In Memoriam Hannes Haas: Katzenfotos und Eiszeit-Ängste

In Erinnerung an den im März so plötzlich verstorbenen Publizistik-Professor Hannes Haas wurde über den Zustand des österreichischen Journalismus diskutiert und ein Symposium veranstaltet.

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Hannes Haas. – (c) Michaela Bruckberger

Wie sehr er von Kollegen, Studenten und Journalisten geschätzt wurde, sah man am Freitag auch bei der Eröffnung des Symposiums, das ihm zu Ehren veranstaltet wurde. Hannes Haas war ein außergewöhnlicher Professor, Kollege und Freund. Das sagen alle, die ihn näher kannten. Seine Kollegen, darunter etwa Susanne Weigelin-Schwiedrzik, die Vizerektorin der Universität Wien),
Ulrike Felt, die Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften und Jörg Matthes, Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, erinnerten sich am Freitag mit liebevollen Anekdoten an den im März verstorbenen Vize-Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften - bevor die Fachvorträge zum Journalismus im Umbruch begannen.

Bereits am Vorabend diskutierte eine Runde von Journalisten und Medienexperten über den Zustand des österreichischen Journalismus. Warum Qualitätsjournalismus immer noch unverzichtbar ist, die Ausgangsfrage dieser Debatte, basierend auf einer von Haas' Feststellungen, konnte allerdings nicht unbedingt zufriedenstellend beantwortet werden.

Die Diskussion basierte auch auf der umfangreichen Analyse zur Presseförderung und ihrer dringenden Reform, die Hannes Haas im Auftrag des Bundeskanzleramts erstellt hatte. Dass die Analyse, die seit gut zwei Jahren vorliegt, bislang aber keine Folgen nach sich zog, ärgerte vor allem Engelbert Washietl, den Sprecher der Initiative Qualität im Journalismus (IQ): "Was da passiert ist, ist ein Paradebeispiel für die Unglaubwürdigkeit der Politik".

Aber auch der Rest des Podiums geizte nicht mit Kritik an der Medienpolitik. Zwar hatte Minister Josef Ostermayer (SPÖ) den Ehrenschutz für das zweitägige Symposium übernommen, welches das Publizistik-Institut gemeinsam mit VÖZ, ORF, APA, "Standard" sowie der Fakultät für Sozialwissenschaften und dem Rektorat der Uni Wien Donnerstag und Freitag veranstaltet. Dem von APA-Chefredakteur Michael Lang moderierten Gedankenaustausch blieb er aber fern. "Typisch" fand das "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, "solche Branchentreffs meidet er ja".

Anstatt sich also der von Haas empfohlenen Förderung von Qualitätsinhalten quer über die Mediengattungen zu widmen, würde die öffentliche Hand in erster Linie den Boulevard "alimentieren", wie es Föderl-Schmid ausdrückte. 50 Mio. Euro hatte Haas als Summe empfohlen, zuletzt wurde die Presseförderung aber um rund zwei Millionen auf neun Millionen Euro gekürzt. "Die Presseförderung, egal in welcher Höhe, wird kein Zeitungsunternehmen retten, das hat die Vergangenheit gezeigt", gab Grünberger zu bedenken. Sie könne aber in schwierigen Zeiten sich auftuende Lücken schließen und überbrücken.

Bleibt also die Suche nach neuen Geschäftsmodellen, die von den Medien selbst zu bewerkstelligen sein wird. APA-Geschäftsführer wollte von ORF-Moderator Armin Wolf wissen: "Haben Sie eine Idee?" Der zeigte sich grundsätzlich "nicht so optimistisch" wie einige Kollegen. "Die Form des Journalismus ändert sich seit 200 Jahren", weshalb man sich ständig den neuen Gegebenheiten anpassen müsse. Dennoch steuere man aus wirtschaftlicher Sicht in den nächsten zwei, drei Jahren auf einen Tippingpoint zu, den Wolf als "dramatisch" beschrieb. "Es gab noch nie so viel guten Journalismus wie heute, aber ökonomisch geht es mit Medien den Bach runter", so Wolf.

Welche Modelle sind also vorstellbar? "Auch Hochkultur lässt sich nicht ausschließlich privatwirtschaftlich finanzieren", zeigte der ORF-Journalist wenig Probleme mit modernem Mäzenatentum à la Amazon-Gründer Jeff Bezos bei der "Washington Post". Unwohl fühlte sich hingegen Föderl-Schmid bei diesem Gedanken, wäre sie doch "nicht gerne von Frank Stronach abhängig". An Quer- und Mischfinanzierungen werde aber kaum ein Weg vorbeiführen, wobei die "Standard"-Chefredakteurin neuerlich die Idee einer Haushaltsabgabe, die allen Mediengattungen zugutekommt, aufs Tapet brachte. Unwohl sei ihr zwar auch dabei, dass Medien wie "Die Zeit" mittlerweile zwanzig Prozent ihres Umsatzes mit ihrem Shop machen, indem sie Journalismus-fremde Produkte vertreiben. Doch sie gibt zu, dass man noch viel mehr darüber nachdenken müsse, wie man abseits des Kerngeschäfts Geld verdienen könne. Sie denke dabei etwa an "die Schätze unserer Archive" oder "Grafiken, die wir mit hohem Aufwand erstellen, die wir Lehrern zur Verfügung stellen könnten." 

"Irgendwann werden die Katzenfotos fad"

Kurz thematisiert wurde auch die Rolle von externen Unternehmensberatern, die in Zeiten knapper Budgets immer wieder Medienhäuser unter die Lupe nehmen. "Null Ergebnis" sprach ihnen Washietl zu, während Grünberger sie nicht per se verteufeln würde. "Sie sind in der Regel nur so gut, wie sie gebrieft werden." Für den ORF ist aktuell Boston Consulting tätig, die dem Sender Empfehlungen für die künftige Struktur unterbreiten sollen - für eine kolportierte Summe von 500.000 Euro. "Das könnte ich wohl auch in einer Woche schreiben", meinte Wolf dazu.

Unabhängig von diesen Umständen, war sich das Podium letztlich einig, dass professioneller Journalismus auch künftig eine wesentliche Rolle für demokratische Gesellschaften spielen werde. "Der Journalismus der Zukunft ist jener, den wir machen und entwickeln", betonte Puls 4-Infochefin Corinna Milborn, während Elisabeth Wasserbauer, Leiterin des Kuratoriums für Journalistenausbildung (KfJ), das "Verantwortungsgefühl für die Berufsrolle" in den Fokus rückte. Und Grünberger appellierte wohl indirekt an das Rezeptionsverhalten der etwas jüngeren Zielgruppe: "Irgendwann werden die Katzenfotos fad."

Engelbert Washietl appellierte zum Schluss, dass er den Pessimismus der Branche dennoch nicht ganz verstehe. Er habe den Eindruck, dass die wirklich glücklichen Menschen in der Eiszeit gelebt hatten. Die hatten nicht gewusst, dass sie sich in der Eiszeit befänden und daher einfach um das Überleben gekämpft. "Durststrecken gab es immer. Was bleibt uns übrig als Weitermachen?".

(APA/red.)

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