Noch nie gab es im ORF die Zusammenführung aller Personalangelegenheiten. Reinhard Scolik wird einer, der den Weg des ORF in den nächsten Jahren groß mitentscheidet“, kündigt ORF-Kommunikationschef Pius Strobl bedeutungsschwer an. Scolik, unter Monika Lindner Programmdirektor, wird laut Generaldirektor Alexander Wrabetz zu einem neuen zentralen Personalbeauftragten, ohne seinen alten Job aufzugeben; für eine Stellungnahme war er vorerst nicht erreichbar. „Es gibt eben Personen, die machen die Arbeit von zwei“, so Strobl weiter über Scolik.
Dabei muss man korrigieren: von drei. Drei Hauptabteilungen werden in Scoliks Person zusammengeführt: Human Resources (Aus-, Weiterbildung), Personalmanagement sowie Programmplanung und Koordination, der Scolik schon bisher vorstand. Administrationschef Wolfgang Buchner bleibt im Unternehmen – wie voraussichtlich auch Wolfgang Fischer (Leiter Human Resources, der zuletzt wegen eines „Spesen-Skandals“ intern untersucht wurde). Werden Sie zu „weißen Elefanten“ – im ORF nicht unübliche Schwerverdiener auf dem Abstellgleis? Nein, sagt Strobl: Buchner gehe Ende 2009 in Pension, Fischer arbeite unter Scolik weiter.
Wie kann Scolik zusätzlich zu seiner jetzigen Aufgabe noch zwei weitere Fulltime-Jobs übernehmen? Strobl: „Managen heißt ja nicht ,tun‘, da gibt es Apparate. Die Kompetenzen von Reinhard Scolik werden sich verlagern. Wenn man gut führt, kann man auch große Bereiche führen. Er muss jetzt eben jeden Tag mehr Entscheidungen treffen als bisher.“ Denn: „Wir bauen ein neues Personalmanagement“, so der ORF-Sprecher. „Scolik wird im ORF auch eine Kündigungskultur entwickeln müssen“ – eine einflussreiche, aber auch schwierige Aufgabe. Vor zehn Jahren war Scolik schon einmal als „Generalsekretär“ gehandelt worden – am Freitag wurde der Titel wieder kolportiert.
Auch Sprecher Strobl erhält einen weiteren „Titel“: Geschäftsführer einer neuen Marketinggesellschaft. Die ORF-Vermarktung Enterprise wird in die Sparten Werbung, Content-Management und Marketing geteilt. Eine Ausweitung der Zuständigkeiten bedeute dies für ihn aber nicht, sagt Strobl.
Oberhauser: „Stehe zum Sparen“
Über diesen Umbau hatte Wrabetz den Mitarbeitern am Donnerstag nichts gesagt. Auch deshalb herrscht beim Redakteursrat Ratlosigkeit, so Fritz Wendl zur „Presse“: „Es gibt keinerlei Vorstellung zur grundsätzlichen Entwicklung des Programmes.“ Die Redakteure befürchten ihr Aushungern. Und: Für die Position Scoliks brauche Wrabetz noch die Zustimmung des Betriebsrats.
Auf Direktorenebene – wo vorerst auch keine Änderungen vorgenommen werden – ist das Verständnis für Wrabetz' Plan größer. „Ich stehe ganz sicher zur Notwendigkeit des Sparens und zum Generaldirektor. An der Veranstaltung gestern hat mir einiges nicht gefallen – vor allem, dass Print-Journalisten eingeladen waren“, so Informationsdirektor Elmar Oberhauser zur „Presse“.
Auch Herbert Kloiber – Chef von Tele München und ATV-Besitzer, der Scolik 2006 zu RTL2 holen wollte – fand Wrabetz' Inszenierung im „Starmania“-Studio übertrieben, meint aber: „Ich habe Wrabetz keine Ratschläge zu erteilen. Er wird wissen, was er tut.“ Das Motiv des Generaldirektors scheint dem deutschen Medienunternehmer allerdings offensichtlich: „Das ist ein Aufruf an die Regierung. Und die wird der Versuchung wieder nicht widerstehen können, sich den ORF gebügelt zu halten – zumindest so lange der Herr Cap etwas zu sagen hat.“ Scoliks neue Position kommentiert Kloiber im Gespräch mit der „Presse“ so: „Dass heißt, man hat im Zuge der Sparmaßnahmen also eine neue Stelle geschaffen.“
Raiffeisen könnte helfen
Einen weiteren Posten hat man erhalten: Die von Unternehmensberater Roland Berger vorgeschlagene Zusammenlegung der Online-Direktion mit ORF On werde nicht stattfinden, sagte Wrabetz der APA. Online-Direktor Thomas Prantner übernimmt zusätzlich „Neustrukturierung und Vorbereitung von TW1 in einen Spartenkanal für ,Information und Kultur‘“, so Wrabetz. Damit bleibt das umstrittene Engagement der externen Berater sinnlos, ärgert sich der Redakteursrat. Und: Woher soll das Geld für den Ausbau eines Informationskanals kommen?
Vielleicht von Raiffeisen – die Bank will die Mehrheit an der Sendetechnik ORS, die Wrabetz ihr angeboten hat. Eine Sperrminorität (25%) soll aber beim ORF bleiben, derzeit hält er 60 Prozent. Und auch an ORF1 oder Ö3 sei man nach wie vor interessiert. Eine Privatisierung des ORF lehnt aber der designierte Bundeskanzler Werner Faymann ab.
■Reinhard Scolik(geb. 1958, Mödling) ist promovierter Jurist und kam 1983 zum ORF, in die Rechtsabteilung. 1994 wurde er Direktor des Landesstudios Wien. Er gilt als bürgerlich wenngleich mit Verbindungen ins Wiener Rathaus. Mit Starmania wurde Scolik als Programmdirektor groß; verheiratet ist er mit Moderatorin Ines Schwandner. Unter Wrabetz tauschte er dann den Job mit Wolfgang Lorenz und wurde Programmplaner nachdem er ein Angebot des deutschen RTL2 ausgeschlagen hatte. [ORF]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2008)
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