Hubert Feichtlbauer – der Tod eines katholischen Propheten

Einer der profiliertesten publizistischen Köpfe Österreichs ist 85jährig verstorben. Ob Feichtlbauer Chefredakteur von Kurier, Wochenpresse und Furche, Pressesprecher der Bundeswirtschaftskammer oder Club 2-Moderator war – immer verstand er sich als Katholik. Wenn es sein musste (und das musste es öfter) als streitbarer.

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APA/GEORG HOCHMUTH

"Wenn wir wirklich glauben, was wir glauben, dann ist die Konsequenz Hoffnung, auch in dieser Lebenslage." Zwei Monate vor seinem Tod hat Hubert Feichtlbauer, von seiner Krebserkrankung geschwächt, sein letztes Interview gegeben. Hoffnung war Zeit seines Lebens eines der Schlüsselworte des gebürtigen Oberösterreichers, der am Samstag Abend 85-jährig im Kreis seiner Familie verstorben ist.

Hubert Feichtlbauer hat sich als katholischer Publizist verstanden, mit all der ihm eigenen geistigen Kraft, Wortgewalt und Leidenschaft, bei allem was er tat. Und das war sehr viel. Feichtlbauer, einer der ersten Fulbright-Stipendiaten, die nach dem Krieg in den USA studieren konnten, war Chefredakteur der heute längst eingestellten "Wochenpresse" (1970-1973), des "Kurier" (1973-1975) und der katholischen Wochenzeitung "Die Furche" (1978-1984). 

Kein Ja und Amen

Katholisch-Sein hat für Feichtlbauer nicht bedeutet, zu allem Ja und Amen zu sagen, was in seiner Kirche so vor sich ging. Im Gegenteil: Der vielfach Ausgezeichnete - Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis, Concordia-Preis, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst l. Klasse, Alfred-Dallinger-Medaille in Gold - verstand sich als Wachrüttler, Mahner und Bewahrer der Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils. Gerade in Zeiten, da Österreichs katholische Kirche von schweren Krisen in den 1980er und 1990er Jahren gebeutelt war und er dem Verband katholischer Publizisten vorstand (1979-1991). Römische Bischofsernennungen und Vorwürfe sexueller Übergriffe durch den späteren Kardinal Hans Hermann Groer führten zu Zerwürfnissen in der katholischen Kirche und einer gefährlichen Kluft zwischen Basis und Hierarchie.

Gegen Trägheit

Eine Folge war das Kirchenvolks-Begehren mit zahlreichen Forderungen nach Reformen, das Feichtlbauer publizistisch mit seinem im Jahr 1995 verfassten Buch "Der Aufstand der Lämmer" begleitete. Später, 1998-2002 war er sogar Sprecher der Plattform "Wir sind Kirche", die das Kirchenvolksbegehren initiiert hatte. Er wandte sich "gegen Christenträgheit, geweihten oder ungeweihten Charakters". Seinen Enkelkinder wünschte er, sie sollten sich einmal einer Kirche erfreuen, "für die sie sich nicht schämen müssen".

Die Hoffnung auf Erneuerung der katholischen Kirche hat sich in Feichtlbauers letzten Lebensjahren durch die Wahl von Papst Franziskus und dessen Initiativen erfüllt. Zumindest teilweise. Denn (Selbst)Zufriedenheit ist für Katholiken keine Kategorie. Für Hubert Feichtlbauer, den katholischen Propheten, war sie es jedenfalls Zeit seines Lebens nicht.

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