
Die Zwangsgebühren von denen der letzte Kommunistensender lebt sind eine Frechheit.
Weg damit!
Wird aber nie passieren. denn wo sonst könnte sich die Politik um Steuermillionen sich selbst beweihräuchern lassen.

Antworten Gast: Recht
10.11.2008 08:49
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Re: Weg mit der GIS weg mit dem ORF..

Die GIS ist bald weg, denn sie ist nicht EU Konform.

"Kommunistensender" ... war gut!!!

Antworten Antworten Gast: raptor
14.11.2008 07:45
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Re: Re: Weg mit der GIS weg mit dem ORF..

Würde mich zwar freuen, glaube ich aber nicht. Z.B. in GB und D haben sie gleiche Systeme wie die GIS, die sogar noch aufdringlicher sind.

Gast: Freiheit
09.11.2008 23:53
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Bergmenschen

Gestern standen wir am Abgrund. Heute sind wie schon einen Schritt weiter. Runter vom Berg und rein in die Stadt. Rettet den ORF. Junge Leute vor und hinter die Linse. Und ab 55 Jahren hat niemand mehr was mit Fernsehen zu tun zu haben.

Interessant wie unterschiedlich die Berichte über (unnötige) Veranstaltungen doch sein können

Im Kurier wurde auch über diese Podiumsdiskussion berichtet. Schwerpunkt war hier allerdings das Jammern alter (junge gibt es ja nicht) Linker über die rechten Jugendlichen. Diese würden von den 68er nicht erreicht (na so was). Unter anderen waren Rülpser, wie nicht über die Rechten (sondern nur über Linken) zu berichten oder "Warum versteht uns Linke keiner" zu vernehmen.
Wäre dieses Land wirklich demokratisch müßten die rechten Inhalte (vor allem bei Jugendsendungen) im ORF schon lange überwiegen.

Gast: Sabrina
09.11.2008 23:28
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ORF Debatte über Stermann und Grissemann

Das ORF ist ein schändlicher Verein, denn ich habe mir gerade eben im ORF die Debatte – im Zentrum – was darf die Kunst – die umstrittene Haider Satire angeschaut. Peter Pelinka, Andreas Mailath-Pokorny, David Schalko, Gerhard Haderer, hatten überhaupt keine Gesprächskultur, denn nicht einmal Ausreden ließen sie BZÖ Obmann Uwe Scheuch.

Und das größte Übel, die Herrschaften glauben an den Blödsinn den sie sagen und haben wieder einmal nichts verstanden und halten uns, das Volk für verrückt.

PeterPan
11.11.2008 11:34
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Re: ORF Debatte über Stermann und Grissemann

Kärtner?

Schlagzeilen Kultur