Radiotest: ORF einen Minischritt zurück

Ö3 nach wie vor unangefochtener Platzhirsch, Privatradios legen leicht zu: 1,7 Mio. hören sie täglich.

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(c) Reuters (Toby Melville)

Für seine Fernsehprogramme kann der ORF von derartigen Marktanteilen nur träumen: Mehr als drei Viertel der Österreicher über zehn hören seine Radiosender. Im zweiten Halbjahr 2007 waren es 79 Prozent, im gleichen Zeitraum 2008 nun um ein Prozent weniger. Das bedeutet: Die Privatsender – seit 1998 auf dem Markt – holen in Minischritten auf. Doch die Stellung des ORF ist herausragend: „An die Marktanteile kommt kein anderer Radiosender in Europa nur annähernd heran“, so ORF-Hörfunkdirektor Willy Mitsche. 5,2 Millionen Österreicher schalten täglich ein ORF-Radio ein, 1,71 Millionen hören Privatradios.

An der Spitze liegt nach wie vor Ö3 – mit unangefochtenen 44 Prozent Marktanteil in der für die Werbewirtschaft relevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Der in ganz Österreich empfangbare Privatsender KroneHit blieb österreichweit auf sechs Prozent, in Wien steigerte er sich auf acht. In der Bundeshauptstadt blieb 88.6 stabil bei neun Prozent, Radio Arabella bei sieben Prozent Marktanteil. Die Antenne-Radios sind die bei Steirern, Kärntnern, Vorarlbergern und Salzburgern beliebtesten Privatradios. Das in OÖ neu gestartete Lounge FM erreichte auf Anhieb drei Prozent Marktanteil, das neue Wiener Superfly ein Prozent.

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Erst am Montag hatten an der Wiener Journalismus-FH wichtige Senderchefs aus dem Großraum Wien aktuelle Radiothemen diskutiert. Dabei bekannte Ö3-Chef Georg Spatt, Podcasting (z. B. von Hörern selbst aufgenommene Audiodateien) habe seine Erwartungen nicht erfüllt: Er hätte sich erhofft, so Radiotalente zu finden. Die Privaten rechtfertigten ihre Musiklastigkeit: Die Produktion von „Content“ (Nachrichten, Reportagen etc.) sei teuer – und von einem Großteil der Hörer nicht erwünscht, erklärte sich Rüdiger Landgraf (KroneHit). Radio-NÖ-Chef Michael Friedrich plädierte für die Serviceleistung des Radios, um sich vom Audioangebot im Internet abzugrenzen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2009)

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