Internationaler Medienandrang bei "Pension F."

Im 3raum-anatomietheater lud Hubsi Kramar zu einem mehr als dreistündigen Spektakel. Das Theater wurde von der Polizei bewacht, 50 Medienvertreter und sieben Kameras waren das Publikum.

Hubsi Kramar und Hermann Fritzl
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Hubsi Kramar und Hermann Fritzl
Mario Lang

Vor über 50 akkreditierten Medienvertretern, jeder Menge Fotografen und sieben Kamerateams wurde am Montag Abend an der Wiener Off-Bühne 3raum-anatomietheater eine "ultimative Mediensatire" uraufgeführt. Das von Theatermacher Hubsi Kramar und dem Projektdesigner Hermann Fritzl konzipierte Stück heißt "Pension F." und wurde zu einem über dreistündigen Spektakel.

Wenn bereits vor dem von der Polizei bewachten Theatereingang ein eigens aus Bergen angereistes norwegisches Kamerateam vergeblich nach "normalen Zuschauern" als Interviewpartner Ausschau hielt, weitere Aufnahmeteams von BBC, RTL, ATV, Puls4, ORF und Al-Jazeera die Bühne unmittelbar nach dem Schlussapplaus in ein Medienzentrum verwandelten, in dem Kramar unter gleißendem Scheinwerferlicht ein Interview nach dem anderen geben musste, dann wurde klar, dass ein wesentlicher Teil der Dramaturgie funktionierte und dafür bereitwillige Mitspieler gefunden wurden. Für die zweite Vorstellung sind weitere Kamerateams aus Dänemark, Holland, Russland und der Schweiz akkreditiert.

Angriffe durch Boulevardmedien

Das Stück, das sich sowohl mit familiärer wie mit medial ausgeübter Gewalt auseinandersetzt und verschiedene Aspekte der österreichischen Politik und Gesellschaft aufs Korn nimmt, ist eine anarchische Mischung aus Revue und Satire, Musik und Gesang, Trash und Video, Medienkritik und Improvisation. Im Vorfeld hatte es heftige Angriffe von Boulevardmedien gegen das Stück und seine Macher gegeben, diese finden sich nun als Teil der Inszenierung wieder.

"Das Stück hat ganz klassisch drei Akte", erklärte Hermann Fritzl. "Der erste war das weltweite Echo auf unsere Ankündigung, der zweite passiert heute Abend, und der dritte werden die weiter wirkenden Reaktionen darauf sein." Das ganze Projekt soll in Buchform dokumentiert werden, "weil wir glauben, dass wir dem Theatralischen noch das Analytische hinzufügen sollten".

(APA)

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