Schon riecht die Branche ein „Ende des Krieges“ zwischen „Krone“ und „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“ (WAZ): Der große deutsche Verlag will seine 50-Prozent-Beteiligung an der „Krone“ zurücklegen. Das bestätigte WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach nun dem „Handelsblatt“. Die WAZ, selbst in der Krise, würde die 200 Millionen Euro gut gebrauchen, die sie mit dem Verkauf erlösen könnte – ein Gewinn: Beim Einstieg 1987 hatte die WAZ etwa 100 Mio. Euro bezahlt. Die zweite Hälfte der Zeitung hält Herausgeber Hans Dichand (88) selbst. Die Gespräche mit ihm „laufen auf Hochtouren“, so Hombach. Interesse am WAZ-Anteil hätten außerdem „sowohl Investoren als auch Unternehmen aus Österreich“. Bis Herbst soll ein Ergebnis stehen.Wobei die Entscheidung der WAZ klar sei, sagt ein Kenner der Lage zur „Presse“ – die Frage sei nur, wie Dichand die Situation löst. Das Magazin „Trend“ hält Wiener Städtische Versicherung und Erste Bank für Partner, die die „Krone“ finanziell unterstützen würden.
„Krone“ bald in roten Zahlen?
In den letzten Jahren hat es immer wieder Differenzen zwischen den Eigentümern gegeben: z.B. über die Blattlinie, die Thronfolge am Chefredakteurssessel (von Hans an Christoph Dichand). Für Dichand senior wäre es die Vervollständigung seines Lebenswerks, hätte er die Meinungsmacht „Krone“ demnächst allein in der Hand (und der Hand eines Finanzpartners ohne Mitsprache).
Die WAZ ist außerdem in Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien und Ungarn aktiv. In Österreich hält sie neben der „Krone“-Beteiligung 49,6 Prozent am „Kurier“. „Krone“ und „Kurier“ wiederum haben als gemeinsames Unternehmen (u. a. für Druck und Vertrieb der Zeitungen) die Mediaprint: Deren Gewinn hat sich in den vergangenen drei Jahren von 35,4 Millionen auf 18,8 Millionen verringert.
Laut Brancheninsidern könnte die „Krone“ selbst im Sommer in die roten Zahlen rutschen. Ein Problem nur für die WAZ: Laut „Handelsblatt“ bekommt Dichand so oder so garantiert zehn Millionen Euro Rendite: „Die Verträge verpflichten uns, selbst bei einem Verlust der Krone dem Ko-Gesellschafter einen Vorabgewinn auszuzahlen“, wird Hombach zitiert. Allerdings wird in der „Krone“ derzeit auch rigide gespart: So soll etwa die redaktionelle Mannschaft deutlich verkleinert werden. Anfang Mai wurde die Kolumne von Reinald Hübl (geb. 1930), „Menschlich betrachtet“, eingestellt. „Bei den alten Mitarbeitern ist die Ersparnis natürlich größer“, so ein „Krone“-Kenner.
Bei der „Kronen Zeitung“ waren am Montag weder Herausgeber Hans noch Chefredakteur Christoph Dichand oder Geschäftsführer Wolfgang Altermann erreichbar.
■Die Kronen Zeitung wurde 1959 von Hans Dichand wiedergegründet (schon 1900 erschien die erste Ausgabe der Krone). 1987 kaufte sich nachdem Dichand Kompagnon Kurt Falk verstoßen hatte zu 50 Prozent die Westdeutsche Allgemeine Zeitung ein. Zwischen den beiden Eigentümern kam es immer wieder zu Konflikten. Die Krone hatte 2008 täglich über 2,9 Millionen Leser.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2009)
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