„Der Sender“: Mit Crowdfunding zum Erfolg

Ein neuer deutscher TV- und Radio-Sender will sich mittels Crowdfunding finanzieren. Im Gegenzug gibt es Mitspracherechte für die Zahlenden - ein Novum in Deutschland.

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(c) Screenshot: DiePresse.com

"Hi Leute, wir gründen einen Sender", so lakonisch-nüchtern war die Ankündigung des neuen deutschen Crowdfunding-Formats. Dieses heißt ebenso schlicht "Der Sender" und soll eine Online-Plattform vor allem für Audio- und TV-Formate bieten. Als Vorbild dürfte das Onlinemagazin "Krautreporter" dienen, das vor wenigen Monaten mittels Crowdfunding knapp eine Million Euro Startkapital sammeln konnte. Das Format - mit der Ansage angetreten, den Onlinejournalismus retten zu wollen - steht derzeit jedoch in der Kritik, nichts wirklich Revolutionäres anzubieten und bei den Geschichten auf die Namen seiner prominenten Schreiber zu bauen. 

Das scheint das fünfköpfige Team freier Journalisten aus Berlin-Kreuzberg von ihren Plänen für "Der Sender" nicht abzuschrecken. Findet die Idee genug Anklang in Netz, soll bald eine Crowdfunding-Kampagne und die Gründung einer Trägergenossenschaft folgen. In einem Interview mit dem deutschen Medienportal Meedia betonte einer der Initiatoren, IT-Journalist und Podcaster Philip Banse, man wolle die Leute rechtzeitig einbeziehen. "Das ist die Lehre die wir aus den Krautreportern gezogen haben." Daher auch der vorab ankündigende Blogeintrag – ab nun könne sich die Community einklinken und mitentscheiden, wo die Schwerpunkte liegen sollen.

Basisdemokratie und viele offene Fragen

Die fünf Berliner, der IT-Journalist Philipp Banse, Jana Wuttke vom Deutschlandradio, Datenjournalist Lorenz Matzat, Lena Waterkamp und Linda Rath-Wiggins, verstehen ihr Projekt als "unabhängige Plattform für zukunftsweisenden Journalismus". Die für Deutschland bisher einzigartige, genossenschaftliche Organisationsstruktur soll Interessenten die Möglichkeit geben, dieser beizutreten. Der basisdemokratische Gedanke dahinter: Da die Online-Plattform zumindest zu Beginn vollständig durch Spenden finanziert wird, soll auch jeder Zahlende im Gegenzug ein Mitspracherecht einfordern können.

Wo und wie die Sendungen zu sehen sein werden, darauf will oder kann man sich zurzeit noch nicht festlegen. Eine wöchentliche Polit-Runde, ungefilterte Live-on-Tape Reportagen, ausgedehnte Podcast-Serien und ein Kinderprogramm sind angekündigt. Man wolle mit Technik und Formaten experimentieren und so die Grenze zwischen Audio und Video austesten, sagt Banse. "Dort herrscht bisher noch eine Grauzone." Bei der Umsetzung ist man noch am Tüfteln, das erklärte Endziel ist für Initiator Banse bereits klar: "Eine Motivation ist natürlich auch, dass man von der Arbeit dann auch leben kann."

>> Link: http://dersender.org/

(loan)

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