„Die Öscars“: Drei Tage in der Traumfabrik

ORF III zeigt in einem Schwerpunkt die Doku-Trilogie „Die Öscars“ über Österreichs Oscar-Preisträger/Nominierte – und sechs Filmklassiker, die ihnen zu verdanken sind.

Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ mit Emil Jannings und Marlene Dietrich in ORF III.
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Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ mit Emil Jannings und Marlene Dietrich in ORF III.
Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ mit Emil Jannings und Marlene Dietrich in ORF III. – (c) ORF/Transit Film

Ein goldener Gartenzwerg. Das wäre, witzelt Christian Reichhold, die passende Statuette für die „Öscars“ – die österreichischen Oscar-Preisträger, denen er 2015 bereits ein Buch (erschienen bei Amalthea Signum) und nun eine dreiteilige Doku gewidmet hat. Für Hollywood sei Österreich weitgehend nicht existent. Das Grab von Paul Muni am Friedhof mit dem sinnigen Namen Hollywood Forever ist mittlerweile so verwachsen, dass Reichhold es erst ein wenig ausputzen muss, damit man den Namenszug überhaupt lesen kann. Niemand scheint sich mehr um den aus Lemberg (damals Österreich-Ungarn) stammenden einstigen Star der Fox-Film-Company zu kümmern, der es bei nur 23 Filmauftritten auf fünf Oscar-Nominierungen und einen Oscar brachte: Er wurde 1937 für seine Rolle in „The Story of Louis Pasteur“ als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Mit sieben Jahren war Muni (geboren als Frederich Meshilem Meier Weisenfreund) mit seinen jüdischen Eltern in die USA emigriert, wo ihn Filmpionier William Fox (auch er war Altösterreicher) entdeckte – eine für die damalige Zeit typische Hollywood-Geschichte jüdischer Einwanderer.

„Sieht aus wie Onkel Oscar!“

Seit Jahren reist Reichhold für die ORF-„Seitenblicke“ zu den Oscar-Verleihungen, um nicht nur über die Ereignisse am roten Teppich zu berichten, sondern auch die Ohren offen zu halten und die Archive zu sichten, um Informationen und Anekdoten zu sammeln. Der Legende nach soll die 1929 erstmals übergebene Trophäe vom damaligen Artdirector bei MGM während eines Banketts auf das Tischtuch skizziert worden sein. Ein Kunststudent fertigte den Prototypen. Als die Sekretärin der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Figur sah, rief sie: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!“ Und wenn das nicht stimmt? „In Hollywood hat man auf eine gute Geschichte seit jeher mehr gegeben als auf die Wahrheit“, schreibt Reichhold in seinem Buch. Über Max Steiner (drei Oscars für die beste Filmmusik) und Erich Wolfgang Korngold (zwei Oscars) weiß er in der Doku zu berichten, dass Steiner in einer Laudatio zum 60er des Komponistenkollegen gesagt hat: „Ich verstehe gar nicht, wieso ich in Hollywood so erfolgreich bin und nach dir kein Hahn mehr kräht.“ – Korngold konterte: „Seit zwanzig Jahren schreibst du von mir ab und ich von dir – da ist es kein Wunder, dass du viel erfolgreicher bist als ich.“ Aus dem Archiv fischte Reichhold u. a. Maximilian Schell, der sich an die Schlagzeilen erinnert: „Der kleine Bruder von Maria Schell kriegt den Oscar!“, Kostproben von Billy Wilders bissigem Humor und spröde Kommentare von Christoph Waltz. Es ist ein kurzweiliges und informatives Erinnern.

ORF III zeigt am Mittwoch sechs Filme von bzw. mit Hollywood-Österreichern: „Der blaue Engel“ (Regie: Josef von Sternberg; 13.45 h), Billy Wilders „Zeugin der Anklage“ (15.35 h), „Der Glückspilz“ (17.40 h), „Das Appartement“ (21.05 h) und „Sunset Boulevard“ (23.15 h) sowie Otto Premingers dreifach Oscar-nominierten Film „Der Mann mit dem goldenen Arm“ (1.05 h).

„Die Öscars“: 28., 29., 30. 12., jeweils 20.15 Uhr.

Zur Person

Christian Reichhold ist langjähriger ORF-Korrespondent bei der Oscar-Verleihung. Er arbeitet als Fernsehgestalter, Fotograf, Autor und lässt in seinem Blog hinter die Kulissen von Society-Events bzw. des ORF blicken. Bekannt ist er vor allem durch seine Beiträge für die ORF-Sendung „Seitenblicke“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2016)

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