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Lindner: "Ohne politische Rückendeckung geht nichts"

09.05.2011 | 18:11 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Rund um die ORF-Wahl ranken sich traditionell die schönsten Gerüchte. Neueste: Ex-ORF-Generalin Lindner sei im ORF-Wahlkampfteam der ÖVP mit an Bord, um gegen ihren einstigen Widersacher Wrabetz Wind zu machen.

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Im Scherz hört man hinter vorgehaltener Hand: „Das ist die Vendetta der Monika Lindner.“ Rache? An wem und wofür? An Alexander Wrabetz, der in ihrer Zeit als ORF-Chefin (2002 bis 2006) kaufmännischer ORF-Direktor war und der Lindner, deren Wiederwahl als fix galt, 2006 in einem Überraschungscoup entthronte. Sie leitet heute die Epamedia (Raiffeisen) – und werkt angeblich im Stillen als Teil eines bürgerlichen Wahlkampfteams, dessen wichtigste Aufgabe ist, Wrabetz' Wiederwahl zu verhindern.

Stimmt nicht, kontert Lindner auf Nachfrage der „Presse“: „Ich bin ja weder ein Parteimitglied der ÖVP noch plane ich irgendetwas. Ich verfolge das Ganze staunend – mit wachsendem Interesse.“ Geäußert habe sie sich zur ORF-Wahl aber schon: „Ich weiß gar nicht, wo. Ich wollte nur sagen: Es ist nicht so, dass es keine Kandidaten gäbe. Es gibt Leute, die gut sind – es traut sich nur keiner aufzuzeigen, weil jeder weiß, ohne politische Rückendeckung geht es nicht.“ Genannt hat sie ihren ehemaligen Chefstrategen Reinhard Scolik, der ihrer Meinung nach „natürlich ein guter Generaldirektor“ wäre. Aber: „Ich kann mich ja für niemanden einsetzen. Ich bin weder im Stiftungsrat noch habe ich sonst Möglichkeiten.“

Der ÖVP bleiben im nach wie vor machtpolitischen Spiel um den ORF zwei Möglichkeiten: Entweder sie entscheidet sich doch für Wrabetz – im Tausch gegen ORF-Posten für bürgerliche Kandidaten. Oder sie verweigert ihm die Unterstützung – dann braucht sie einen eigenen Kandidaten, um das Feld nicht kampflos zu räumen.

Dass die Hoffnungen der Bürgerlichen just auf dem ehemaligen SPÖ-Kanzlersekretär und heutigen Chef der RTL-Group, Gerhard Zeiler, ruhen, dürfte darin begründet sein, dass man ihm als einzigem zutraut, die geschlossenen SPÖ-Reihen (pro Wrabetz) im Stiftungsrat ins Wanken zu bringen. Ein, zwei Stimmen aus den Reihen der roten Ländervertreter wären für Zeiler möglich, heißt es. Bürgermeister Michael Häupl hat sich am Sonntag im „Kurier“ hingegen festgelegt: Wrabetz sei „der einzige reale Kandidat mit Fachwissen und Erfahrung“ und könne mit der Stimme Wiens rechnen.

 

ÖVP mit Zeiler, Grabner, Scolik, Prantner?

Für den Fall, dass Zeiler bleibt, was er ist (wofür er etwa das Zehnfache von dem verdient, was er beim ORF bekommen würde), werden neben Scolik (der dem Vernehmen nach nicht gegen Wrabetz antreten will) folgende bürgerliche Kandidaten genannt: Zeitungsmanager Michael Grabner (der sich bisher dazu ablehnend geäußert hat) – und ORF-Online-Direktor Thomas Prantner. Er darf trotz guter Zahlen in einer Ära Wrabetz II nicht mit einem Direktorenposten rechnen und wäre bereit, gegen den amtierenden General in den Ring zu steigen.

Einzig fix ist bis dato damit die Kandidatur von Wrabetz. Der hat nicht nur einen Auftritt vor dem Stiftungsrat am Donnerstag, sondern soll am Freitag – wie Prantner – vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien als Zeuge aussagen. In einem Prozess, den Walter Meischberger in der E-Mail-Affäre gegen „Österreich“ angestrengt hat: Meischberger soll Wrabetz per Mail an versprochene Gegenleistungen für die Unterstützung bei der ORF-Wahl 2006 erinnert haben. „Österreich“ behauptete, Meischberger habe in einem Mail vom ORF „teils unter Berufung auf Karl-Heinz Grasser zwei Millionen Euro gefordert“. Wrabetz bestreitet, Zusagen gemacht zu haben – man habe auch nichts umgesetzt. Im Verfahren geht es nun darum, ob „Österreich“ eine Gegendarstellung Meischbergers veröffentlichen muss.

Im Stiftungsrat am Donnerstag wird das Thema jedenfalls aufgegriffen: ÖVP-„Freundeskreis“-Leiter Franz Medwenitsch fordert eine Arbeitsgruppe für „Corporate Governance“. Darin soll geklärt werden, ob Stiftungsräte im ORF Karriere bzw. mit dem Öffentlich-Rechtlichen Geschäfte machen dürfen. Die Arbeitsgruppe gab es schon einmal – ihre Arbeit verlief allerdings im Sand...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2011)

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7 Kommentare
Gast: Plach2
10.05.2011 14:51
0 0

Seit dem Krieg versorgen SPÖ+ÖVP ihre Parteigünstlinge

mit hochbezahlten Posten.

Im Proporz werden auch die Posten beim ORF besetzt und dann redet man beim ORF etwas von "Unabhängigkeit???

Damit das alles noch nmöglichst lange so weiter geht werden immer wieder die Zwangsgebühren erhöht.

Gast: Fernseher
10.05.2011 10:50
0 0

Na dann ...

kann ja nix schiefgehen! Hauptsache die Politik mischt mit. Sind ja Profis für eh alles ...

Wo leben wir eigentlich?!?!?

Gast: gast:sirnicha
10.05.2011 09:50
0 0

plakatkleberin

kann sie vielleicht das auch nicht? naja, dann reicht das sicher für den orf, nicht wahr?

übrigens für die rotfunkposter: die zib um 22.00 uhr war in den letzten monaten zu über 80% in den mündern der övp politiker...

was ist nun der orf? schwarz-blau-rot und einige sonstige farbspritzer.

Gast: gerechtiker
09.05.2011 23:16
3 0

ORF

an diesen ganzen debatten sieht man, wie objektiv, neutral der ORF ist in österreich.

als leitmedium österreich.

widerlichstes parteigezerre wie überall.

korruptes, parteienverseuchtes österreich!

pfui teufel!

weg mit den zwangsgebühren!!!!!!

"...ohne politische Rückendeckung geht es nicht.“"

Politischer coitus a tergo sozusagen.

Gast: UKW
09.05.2011 20:26
3 1

Einfach nur mehr ekelhaft

Ich bin mitlerweile sogar dafür den gesamten ORF an die SPÖ-Parteizentrale zu verschenken (mitsamt den Pensionsprivilegien), wenn das Volk im Gegenzug von den Zwangsgebühren entbunden werden würde. Davon hätten wirklich alle etwas:

Über die Ausrichtung des Rotfunks gäbe es keine Zweifel mehr.

Die Bürger bräuchten keine Zwangsgebühren mehr entrichten und auch kein Steuergeld mehr verwenden.

Die Schwarzen hatten auch schon bisher nichts zu melden im ORF und werden es auch künftig nicht haben. Als Feigenblattposten könnten man ihnen wie bisher irgeneinen Aufsichtratsvizeposten bei TW1 zuschanzen.

Das gegenseitige Schulterklopfen der Rotgrünen bräuchte nicht mehr durch lässtige Weeerbung unterbrochen werden.

Der Geschäftsführer der SPÖ bekäme massive Finanzierungsprobleme für die Partei, weil Rückstellungen für die üppigen Zusatzpensionen der Küniglberg-Genossen gebildet werden müssten. Der Sozialismus würde sich selbst in die Luft sprengen.

Re: Einfach nur mehr ekelhaft

leider, TW1 ist schon Raiffeisen