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Raimund Löw: Gegen "Berlusconisierung" des ORF

13.04.2009 | 18:37 |  REGINA PÖLL (BRÜSSEL) (Die Presse)

Raimund Löw, ORF-Büroleiter in Brüssel und Sprecher der Auslands-Korrespondenten, drängt auf ein Gesetz, das den ORF maximal "politikferne" macht. Ein "Presse"-Interview.

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Die Presse: Im Mai erhalten Sie den Axel-Corti-Preis der österreichischen Volksbildung für besonders wertvolle Leistungen im Fernsehen. Sehen Sie diese Art von Qualitätsjournalismus durch die Finanzkrise, auch durch die wirtschaftliche Krise des ORF bedroht?

Raimund Löw: Es ehrt mich, dass ich den Preis bekomme. Mit dem Namen Corti verbinde ich viel Hintergründigkeit in Fernsehen und Radio, die nicht immer präsent ist. Der ORF bot immer für beides Raum: für Mainstream und fürs Hinterfragen, auch für Außenseiter und ihre Gedanken. Es gibt die Tendenz zur Kommerzialisierung – und die Gegentendenz zu ausführlicheren Berichten. Der wiederauferstandene Club 2 ist eine Erfolgsstory. Gleichzeitig ist gerade bei Europathemen knappe Information an ein breites Publikum nicht zu unterschätzen, etwa via Ö3 oder ZIB.

Generaldirektor Wrabetz hat massive Einsparungen angekündigt, etwa für das Sport- und Eigenprogramm des ORF oder eine Nulllohnrunde 2010. Ist dies das richtige Signal?

Löw: Ich kann als Redakteurssprecher der Auslandskorrespondenten sagen, dass es wichtig ist, dass das Korrespondentennetz erhalten wird. Wir haben eine Zusicherung des Generaldirektors, dass da nichts radikal geändert wird. Die Notwendigkeit zu sparen sehe ich klarerweise ein. Aber es wäre fatal, würde das weltweite Netz aus zwei Dutzend Korrespondenten eingeschränkt. Sie sind Teil der österreichischen Identität des ORF.

SPÖ-Entwürfen zum ORF-Gesetz zufolge würde der Aufsichtsrat künftig von SPÖ und ÖVP und nicht von den Oppositionsparteien bestellt werden. Ist das sinnvoll?

Löw: Im Redakteursausschuss haben wir formuliert, was uns wichtig ist: dass das Aufsichtsgremium ein Maximum an Distanz von der Politik garantiert. Das muss nach der eigenen Logik der medialen Öffentlichkeit und nicht nach der Logik der politischen Macht, der Regierung funktionieren. Wir warnen vor dem Trend in Europa, dass Regierungen Fernsehsender politisch beeinflussen wollen, wie in Frankreich oder Italien. Wir warnen vor einer Berlusconisierung der Medienlandschaft. Viele sehen eine solche Gefahr offenbar auch in Österreich.

Sehen Sie diesen Trend, diese Gefahr vor allem seit der Regierung Faymann?

Löw: Den Trend gab es auch schon früher. Es ist tragisch, dass Gesetzesänderungen von Regierungen gepusht werden, die in Wirklichkeit die Geschäftsführung auswechseln wollen. Es wäre fatal, wenn es zur Tradition würde in Österreich, dass jede Regierung sich eine ORF-Führung aussucht. Die Versuchung ist sicher da. Aber es wäre ein Ausdruck der Stärke und des Selbstbewusstseins einer Regierung, würde sie endlich ein Gesetz machen, das den ORF politikferne macht. Schließlich sind starke unabhängige Medien gerade in Krisenzeiten wichtig.

Hat General Wrabetz schon ausgedient?

Löw: Nein, wieso? Die Geschäftsführung hat noch eine Amtszeit von drei Jahren. Alles andere kann ich nicht beurteilen. Das gegenwärtige Führungsteam hat ein hohes Maß der Unabhängigkeit der Berichterstattung geschaffen. Gerade in Brüssel sind immer wieder Minister zu Besuch. Aber ich hatte in eineinhalb Jahren nie die Situation, dass wir über etwas hätten berichten müssen, obwohl es nicht interessant ist, nur wegen übergeordneter, nichtjournalistischer Gründe.

Was halten Sie von der Aktion österreichischer Zeitungen: „Rettet den ORF“?

Löw: Alles, was öffentliche Diskussion über den ORF fördert, ist gut. Einige Vorschläge scheinen mir aber unsozial, wenn ich etwa an einen Abbau von 1500 Kolleginnen und Kollegen denke. Da sollte man Lösungen suchen, die in Richtung Solidarität gehen.

ZUR PERSON

Dr. Raimund Löw, 57, Historiker und Publizist, erhält im Mai den Axel-Corti-Preis der österreichischen Volksbildung für besonders wertvolle Leistungen im Fernsehen. Seit 2007 Büroleiter Brüssel des ORF, 2003–2007 Büroleiter Washington, zuvor leitender Redakteur bei der „Zeit im Bild“. Autor, u. a. „Einsame Welt-macht“, Ecowin. Zahlreiche Auszeichnungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2009)

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15 Kommentare
Gast: Betroffener
14.04.2009 16:49
0 0

Antworten die jedem Politiker Ehre machen

Die Frage lautet z.B. : ...massive Einsparungen..etwa für das Sport und Eigenprogramm des ORF...
Die Antwort: ...dass es wichtig ist, dass das Korrespondentennetz erhalten wird...
Thema ziemlich verfehlt, Herr Löw, aber schon mal eine Stufe in Richtung Intendanz erklommen. Solche klare Ansager wollen die im ORF.

Gast: fr sa..er
14.04.2009 14:58
0 0

...

gutes benehmen ist nicht alles. (aber respekt, frau s.)

Gast: fr SA..ER
14.04.2009 14:56
0 0

sie brauchen die emotionen nicht verstehen

die menschen ändern sich.

derpradler
14.04.2009 10:25
0 0

in diesem Falle müßten 90%

der Redakteure ausgetauscht werden. Da die Herrschaften allesamt den ORF benutzen um ihre Ansichten, die meist einer bestimmten Partei verpflichtet sind) einem breiten Publikum zu präsentieren.

Gast: nolan
14.04.2009 10:19
0 0

Wenn Herr Löw einen "maximal politikfernen ORF" haben

will, dann sollte er zuerst darüber nachdenken, wie er den max. politikfernen Journalisten bekommt. Das Problem eines öffrechtl. Senders liegt doch darin, daß ein Team zur (Durch-)Führung bestellt werden muß und jeder, ob Direktor oder Journalist bringt seine eigene polit. Vorstellungswelt aufgrund seiner eigenen Präferenzen, seiner Sozialsation etc. mit. Ein "max. politikferner ORF" kann als nur eine Wunschvorstellung sein, denn weder gibt es solche Journalisten noch solche Direktoren. Mag sein, daß sich Löw als 100%ig objektiv und ebenso 100% auf Distanz zu jeder Parteipolitik sieht, aber selbst wenn es so 100%ig wäre, sobald es Andere anders sehen wird dies zum Problem und daher hat ein öffrechtl. Sender nicht nur in all seinen Bereichen die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden, es wäre Aufgabe der Öffentlichkeit das (Durch)Führungsteam selbst zu bestellen oder durch die gewählten Volksvertreter diese zu bestimmen, aber der ORF ist sicher keine Privatveranstaltung von Angestellten.

Gast: Gebührenzahler
14.04.2009 09:00
0 0

ORF gehört privatisiert und Mannschaft gänzlich ausgetauscht!

Eh klar dass die ORF-Leute die sich aufführen als gehörte der ORF ihnen und der Rot-Grün-Funk gegen eine Berlusconisierung sind.

Gast: Crusader
14.04.2009 08:57
0 0

Weh mit dem ORF und seinen Zwangsgebühren!


Antworten Gast: Crusader
14.04.2009 11:01
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Re: Weh mit dem ORF und seinen Zwangsgebühren!

Weh war der freud`sche Tippfehler :) - weg natürlich......

0 0

Die Gefahr der

Berlusconisierung geht eigentlich vom Hans Dichand aus!

Mister Fayman ist ja nur the "Hampelman" of Mister "Cato".

Noah von der Arche am Berg der Freude

Gast: Tiger
13.04.2009 22:27
0 0

Wenn man den ORF "politikfern" machen will gibt es da nur einen Weg - die Privatisierung.


Gast: Caraffa
13.04.2009 22:21
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Einer von etlichen

Raimund Löw ist einer aus dem kommunistischen Bodensatz der Trotzkisten & Maoisten, der sich als 68er rechtzeitig von seinen Kumpanen in den ORF einschleusen ließ. Heute führt er das große Wort und man wirft ihm Preise nach...

Antworten Gast: Piccolomini
14.04.2009 09:51
0 0

Re: Einer von etlichen

diese Pensionisten mit PC und ohne Kenntnisse sind schon peinlich; außerdem finden sich in diesem Forum immer wieder auch antisemitische Untertöne, gibts da keine Prüfung durch einen (ohnehin gratis) Praktikanten?

Gast: Wahre Eintracht
13.04.2009 22:00
0 0

Und noch Freimaurernäher?


Gast: Gegen
13.04.2009 21:44
0 0

die GRMisierung des ORF!


LUPO
13.04.2009 19:49
0 0

Club2, ein toller Erfolg

wenn der Gesprächsleiter von der Redaktion mundtot gemacht wird. Vielleicht gibt es bald den „Stermann & Grissmann Preis“ für Korruption und Medienmissbrauch.