"Twin Peaks": Ins Archiv geschaut

Das Original von "Twin Peaks" lief 1991 immer sonntags auf FS 2. Wie Bogdan Roščić die Serie in der "Presse" rezensierte und wie andere deutschsprachige Zeitungen David Lynchs Mystery-Krimi begleiteten. Eine Archiv-Schau.

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Bodgan Roscic über "Twin Peaks"

Am 8. April 1990 war auf dem amerikanischen Sender ABC die erste Folge von "Twin Peaks" zu sehen. Mehr als ein Jahr dauerte es, bis die Serie, die damals neue Fernsehmaßstäbe setzte, in synchronisierter Fassung auch in Österreich zu sehen war.

In der "Presse" berichtete zwei Tage nach der ORF-Ausstrahlung Bogdan Roščić darüber, damals freier Mitarbeiter der Zeitung, heute designierter Staatsoperndirektor. Ein kleiner Fehler hat sich da aber bei ihm eingeschlichen: Die Pilotfolge wurde nämlich nicht an einem Montag, wie er schrieb, sondern Dienstag ausgestrahlt.

(Text: awa)

Bitte nicht verlieren!

"Die Presse" hatte schon im Jahr 1991 eine Farbbeilage. Das "Schaufenster" (das damals noch am Donnerstag erschien) berichtete drei Wochen vor dem Serienstart auf drei großformatigen Seiten über "Twin Peaks" - und brachte zur Übersicht dieses "Who-is-who"-Diagramm der wichtigsten Figuren in der Holzfällerstadt und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen: Verheiratet - In Liebe - in Freundschaft - in einer Arbeitsbeziehung - oder sonstwie verwandt.

Beispiellos intelligent

Im Text zur Grafik des "Schaufenster" hieß es am 22. August 1991: "Twin Peaks ist deshalb so außergewöhnlich, weil sich hier mit dem möglicherweise begabtesten Filmregisseur unserer Tage - David Lynch - und dem möglicherweise besten Fernsehautor - Mark Frost - ein Team gefunden hat, das auf beispiellos intelligente und verspielte Weise mit den Stilmitteln herkömmlicher TV-Soap-Operas hantiert. Was (...) hier entstand, ist eine auch vom 'Dallas'-Publikum konsumierbare Mischung aus Hitchcock und Buñuel." Autor des Textes war Bernhard Praschel (Kürzel: pra), der seit 1992 Redakteur beim "Kurier", seit 1995 Autor in der "Freizeit" des "Kurier" ist.

Wer hat hier wen kopiert?

Hoppla, das Diagramm kommt uns doch bekannt vor. Am Tag der Erstausstrahlung von "Twin Peaks "im ORF rückte die "Arbeiter Zeitung" dieselbe Grafik ins Blatt wie die "Presse" kurz davor. Wobei sich rückblickend nicht klären ließ, wer das Original erstellt hat. Es liegt nahe, dass sie aus dem Buch "Das geheime Tagebuch der Laura Palmer" stammt, das damals zeitgleich auf Deutsch erschienen war. Auch der "Standard" hatte in seinem Programmteil "Szene" am 5. September dieselbe Grafik abgedruckt.

Lynchs Figuren sind heiß oder kalt

"Die Zeit" widmete der Serie am 6. September 1991 eine ganze Seite im Feuilleton. Autor Andreas Kilb schilderte die schnell zu kult gewordenen Eröffnungseinstellungen, wie das Ortsschild "Welcome to Twin Peaks" mit dem Hinweis: "Population 51.201". Weiter im Text hieß es: "Twin Peaks ist kein Ort, an den man sich gewöhnen kann. Wenn es etwas gibt, das Lynch nicht im geringsten interessiert, dann ist es die Schulbuchpsychologie des Fernsehens, die von 'Daktari' bis 'Dallas' die Menschen menschlich und die Tiere traurig macht."

Der heiße Preis

Die "Süddeutsche Zeitung" stimmte ihre Leser am 10. September 1991 mit einem englischen Titel und viel Vorfreude auf den Fernsehabend ein: "Anders als die Briten haben wir es noch vor uns, das Kultvergnügen." Redakteurin Birgit Weidinger schrieb: "Das ungewöhnliche Serien-Ding ähnelt einem Perpetuum mobile, der Gag besteht darin, dass sich jede Folge im Kreis dreht." Und später: "Wie das deutsche Publikum auf die teure Laura und ihre Geheimnisse reagieren wird, ist offen; RTL plus hofft, dass sich das Millionending rentiert; die öffentlich-rechtlichen Sender hatten die Publikumsherausforderung auch mit dem Hinweis auf den heißen Preis dankend abgelehnt."

Der öffentlich-rechtliche ORF in Österreich hatte nicht abgelehnt. Und Privatsender gab es in Österreich damals noch lange nicht.

Lustig machen über das Publikum

"Die Welt" erinnerte in ihrem Artikel vom 10. September 1991 an die 35 Millionen Zuseher, die der Serienpilot ein Jahr zuvor in Amerika hatte: "Endlich hieß es eine Serie feiern, die aus dem Sitcom- und Soap-Einheitsbrei ausbricht und nicht den Intellekt des Zuschauers beleidigt." Und Autor Rainer Tittelbach schrieb weiter: "So wurde 'Twin Peaks' die erste amerikanische Nicht-Comedyserie, die sich lustig machte über ihr Publikum."

Bodgan Roscic über "Twin Peaks"

Am 8. April 1990 war auf dem amerikanischen Sender ABC die erste Folge von "Twin Peaks" zu sehen. Mehr als ein Jahr dauerte es, bis die Serie, die damals neue Fernsehmaßstäbe setzte, in synchronisierter Fassung auch in Österreich zu sehen war.

In der "Presse" berichtete zwei Tage nach der ORF-Ausstrahlung Bogdan Roščić darüber, damals freier Mitarbeiter der Zeitung, heute designierter Staatsoperndirektor. Ein kleiner Fehler hat sich da aber bei ihm eingeschlichen: Die Pilotfolge wurde nämlich nicht an einem Montag, wie er schrieb, sondern Dienstag ausgestrahlt.

(Text: awa)

Bitte nicht verlieren!

"Die Presse" hatte schon im Jahr 1991 eine Farbbeilage. Das "Schaufenster" (das damals noch am Donnerstag erschien) berichtete drei Wochen vor dem Serienstart auf drei großformatigen Seiten über "Twin Peaks" - und brachte zur Übersicht dieses "Who-is-who"-Diagramm der wichtigsten Figuren in der Holzfällerstadt und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen: Verheiratet - In Liebe - in Freundschaft - in einer Arbeitsbeziehung - oder sonstwie verwandt.

Beispiellos intelligent

Im Text zur Grafik des "Schaufenster" hieß es am 22. August 1991: "Twin Peaks ist deshalb so außergewöhnlich, weil sich hier mit dem möglicherweise begabtesten Filmregisseur unserer Tage - David Lynch - und dem möglicherweise besten Fernsehautor - Mark Frost - ein Team gefunden hat, das auf beispiellos intelligente und verspielte Weise mit den Stilmitteln herkömmlicher TV-Soap-Operas hantiert. Was (...) hier entstand, ist eine auch vom 'Dallas'-Publikum konsumierbare Mischung aus Hitchcock und Buñuel." Autor des Textes war Bernhard Praschel (Kürzel: pra), der seit 1992 Redakteur beim "Kurier", seit 1995 Autor in der "Freizeit" des "Kurier" ist.

Wer hat hier wen kopiert?

Hoppla, das Diagramm kommt uns doch bekannt vor. Am Tag der Erstausstrahlung von "Twin Peaks "im ORF rückte die "Arbeiter Zeitung" dieselbe Grafik ins Blatt wie die "Presse" kurz davor. Wobei sich rückblickend nicht klären ließ, wer das Original erstellt hat. Es liegt nahe, dass sie aus dem Buch "Das geheime Tagebuch der Laura Palmer" stammt, das damals zeitgleich auf Deutsch erschienen war. Auch der "Standard" hatte in seinem Programmteil "Szene" am 5. September dieselbe Grafik abgedruckt.

Lynchs Figuren sind heiß oder kalt

"Die Zeit" widmete der Serie am 6. September 1991 eine ganze Seite im Feuilleton. Autor Andreas Kilb schilderte die schnell zu kult gewordenen Eröffnungseinstellungen, wie das Ortsschild "Welcome to Twin Peaks" mit dem Hinweis: "Population 51.201". Weiter im Text hieß es: "Twin Peaks ist kein Ort, an den man sich gewöhnen kann. Wenn es etwas gibt, das Lynch nicht im geringsten interessiert, dann ist es die Schulbuchpsychologie des Fernsehens, die von 'Daktari' bis 'Dallas' die Menschen menschlich und die Tiere traurig macht."

Der heiße Preis

Die "Süddeutsche Zeitung" stimmte ihre Leser am 10. September 1991 mit einem englischen Titel und viel Vorfreude auf den Fernsehabend ein: "Anders als die Briten haben wir es noch vor uns, das Kultvergnügen." Redakteurin Birgit Weidinger schrieb: "Das ungewöhnliche Serien-Ding ähnelt einem Perpetuum mobile, der Gag besteht darin, dass sich jede Folge im Kreis dreht." Und später: "Wie das deutsche Publikum auf die teure Laura und ihre Geheimnisse reagieren wird, ist offen; RTL plus hofft, dass sich das Millionending rentiert; die öffentlich-rechtlichen Sender hatten die Publikumsherausforderung auch mit dem Hinweis auf den heißen Preis dankend abgelehnt."

Der öffentlich-rechtliche ORF in Österreich hatte nicht abgelehnt. Und Privatsender gab es in Österreich damals noch lange nicht.

Lustig machen über das Publikum

"Die Welt" erinnerte in ihrem Artikel vom 10. September 1991 an die 35 Millionen Zuseher, die der Serienpilot ein Jahr zuvor in Amerika hatte: "Endlich hieß es eine Serie feiern, die aus dem Sitcom- und Soap-Einheitsbrei ausbricht und nicht den Intellekt des Zuschauers beleidigt." Und Autor Rainer Tittelbach schrieb weiter: "So wurde 'Twin Peaks' die erste amerikanische Nicht-Comedyserie, die sich lustig machte über ihr Publikum."