Der Mediator

„Null Interesse an rot-schwarzer Koalition“

Kommentar Was erwartet uns politisch in den nächsten Monaten? Wird Kern Kanzler bleiben? Oder hat Kurz bessere Karten? Müßige Fragen. Schauen wir lieber auf ihre früheren Karriereetappen.

Reformpartner war Christian Kern auch schon bei der Bahn.
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Reformpartner war Christian Kern auch schon bei der Bahn.
Reformpartner war Christian Kern auch schon bei der Bahn. – (c) Apa (CHRISTIAN MUELLER)

Allerlei politische Prognostiker schauen in diesem Frühjahr in Österreich angestrengt nach vorn. Was wird noch im Mai passieren? Was vor den Sommerferien? Und erst im Herbst! Kommt tatsächlich derart überstürzt ein brutaler Dreikampf um die Kanzlerschaft zwischen Kern, Strache und Kurz? Welche Partei, wenn überhaupt, wird die Hürde von 30 Prozent durchbrechen?

Weil ich kein Prophet, sondern Nostalgiker bin, blicke ich lieber zurück, zum Ende der Nullerjahre, als ein späterer Quereinsteiger und ein Jungpolitiker erstmals ein bisschen mediales Aufsehen erregten. Der Bundeskanzler hieß damals Werner Faymann von der SPÖ, sein Stellvertreter von der ÖVP war Josef Pröll. Heinz Fischer wurde im Frühjahr mit 79,3 Prozent für weitere sechs Jahre zum Bundespräsidenten gewählt. Die FPÖ bestätigte H. C. Strache ein paar Wochen später mit 99,12 Prozent als Wiener Landesparteiobmann. (Er wollte angeblich Bürgermeister werden und war seit Jahren der längstgediente aktuelle Bundesobmann einer Altpartei.) Die Wende, nach der sich FPÖ und ÖVP voller Speed Macht und Pfründe geteilt hatten, lag bereits zehn Jahre zurück.

Was aber trieben 2010 Christian Kern und Sebastian Kurz, die vielleicht früher als erwartet darum kämpfen werden, mit den Blauen eine Reformpartnerschaft zu betreiben? Weil der Mediator davon überzeugt ist, dass erste Eindrücke prägend sind, soll an eine frühe Karriereetappe der Hoffnungsträger erinnert werden, um vielleicht zu erkennen, wer demnächst besser Kanzler (oder nur Vizekanzler?) kann.


Mobile Macher. Beide waren damals höchst mobil. Kern bestieg den Triebwagen der ÖBB und versprach – Reformen: Seine Schlagworte bei der Vorschau auf längerfristige Pläne lauteten „Respekt, Reset & Resultate“, eine Art „Bundesbahn 2.0“ sozusagen, mit folgenden Durchsagen: Der Markt werde geöffnet. Die öffentliche Hand müsse sparen. Denn: „Die wirtschaftliche Lage ist anspruchsvoll.“ Das klang fast schon nach ernsten Kanzlerworten.

Meiner Kollegin Bettina Steiner verriet der frische ÖBB-Chef kurz zuvor in der „Presse am Sonntag“ seine Berufswünsche als Bub in Simmering: „Erst Fußballprofi, was leider nicht geklappt hat, dann Lehrer, dann Revolutionär.“ Kanzler ist also nicht einmal Kerns zweite Wahl. Und am meisten über Management habe er an der Universität beim VSStÖ gelernt: „Die Zeit in der Österreichischen Hochschülerschaft hat mich mehr gelehrt, als es etwa St. Gallen je gekonnt hätte.“

Fast zeitgleich bestieg Sebastian Kurz, seit 2009 Bundesobmann der Jungen ÖVP, im Gemeinderatswahlkampf das bullige Geilomobil, ging auf Wahlkampftour und versprach keck: „Schwarz macht geil.“ Respekt! Damit hat er Kern damals den Weg verbaut, „Bahn macht geil“ zu erfinden.

Null Interesse an Rot-Schwarz.
Welche schwarzen Geheimnisse verriet Juniorchef Kurz, der damals noch studierte, im Wiener Wahlkampf? Dem Magazin „News“ sagte er: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich null Interesse an einer rot-schwarzen Koalition in Wien habe, solange die SPÖ so innovationsfeindlich bleibt und diese rote Korruptionspolitik weiter besteht.“ Er hat sich, zumindest für die kurze Zeit als Wiener Gemeinderat, daran gehalten. Und die frühen Berufswünsche des Neuen aus Meidling? Als Chef der JVP prognostizierte Kurz dem Magazin „Woman“, wo er sich in fünf Jahren sehe: „Ich will mein Jusstudium fertig haben, der dritte Abschnitt fehlt noch. Ich plane meine Karriere nicht verbissen. Kann mir auch nicht vorstellen, als Politiker in Pension zu gehen. Es gibt noch andere Dinge, die mir Spaß machen würden im Leben. Etwa als Anwalt zu arbeiten oder ein Lokal aufzumachen.“ Das werden die Granden der ÖVP bei ihrer größtmöglichen Trumpf-Ass-Chance wohl zu verhindern wissen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2017)

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