Die Nachwehen des "News"-Eigentümerwechsels

Die Übernahme der Mehrheitsanteile an der Verlagsgruppe News durch Manager Horst Pirker wirft Fragen auf. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

ARCHIVBILD: INTERVIEW: HORST PIRKER (VORSTANDSCHEF DER VERLAGSGRUPPE NEWS)
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ARCHIVBILD: INTERVIEW: HORST PIRKER (VORSTANDSCHEF DER VERLAGSGRUPPE NEWS)
Horst Pirker – (c) APA/HERBERT NEUBAUER

Der Satz klingt wie das Leitmotiv für den spektakulärsten Eigentümerwechsel in der jüngeren österreichischen Mediengeschichte. Im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ sagte Horst Pirker, seit Montag nicht mehr nur Geschäftsführer der Verlagsgruppe News (VGN), sondern auch ihr Mehrheitseigentümer (mit durchgerechnet 56 Prozent): „Ich steige nicht groß ein, sondern ganz demütig.“ Mit Demut hat er sich also das Magazinhaus erobert, nicht mit Kapital. Auch wenn Pirker und die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart haben, sind sich Brancheninsider sicher, dass hier nicht viel Geld geflossen ist. Im Gegenteil, das Hamburger Verlagshaus soll erst kürzlich Kapital in Höhe von zehn Millionen Euro zugeschossen und einen Kredit von sechs Millionen Euro gewährt haben.

Pirker selbst darf und will nichts zu den kolportierten Zahlen sagen. Auf Nachfrage erklärt er, dass eine Schließung des Verlags nie im Raum gestanden sei. Zwei Überlegungen seien zusammengekommen: Gruner+Jahr wollte sich endgültig von seiner (nicht rentablen) Österreich-Beteiligung trennen und auf die Kernmärkte Deutschland und Frankreich konzentrieren. Und Pirker wollte eine Lösung finden, „die Verlagsgruppe News mittelfristig abzusichern. Wer die Eigentümerrolle behält oder übernimmt, war eine nachgeordnete Frage“. Nur einen Wechsel zu einem neuen Eigentümer wollte er verhindern.

Von den zehn Millionen Kapitalzuschuss und sechs Millionen Kredit war am Dienstag auch in der Gratiszeitung „Österreich“ zu lesen. Deren Eigentümer, die Brüder Wolfgang und Helmuth Fellner, sind noch an der 1992 von ihnen gegründeten Verlagsgruppe News beteiligt. Seit der Gründung von „Österreich“ im Jahr 2006 halten sie eine Finanzbeteiligung von 18,7 Prozent, allerdings ohne Mitspracherechte und ohne Nachschusspflicht. So haben sie am Montag sehr spät und nur knapp vor der Öffentlichkeit von dem Eigentümerwechsel erfahren, heißt es. Was Wolfgang Fellner im Gespräch mit der „Presse“ dementiert. Pirker habe ihn angerufen und ihn in einem „sehr freundlichen und netten Gespräch“ über die Neuigkeiten informiert. Er fühle sich fair behandelt, schließlich habe Gruner+Jahr schon vor geraumer Zeit gefragt, ob er deren Anteile kaufen wolle. Was er abgelehnt habe. „Ich will mit meinem Sohn Niki ein digitales Medienhaus aufbauen. Wir hätten kein Zeitbudget für eine Sanierung des News-Verlags.“ Er hält den Verkauf an Pirker für richtig. „Man kann dieses Haus nur von innen und mit Mitwirkung der Belegschaft sanieren.“ Er stehe dem Eigentümerwechsel konstruktiv gegenüber und kündigt zudem an: „Wir werden sicher deutlich mehr zusammenarbeiten als in der Vergangenheit.“

 

Raiffeisen fühlt sich zu spät informiert

Und wie sieht der dritte Miteigentümer, der Kurier-Verlag und dessen Mehrheitseigentümer Raiffeisen, die aktuellen Ereignisse? Nicht erfreut seien sie, und das sei noch untertrieben, sagen Insider. Vor allem stoße man sich am bisherigen Miteigentümer Gruner+Jahr und dessen Informationspolitik. Angeblich wurde Raiffeisen-Obmann Erwin Hameseder erst am Montagvormittag in der Beiratssitzung vor vollendete Tatsachen gestellt. Wobei Horst Pirker auf Nachfrage kolportierte Unstimmigkeiten in der Sitzung dementiert. Es sei „sehr sachlich und konstruktiv gelaufen“. Kurier-Verlag und Raiffeisen-Gruppe sollen den Eigentümerwechsel grundsätzlich positiv sehen. Auch weil sich durch den Wechsel in der Gesellschaftsstruktur de facto nichts verändert. Eine offizielle Stellungnahme vom Kurier-Verlag blieb am Dienstag aus.

In der Branche sieht man Pirkers Übernahme unterschiedlich. Die einen sagen, es brauche nicht unbedingt Mut, einen Verlag um einen symbolischen Euro zu übernehmen. Die große Prüfung stehe jetzt bevor. Andere halten es für möglich, dass Pirker sich auf lange Sicht um neue Eigentümer für die einzelnen der elf Magazintitel umsehen will, um so zu Kapital zu kommen. Das dementiert der Medienmanager in Interviews indirekt. Zumindest sagt er, er wolle derzeit weder das „News“ noch andere Titel einstellen. Bis 2017 will er die Gruppe „wirtschaftlich gesund“ machen. Wie genau, will er noch nicht verraten. Der Schwerpunkt liege jedenfalls bei der Entwicklung neuer Digitalprodukte. Im vierten Quartal 2016 wird es ein neues digitales Projekt von der „Woman“-Redaktion geben.

Die Stimmung innerhalb der Verlagsgruppe News ist geteilt. Erleichtert ist vor allem das Team rund um Eva Weissenberger und ihr „News“, das schon mehrfach totgesagt wurde und nun vorerst weiterleben darf. Nicht ganz so euphorisch sind die Teams jener Magazine, die schon vor Pirkers Zeit und lange mit Gruner+Jahr zusammengearbeitet haben. Diese Zusammenarbeit soll es zwar in manchen Bereichen auch nach dem Eigentümerwechsel weitergeben, aber den großen deutschen Verlag im Rücken zu verlieren bereitet manchen Sorgen. Pirker selbst sagt, er sei am Morgen nach der Entscheidung mit einem „extrem guten Gefühl aufgewacht“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2016)

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