Vergangenes Jahr wollte er Thermalquellen entdeckt haben. Kurz davor gründete er ein Handynetz namens „In der Familie“, im heurigen Jänner dann einen Internet-Studienlehrgang mit dem Titel „Akademische Treffen mit Meistern“: Der umtriebige wie umstrittene polnische Geistliche Tadeusz Rydzyk ist auch Leiter des national-katholischen Senders Radio Maryja. Und sorgt immer wieder für Empörung – Medienrat, Bischöfe und der Vatikan haben den Sender wegen seiner Programminhalte und dessen Chef wegen antisemitischer Äußerungen schon mehrfach scharf kritisiert.
Nun wird Rydzyk wegen einer „ironischen“ Bemerkung über einen afrikanischen Mönch Rassismus vorgeworfen: Bei einer Pilgermesse des Senders in Tschenstochau vor etwa 200.000 Gläubigen hat Rydzyk laut Mitschnitt gesagt: „Noch ein Schwarzer. Oh Gott, der hat sich noch nie gewaschen.“ Ein parteiloser Parlamentsabgeordneter zeigte den Pater daraufhin bei der Staatsanwaltschaft an. Ein Abgeordneter der rechtskonservativen Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) verteidigte Rydzyk: Es habe sich dabei nur um einen „Scherz“ zur Begrüßung des afrikanischen Geistlichen am Altar gehandelt.
Der 64-jährige Redemptoristen-Pater Tadeusz Rydzyk wurde in der Vergangenheit mehrfach wegen ähnlicher Äußerungen belangt. Die Staatsanwaltschaft konnte einen Gesetzesverstoß jedoch nie nachweisen. Eigenen Angaben zufolge ist „Radio Maryja“ mit vier Millionen Hörern einer der erfolgreichsten Sender in Polen. Anhänger Pater Rydzyks sehen ihn als charismatische Persönlichkeit, die gegen den angeblichen moralischen Verfall Polens kämpft. Seine Kritiker dagegen werfen ihm vor, er verzerre die Lehre der katholischen Kirche. Auch Polens Bischöfe sind in Sachen Rydzyk gespalten. Immerhin haben sie mehrmals versucht, die Sendungen von „Radio Maryja“ aus dem nationalistischen und antisemitischen Fahrwasser zu lenken.
Geht „Radio Maryja“ in die Politik?
Zuletzt hatte es geheißen, im Umfeld des Senders werde eine politische Partei gegründet. Der Historiker Jerzy Robert Nowak, eine zentrale Figur des Radiosenders, organisierte Ende Juni sogar eine Gründungsversammlung der „Bewegung für die Nationale Wende“ in Bydgoszcz. Nowak erklärte damals, seine Gruppierung wolle mit der PiS von Expremier Jaroslaw Kaczynski kooperieren. „Radio Maryja“ hatte diese Partei in den beiden Wahlkämpfen 2005 und 2007, zuletzt auch bei den EU-Wahlen Anfang Juni, unterstützt. Tatsächlich könnte die Partei aber auch als Konkurrenz zur PiS im rechten Wählerspektrum antreten – auch parteiinterne Kritiker der PiS nahmen an dem Juni-Treffen teil.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2009)
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