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Dichands Erbe: Machtkampf um die "Krone"

18.06.2010 | 19:17 |  ROSEMARIE SCHWAIGER UND ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

In der Frage der Nachfolgerschaft wird Sohn Christoph als Herausgeber gehandelt, Hans Mahr als Chefredakteur. WAZ-Chef Christian Nienhaus im Gespräch mit der "Presse": "Wir würden Dichand-Anteil kaufen."

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WIEN. Der Termin war lange geplant und wurde auch nicht mehr abgesagt. Am Donnerstagabend trafen sich Mitglieder des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Journalisten und Politiker zum traditionellen Heurigen in Grinzing. Am Vormittag war mit Hans Gasser, dem Vorstandsvorsitzenden der Wirtschaftsblatt AG, ein neuer VÖZ-Präsident gewählt worden. Doch das Gesprächsthema des Abends war natürlich ein anderes: der Tod von Hans Dichand.

Vor allem die Frage, wie es bei der „Kronen Zeitung“ nun weitergehen wird, beschäftigte die Medienexperten. Stichhaltige Informationen gab es wenige Stunden nach dem Ableben des „Krone“-Chefs noch nicht. Doch in einem Punkt waren sich die Heurigenbesucher einig: Ein neuer Boss in der Muthgasse könnte nicht nur Österreichs größte Tageszeitung verändern, sondern auch das Land. Nicht wenige rechnen in nächster Zeit mit einem „Chaos in der ,Krone‘“.

Fast drei Millionen Leser und eine Druckauflage von annähernd einer Million machen die „Kronen Zeitung“ zum einsamen Goliath unter den österreichischen Printmedien. Sicher ist, dass ein neuer Chef nicht mehr die alleinige Macht im „Krone“-Hochhaus im 19. Wiener Gemeindebezirk übernehmen wird, wie sie Dichand als alleinvertretungsberechtigter Hauptgeschäftsführer hatte. „Das war ein großer Mann, der Großes geschaffen und Großes geleistet hat“, würdigt WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus Dichand im Gespräch mit der „Presse“. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) ist zu 50Prozent an der „Krone“ beteiligt, die zweite Hälfte gehörte Dichand.

 

Künftig Parität in der Geschäftsführung

Für die Zeit nach Dichand sieht der Gesellschaftervertrag deutlich mehr Mitsprache für den Miteigentümer vor. Künftig herrscht in der Geschäftsführung der „Krone“ Parität: Wolfgang Altermann wurde von Dichand eingesetzt, seit einigen Wochen ist auch der lang verwaist gewesene Posten des von der WAZ bestellten Geschäftsführers wieder besetzt: Axel Kroll vertritt die WAZ-Interessen in der größten österreichischen Tageszeitung. Ob der 68-jährige Altermann auch nach Dichands Tod Geschäftsführer bleiben will (er ist nur auf Wunsch seines Freundes und Weggefährten nicht in Pension gegangen), ist Teil der Spekulationen über die Pläne der Familie Dichand.

Bei der Zeitung stehen wichtige unternehmerische Entscheidungen an. Der Jahresgewinn ging zuletzt auf 13 Millionen Euro zurück, das Eigenkapital sank von 41 auf fünfzehn Prozent. Der WAZ missfiel das sehr. Aus einem so starken Produkt müsse eigentlich mehr herauszuholen sein, finden die Deutschen.

Auch in der Mediaprint, einer gemeinsamen Verlagsgesellschaft von „Krone“ und „Kurier“ (siehe Grafik) waren die Zeiten früher besser. Das Geschäftsjahr 2008/09 endete mit einem operativen Verlust von 6,5 Millionen Euro – nach einem Gewinn von über zehn Millionen im Jahr davor. Die WAZ überlegte zuletzt, ihren Anteil an der „Krone“ zu verkaufen. Einen potenziellen Käufer gab es auch schon: die Raiffeisen-Gruppe, bereits Mehrheitseigentümer des „Kurier“. Doch eine Angebotsfrist verstrich zu Pfingsten ungenützt.

Jetzt könnte es zu spät sein. Denn die WAZ will nicht mehr verkaufen, sondern – falls die Dichands damit einverstanden sind – ihre Beteiligung sogar aufstocken, wie Nienhaus bestätigt: „Wir streben eine langfristige Partnerschaft mit der Familie Dichand an. Insbesondere zu den kolportierten Preisen würden wir eher kaufen als verkaufen.“ Die Familie Dichand hatte dem Vernehmen nach 130 bis 160 Millionen Euro für den Hälfte-Anteil der WAZ angeboten – das war der WAZ zu wenig, sie würde aber gern für diesen Preis die Dichand-Anteile übernehmen, „um die ,Krone‘ in eine gute Zukunft zu führen“, wie Nienhaus sagt.

Sollte die Mediaprint aufgelöst werden, könnte in der Branche noch einiges mehr in Bewegung kommen. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group, erklärte am Freitag sein grundsätzliches Interesse an einem Einstieg beim „Kurier“. Dieser sei „immer eine interessante Überlegung“, sagte Pirker. „Zurzeit stellt sich diese Frage aber noch nicht, weil die Mediaprint ja noch intakt ist.“

 

Weniger Geld für Dichands

Auch ohne Aufstockung der Anteile könnte die WAZ bald größter Einzelgesellschafter der „Kronen Zeitung“ sein. Noch ist nicht klar, wie Dichand sein Erbe geregelt hat. Falls es kein Testament gibt, erbt Ehefrau Helga ein Drittel der „Krone“, die gemeinsamen Kinder Michael, Johanna und Christoph die restlichen zwei Drittel. Die Verteilung der Anteile würde dann so aussehen: WAZ: 50Prozent, Helga Dichand: 16,66, die Kinder je 11,11Prozent.

Die WAZ profitiert außerdem davon, dass mit Dichands Tod dessen vertraglich fixierter Vorabgewinn der Vergangenheit angehört. Während der Zeitungszar zuletzt über neun Millionen Euro im Jahr vom „Krone“-Ergebnis abschöpfen durfte und erst der Rest halbe-halbe zwischen den beiden Eigentümern aufgeteilt wurde, erhalten die Erben „nur“ noch die Hälfte der bisherigen Ausschüttung fix.

Bleibt die Frage, welchen Part Dichands Sohn Christoph und dessen Frau Eva künftig spielen sollen. Dichand junior ist von seinem Vater gegen den Willen der WAZ als Chefredakteur der „Kronen Zeitung“ installiert worden. „Es könnte möglicherweise angeraten sein, dass wir wieder einen geschäftsführenden Chefredakteur benennen, weil es Hans Dichand als journalistische Integrationsfigur der ,Krone‘ nicht mehr gibt“, kündigt Nienhaus an. Christoph Dichand wird unterdessen Interesse an der Herausgeberschaft nachgesagt.

(c) Die Presse / HR

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Chefredakteur Hans Mahr?

Chancen auf einen Top-Job an der Spitze der „Krone“ könnte Hans Mahr (61) haben, ehemaliger Politik-Chef des Blattes, später Chefredakteur des deutschen Privatsenders RTL und derzeit Vorstand beim Pay-TV-Sender Premiere. Mahr reiste nach der Todesnachricht sofort nach Wien, um – wie er im Fernsehen sagte – „ein bisschen mitzutrauern“. An eine Rückkehr zur „Krone“ denke er nicht, so Mahr. „Das Management und die Familie werden dafür sorgen, dass die ,Krone‘ groß und stark bleibt.“ Das Vorschlagsrecht für den „Krone“-Chefredakteur liegt auch nach Dichands Tod bei der Familie.

Eva Dichand ist derzeit Herausgeberin der Gratiszeitung „Heute“, die offiziell einer Privatstiftung gehört. Eine finanzielle Verflechtung mit der Familie ihres Mannes hat sie stets in Abrede gestellt. Eva Dichand könnte, heißt es, im Zuge einer Umgestaltung Verlagsmanagerin in der Mediaprint werden. Dort bräuchte man noch einen Geschäftsführer, der auch für das Anzeigengeschäft zuständig ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2010)

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208 Kommentare
 
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Gast: Dejavu
19.06.2010 16:59
0 1

Die Krone sollte in der Hand von seinen Sohn bleiben! keine WAZ!!!!

Da sieht man wieder das die Deutschen gleich aufs Geld aus sind Ich finde die Anteile sollten in dr Familie bleiben so es beim Vater war ;-)

Herzliches Beileid!!!!

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Wahnsinn was der Alte abgechasht hat!

700.000 Euro pro Monat!

Gut, habe ich die Zeitung immer nur am Sonntag gelesen! hehe

Antworten Gast: maria gast
19.06.2010 17:15
2 0

Re: Wahnsinn was der Alte abgechasht hat!

Nicht vergessen

Das und noch mehr haben ihm die vielen kleinen ungebildeten Leute bezahlt!

Dafür wurden sie periodisch aufgehetzt und auch immer wieder falsch informiert.

Antworten Gast: switcher
19.06.2010 17:12
0 0

Re: Wahnsinn was der Alte abgechasht hat!

Gut, dass da wenigstens die meisten Leute die Sonntagskrone "gratis" genommen haben.

Antworten Gast: Nortsch
19.06.2010 16:29
0 0

Re: Wahnsinn was der Alte abgechasht hat!

...na da bin ich aber froh, das nicht mitfinanziert zu haben. (Naja ca. 5 Exemplare habe ich in 40 Jahren gekauft).

Gast: u2
19.06.2010 12:47
0 0

herliche dramatisch, das alles

richtiger Stoff für Gesellschaftsschriftsteller
vom alten Schlag wie Graham Greene. Welche
Charaktere und Szenen es doch da gibt.
Ein Videoclip mit der Zithermusik und Szenen des
"Dritten Mann" passt da unerwartet gut
dazu, die perfekte Inspiration:
http://www.youtube.com/watch?v=lZZHq2JSnnE

Gast: gast
19.06.2010 12:29
1 1

Das Volk will gratis Bildung für alle!

Schafft die Kronenzeitung ab!

geh mit Gott Hans Dichand!

aber bitte geh!!!!!!!!!!

die Zeitungen sind voll

vom Tode Dichands. Vergessen sind die Grauslichkeiten die man der Krone an den Kopf geworfen hat.
Anscheinend ist ein toter Dichand ein guter Dichand.
Ein Hetzer und Hasser, ein Manipulierer im übelsten Sinne, das war er der Herr Dichand!

Gast: GAST
19.06.2010 09:50
2 1

SO EINE SCHANDE!

der verstorbene ist noch nicht einmal unter der erde, ja noch nicht einmal richtig ausgekühlt, und schon warten die aasgeier mit einer der menschenünwürdigsten sache überhaupt - leichenflederei.

habt sich schon mal jemand in die lage der hinterbliebenen versetzt? haben diese aasgeier keine eigene familie, damit sie sich vorstellen können, wie toll das für die dichand-familie sein muss, neben begräbnis-vorbereitungen und dem schmerz auch schon profitgierigen a.....löchern öffentlich streiten zu müssen.

wir sind mittlerweile wirklich schon sehr weit gekommen auf dieser welt. wenn ich die erben wäre, ich würde sein gesamtes erbe an arme VERSCHENKEN aber sicher nicht an profitgierige leichenfleder verkaufen oder ähnliches. solche leute sollte auch nie ihren fuss über die krone-türe tun, sonst könnte sein, dass man sie wieder rauswirft.

echt zum kotzen sowas, obwohl ich wirklich kein dichand-fan bin...

Antworten Gast: gast
19.06.2010 12:56
1 1

Re: SO EINE SCHANDE!

der onkel hans hat sich zu lebzeiten einen dreck um die gefühle anderer geschert. so what?

Antworten Gast: Thersites
19.06.2010 10:21
1 0

Re: SO EINE SCHANDE!

Jawohl, die „Krone" an die Armen verschenken. Eine grandiose Idee.

Gast: Arbeiter
19.06.2010 06:27
1 2

Nur nicht Raiffeisen

Die Raiffeisen-Mafia wäre die schlechteste Lösung für uns alle! Diese "Bauern-Mafia" hat schon überall ihre Hände im Spiel. Sie hat in allen Landesregierungen und natürlich auch im Parlament, ihre politischen Vertreter! Das beste Beispiel ist der Pröll-Clan!

Gast: Niederösterreicher
19.06.2010 01:31
0 0

Bodo Hombach von der WAZ war Intimus von SPD-Schröder.

Auch in Dtl. ist es üblich, daß die Chefredakteure in den Medien nach dem Grundsatz "cuius regio, eius religio" mit eigenen Parteigängern besetzt werden. Deshalb mußte ja auch der eher bürgerliche Brandstätter seinen Chefredakteursposten anläßlich des Eigentümerwechsels beim NTV räumen.

Wenn also die (linke) WAZ ihren Einfluß auf die "Krone" verstärkt, wird sich das auch auf die Blattlinie dieser Zeitung auswirken und sich der linke Einfluß auf die Medien (einschl. ORF) entgegen dem Wählertrend noch weiter verstärken...

Antworten Gast: Nicht-Niederösterreicher
19.06.2010 10:50
1 1

Re: Bodo Hombach von der WAZ war Intimus von SPD-Schröder.

Liebes Niederösterreicherl,

1) ist die WAZ ein Wirtschaftsunternehmen und egal welche Freunde sie wo haben zählt für sie (so wie für jedes andere Wirtschaftsunternehmen) der Profit. Das kann man gut oder schlecht finden, aber ihnen zu unterstellen, dass sie ein politisches Interesse verfolgen ist einfach nur lächerlich.

2) Wer den Schröder als Linken bezeichnet (Hartz IV, Einführung von Rating-Agenturen in D,...) ist sowieso nicht mehr zurechnungsfähig.

Gast: Ein Fremder
19.06.2010 01:27
0 1

Er soll in Frieden ruhen

Er ist uns nur voraus gegangen, auch Wir werden eines Tages diese Strecke in eine "Medienlose" schönere Welt der Ewigkeit fliegen!
http://www.youtube.com/watch?v=6V9Z5K9Pkuc&feature=related

Re: Er soll in Frieden ruhen

Muss eine verdammt langweilige welt sein, wo man nicht mehr sterben kann!
Übrigens Sie fliegen vielleicht ich fahre mit meinem motorrad dort hin!!!

Antworten Antworten Gast: Der Nerv
19.06.2010 17:46
0 0

Re: Re: Er soll in Frieden ruhen

haben Sie es schon repariert und s`Handerl ist auch wieder gut?
Aber lassen sie sich damit Zeit, solche Menschen wie Sie brauchen wir hier auf dieser Welt;-))
Ein Tipp von mir - Wenn Sie gerne Motorrad fahren, nehmen sie einmal die Fähre nach La Gomera, dieses Erlebniss werden Sie nie vergessen - nur ein guter Tipp, aber ich möchte mich nicht in Ihr Privatleben einmischen!

Man meint immer man müsse älter werden um klüger zu sein doch im grunde genommen hat man mit zunehmenden alter doch damit zu tun so klug zu bleiben als man schon gewesen ist...

Sehr aufmerksam, respekt - oberflächlichkeit kann man Ihnen nicht unterstellen!

Rahmen getauscht hat etwas länger gedauert wegen der seriennummer.
Kahnbein verheilt und hausstrecke schon wieder entjungfert.
Fazit: Das ding geht!!!

Ps: Danke für den Tipp, mal sehen ob er sich realisieren lässt, da jetzt wieder arbeiten angesagt ist nach dem "monster" krankenstand.

Gast: Gast
19.06.2010 01:20
2 1

Lebe Wohl!

Wenigstens hatte der noch Eier in seiner Hose!
Ganz im Gegensatz zu denen, die sich heute "Journalisten" nennen!

Re: Lebe Wohl!

Nachdem ich mir etwa 40ig kommentare durchgelesen habe, muss ich feststellen, dass ihres noch mit abstand das beste ist!
Schließe mich übrigens Ihrer aussage an!

Gast: Gast200
18.06.2010 23:06
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Gast2010

HANS MAHR...

.... wollte nur anmerken, dass Hans Mahr nicht mehr bei Sky tätig ist sondern im Im Aufsichtsrat der neuen Aktiengesellschaft Channel 21 Holding sitzt. Zudem berät er RTL immer noch in Sportrechte-Fragen.

Gast: Gast200
18.06.2010 22:59
0 0

Gast2010

HANS MAHR...

.... wollte nur anmerken, dass Hans Mahr nicht mehr bei Sky tätig ist sondern im Im Aufsichtsrat der neuen Aktiengesellschaft Channel 21 Holding sitzt. Zudem berät er RTL immer noch in Sportrechte-Fragen.

Gast: heute1
18.06.2010 22:37
0 1

Erbschaftssteuer

Ich hatte mich gewundert, wieso vor ein paar Jahren - für mich aus heiterem Himmel - die Erbschaftssteuer abgeschafft wurde. Nun habe ich eine Vermutung.

Lassen Sie mich ein Mal raten

Die SPÖ wollte einem, der ihnen durch peinliche Unterstützung ("die Viecher würden Feygmann wählen") unzählige Wahlen gewonnen hat, etwas zurück geben?

Antworten Antworten Gast: gast
19.06.2010 13:56
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Re: Lassen Sie mich Mal raten

knapp daneben.

erbschaftsteuer abschaffen war doch eine aktion von schwarz-blau/orange, oder?

 
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