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Rot-schwarzer ORF-Deal

17.11.2009 | 18:26 |  PATRICIA KÄFER (Die Presse)

Pröll-Favorit Grasl wird „auf Wunsch von Wrabetz“ Finanzdirektor. Warum wurde der Personalwechsel so plötzlich nötig? "Sissy Mayerhoffer will sich beruflich verändern", sagt ORF-Kommunikationschef Pius Strobl.

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Auf „Wunsch von Generaldirektor Wrabetz“ bewirbt sich Richard Grasl, Chef des ORF-Landesstudios St. Pölten, als Kaufmännischer Direktor des ORF. Die Stelle ist just in jener Nacht vakant geworden, in der die Koalition sich auf ein ORF-Gesetz geeinigt hat. In wichtigen Punkten hat sich die SPÖ – z.B. mit einer 160-Millionen-Euro-Spritze bis 2013 für den ORF – durchgesetzt. Dafür gilt Grasl seit Monaten als Favorit des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll (ÖVP) für einen hohen Posten in Österreichs Medien.

Der Schluss liegt nahe: Grasl als Bedingung bei den Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien. Musste die SPÖ seinen Aufstieg akzeptieren, um die ÖVP von der Staatshilfe für den ORF zu überzeugen? „Da ist in der medialen Berichterstattung ein Konnex hergestellt worden“, sagt Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) der „Presse“ am Dienstag, „aber ich habe das immer getrennt von dem, was ich zu verantworten habe, nämlich rechtliche Rahmenbedingungen auszuverhandeln, die den ORF retten. Darum habe ich gekämpft.“ Nachdem die SPÖ das Feststehen dieser Rahmenbedingungen verkündet hatte, hieß es bei der ÖVP auf Nachfrage der „Presse“, ob Grasl nun Finanzdirektor werde, selbstbewusst: „Davon ist auszugehen.“

Bis Montagnacht war dieser Posten von Sissy Mayerhoffer besetzt, um 23.52 Uhr kam die ORF-Aussendung: „Mayerhoffer zur Leiterin ,Humanitarian Broadcasting‘ bestellt – Neuausschreibung der Funktion ,Kaufmännische/r Direktor/in‘ erfolgt.“ Bis 15. Dezember können Interessenten sich bewerben, die über die Besetzung entscheidende Sitzung findet am 17. Dezember statt.

 

Bedingungen für 160 Mio. Staatshilfe

Warum wurde der Personalwechsel so plötzlich nötig? „Sissy Mayerhoffer will sich beruflich verändern“, sagt ORF-Kommunikationschef Pius Strobl der „Presse“. Als Chefin des „Humanitarian Broadcasting“ betreut sie künftig u.a. „Licht ins Dunkel“ und „Rat auf Draht“; auch für die Barrierefreiheit der ORF-Angebote, die nun ebenfalls im Gesetz festgeschrieben werden sollen, wird Mayerhoffer verantwortlich sein.

Auch dafür erhält der ORF die 160 Mio. Euro. Weitere Bedingungen: Weiterzahlung der Filmförderung (5,9 Mio. Euro/Jahr), Erhalt des Radio-Symphonieorchesters (beides soll im Gesetz festgehalten werden), Umbau von TW1 zu einem Info- und Kulturkanal und Steigerung des Anteils österreichischer Produktionen (Budget derzeit: 80 Mio. Euro/Jahr). Werbeeinschränkungen sieht das neue Gesetz nur online vor, was die Privatsender aufregt. Bei redaktionellen Inhalten könnte es für das ORF-Onlinemagazin „Futurezone“ eng werden: Während dem von der EU vorgeschriebene Public-Value-Test in TV und Radio nur neue Sendungen zu unterziehen sind, müssen im Internet auch Angebotskonzepte für bestehende Rubriken gelegt werden. Mit der „Futurezone“ könnte der ORF unerlaubt privaten Medien Konkurrenz machen. Darüber entscheidet künftig eine neue, weisungsfreie Medienbehörde, für die die Koalition noch die Zustimmung einer Oppositionspartei braucht.

Völlig unangetastet blieben hingegen die beiden ORF-Gremien, Stiftungs- und Publikumsrat (zum Teil im Frühling per Fax von den Gebührenzahlern zu wählen): Der Rechnungshof und Räte selbst hatten eine Änderung der beiden je 35-köpfigen Gremien gefordert. Ostermayer: „Wir wollten einen neuen, kleineren Aufsichtsrat machen und den Stiftungsrat zur Eigentümerversammlung. Aber es gab Widerstand von der Opposition, weil die befürchtete, dann weniger Stimmgewicht zu haben.“ Verkleinert wird hingegen die ORF-Direktion: Ab der nächsten Geschäftsführungsperiode soll es maximal vier Direktoren geben (derzeit sechs). Und bis zum Erreichen einer Frauenquote von 45 Prozent im ORF sollen gleichqualifizierte Frauen ihren männlichen Konkurrenten vorgezogen werden.

VP-Vizekanzler Josef Pröll sagte am Dienstag, dass die 160 Millionen Euro (als Refundierung für gebührenbefreite Haushalte) nur dann fließen würden, wenn man die Sparziele erreiche. Ob bzw. wann wieder eine Gebührenerhöhung ansteht, will derzeit niemand vorhersagen; sie hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, so Ostermayer. Die Staatshilfe von 160 Mio. Euro ende 2013– mit der Legislaturperiode: „Bei den Koalitionsverhandlungen ist das dann wohl wieder ein Thema.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2009)

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15 Kommentare
BananaJoe
19.11.2009 10:44
0 0

Packelei

Da hats der Onkel Erwin anscheinend wieder gerichtet. Irgendwie zum Kotzen diese ganze Protegiererei :-(
In der medianet vom Dienstag ist ein spannendes Interview mit dem Wrabetz. Seine Anworten hören sich zwar auch sehr nach Phrasendrescherei an, aber zwischen den Zeilen hört man heraus, dass er auch nur ein Getretener ist.

Gast: sirnicha
19.11.2009 04:44
0 0

wien - nur du allein

vielleicht sollten wir wien vom übrigen österreich abtrennen, geben ihnen vielleicht noch kärnten als zugabe, welches gerade mit irrsinnsstempo finanziell in in die mauer kracht, und lassen die politiker unter sich ausmachen, was sie sich wünschen. dann bauen wir eine mauer um wien, damit sich ja keine dieser vollkoffer in unser österreich flüchten kann...

Gast: blabla
18.11.2009 10:40
0 0

um das geld der gebuehrenzahler und steuerzahler ist uns nix zu teuer

besonders nicht um einen einfluss beim orf zu gewinnen. mit dem geld kann man wieder weiterhin einen haufen orf-ler mit golden handshake in die fruehpension schicken und das als erfolgsgeschichte verkaufen.

wieso schreibt man eigentlich nicht den bildungsfunk aus und verteilt das geld an die bestbieter?

aquilo
18.11.2009 09:37
0 0

Gnadenlose Frechheit!

Was man sich alles als Leistungsträger gefallen lassen muß, geht auf keine Kuhheut mehr.

Unter dem Deckmantel Kultur wird man zum Zahlen gewzungen - und kein Poiltiker und kein Journalist wird rot vor Scham. Das einzige was bemängelt wird, ist die politische Korrektheit. Daher muß ich auch schreiben keine Politikerin und keine Journalistin wird rot vor Scham.

Wenn diese Unsummen von Geld, die in diesem Privilegienschlund verschwinden, für Schule und Universität ausgegeben werden, dann, bin ich überzeugt, ist ungleich mehr für Bildung getan worden!

Gebildete Menschen brauchen nämlich keinen ORF!

raeter
18.11.2009 08:19
1 0

Ist das gerecht?

Wenn vom Steuerzahler eine Struktur mit hochbezahlten Mitarbeitern künstlich am Leben gehalten wird. Dieser Privilegienstadel wird von Menschen bezahlt, die oft nur einen Bruchteil der Gehälter dieser Leute bezieht. Wie wäre es, wenn die Sozis auch in diesem Fall die Gerechtigkeitsfrage stellen würden.

Gast: Klartexter
18.11.2009 07:48
2 0

LOL, ganz schön abgewirtschaftet, unser Medienalbanien!


- Der Staatsfunk konkursreif und nur noch mit Finanzspritzen überlebensfähig.
- Die staatliche Zwangssozialversicherung konkursreif und nur noch mit Finanzspritzen überlebensfähig.
- Die ÖBB konkursreif und nur noch mit staatlichen Finanzspritzen überlebensfähig.
- Die Hälfte der Banken konkursreif und nur noch mit staatlichen Finanzhilfen überlebensfähig.
- Die AUA konkursreif und nur noch mit staatlichen Finanzhilfen verkaufbar.
- Das Land Kärnten konkursreif.
- Wann wird der Bund selbst konkursreif?

Antworten raeter
18.11.2009 08:20
1 0

Re: LOL, ganz schön abgewirtschaftet, unser Medienalbanien!

Hoffentlich bald! Nur dann sind Reformen in diesem Lande möglich.

2 0

Wer die Strasser E-mails kennt...

..erwartet man eigentlich gar nichts anderes, als dass solche Job¿s ausgepakelt werden. Drum nennt man solche "Arrangements" auch "Paket-Lösungen"

Fast wäre man geneigt zu sagen "echt grosskaoltionär". Aber Strasser und die Blauen haben haben dieses traditionelle Wiener Politik-Brauchtum ebenso hingebungsvoll gepflegt wie alle Regierungen vor Ihnen.

Dennoch. Ein bisschen erstaunt ist mancher denn doch über die Chuzpe mit der Stan & Ollie die Futtertröge unter ihren Günstlingen aufteilen. Mehr und mehr Leute werfen gelegentlich einen Blick über die Grenze und stellen fest, dass die Wiener Politik-Medien-Korruption etwas ziemlich Unverschämtes ist.

Und noch eines. Dass ein Finanzminister mithilfe von Boulevard-Medien einen Praktikanten sucht, offenbar um ihn in dieses Politikverständnis einzuweihen, kann auch nur jemanden einfallen, der in unserem Medien-Klima schwimmt wie ein Fisch im Wasser.

Das hat echtes Kanzlerformat - in Wien; und nur dort.

2 0

Fast hätt ich die Grünen vergessen..

..aber der grüne ORF-Presse-Sprecher zeigt wie es läuft, wenn auch sie einmal zu den Futtertrögen kommen sollten.

Wien bleibt Wien

Gast: joh03
17.11.2009 21:30
2 0

Wie in einer Diktatur !!!

Auf Wunsch von LH Pröll wird Grasl Fianzdirektor, ohne noch dass die Ausschreibung draußen ist.
Ja, sagt einmal Leute, sind jetzt schon alle wahnsinnig ??? Leben wir bereits in einer Diktatur mit dem Titel: Ich wünsche, ihr spielt ????
Es wird Zeit, dass wir in Österreich dieses Kaperltheater vom Bauern als Millionär beenden, denn wo das hinführt( Siehe NÖ-Wahlwerbung: In 10 Jahren sind wir unter den Top Ten in Europa ! --Derzeit auf Platz 118 und weiter nach unten schlitternd ), sehen wir langsam, wo die vielgelobte Wirtschaft an den Baum fährt. Und da machen wir munter weiter, denn scheinbar gibt es nichts mehr zu verlieren .
Grasl mag zwar ein lieber Mensch sein, hat aber von der Praxis-Wirtschaft in der harten Werbebranche Null bis Wenig Ahnung. Da gibt es dazu nur mehr einen Weg : ORF abschaffen ! Zwangsbeiträge in einer Diktatur zahlen ist mir zuviel !!!

citoyen
17.11.2009 20:56
0 0

Gottlob gibt es Astra!

Der ORF soll doch weiter seine Mauscheleien treiben, unter strikter Befolgung der Aufträge aus den Parteizentralen.

Das Programm wird immer schlechter, die Informationssendungen sind links-grün-feminisitisch.

Seis drum, es gibt ja noch die unzähligen Programme auf Astra!

Antworten Gast: peymann
18.11.2009 07:35
2 0

Re: Gottlob gibt es Astra!

wie recht sie haben! der orf muss zer-
schlagen werden, er gehört entpolitisiert und privatisiert, dann hätte der albtraum ein ende.

Antworten ahha
18.11.2009 06:21
2 0

Re: Gottlob gibt es Astra!

... das stimmt natürlich, nur beahlen wir diesen Schrott mit gutem Geld ...

Gast: Niki
17.11.2009 20:01
1 0

unsere Proporzparteien SPÖVP

sehen den ORF als ihr Eigentum. Um diesen Unfug zu finanzieren fordern sie von den Bürgern Zwangsgebühren. Wer SPÖVP wählt ist damit einverstanden und prolongiert diese Farce!

Antworten cernerl
18.11.2009 11:26
0 0

Re: unsere Proporzparteien SPÖVP

Ich kann mich aber auch nicht erinnern, dass in Zeit von FPÖVP oder später BZÖVP etwas anders gewesen wäre

   

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