Karin Resetarits-Kraml: Die Kämpferin

Die 49-jährige möchte ORF-Chefin werden. Das scheitert aber bereits an einer Bestimmung im ORF-Gesetz. Noch will sie nicht aufgeben. Sogar ein Führungsteam hat sie sich schon zusammengestellt – für den Fall der Fälle.

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Karin Resetarits-Kraml – (c) Teresa Zötl

Sie war die Allererste. Die Erste, die erklärte, sie wolle als Chefin ins ORF-Zentrum auf den Küniglberg zurückkehren. Schon Mitte Februar und in der Frauenzeitschrift „Woman“ erklärte die ehemalige ORF-Moderatorin und EU-Parlamentarierin Karin Resetarits, die seit ihrer zweiten Ehe den Doppelnamen „Resetarits-Kraml“ trägt, sie werde für das Amt des ORF-Generaldirektors kandidieren.

Seither ist es erstaunlich ruhig um sie geblieben. Es gab kurz nach ihrer überraschenden Bekanntgabe kaum Reaktionen von Politik oder ORF, es gab nur minimales Medieninteresse und nicht einmal die üblichen Unkenrufe von notorischen Zuwortmeldern in ORF-Dingen. Die Sache war klar: Karin Resetarits war keine ernstzunehmende Kandidatin – weil ohne Managementerfahrung und vor allem: ohne politischen Auftrag. Resetarits aber ließ sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. „Ich habe viele Leute getroffen, die maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind, wer der nächste Generaldirektor wird.“ Stiftungsräte und Politiker also. Die Treffen seien alle von ihr ausgegangen: „Mir war bewusst, dass man bei so einer Kandidatur sehr proaktiv sein muss und nicht zu Hause darauf warten darf, bis sich jemand meldet.“


Schnell loswerden. Auch sonst war die 49-jährige fünffache Mutter, die schon vor Längerem ihr Lokal „Marx Restauration“ in St. Marx aufgegeben hat (womit sie in der Standortfrage nicht befangen wäre; sie wünscht sich aber ohnehin, dass der ORF auf dem Küniglberg bleibt), nicht untätig, hat etwa an ihrem Konzept gefeilt, das sie am 9.August vor dem Stiftungsrat präsentieren will.

Dabei ist unklar, ob sie so weit kommt. Eine gesetzliche Bestimmung könnte ihr das verbieten. Seit der Novellierung des ORF-Gesetzes 2010 sind gemäß §26 auch ehemalige Europaparlamentarier vom Amt des Generaldirektors ausgeschlossen. Das für Resetarits besonders Skurrile an dieser Bestimmung ist: Sie darf sich bewerben, zum Hearing kommen, ja sie könnte sogar von den Räten ernannt werden, dürfte dann aber nicht das Amt antreten. In der letzten Sitzung des Stiftungsrates Ende Juni wurde der Vorschlag diskutiert, Personen, die gesetzlich nicht zugelassen sind, von vornherein vom Hearing auszuschließen, um Zeit zu sparen. Und obwohl das Gremium unabhängige Gutachten zur Lösung der Rechtsfrage in Auftrag gegeben hat, sieht es nicht gut aus für Resetarits. „Dieser Paragraf bietet die Möglichkeit, mich in der ersten Kurve loszuwerden“, sagt sie. Als der Stiftungsrat Ende Juni den Posten des Generaldirektors ausschrieb und darin explizit erwähnte, man würde sich vor allem über die Bewerbungen von Frauen freuen, erschien ihr das wie eine Farce.

Aber Resetarits gibt noch nicht auf. „Ich trete an“, sagt sie, und ihre Stimme wird dabei ganz laut. Die Ex-Moderatorin („Treffpunkt Kultur“, „Absolut Resetarits“) ist gewohnt, mit ihren plötzlichen Berufswechseln aufzufallen. Vom Fernsehstudio folgte sie 2005 Hans-Peter Martin ins Europaparlament, nach nur einem Jahr wechselte sie im Alleingang zu den Liberalen, dazwischen und nebenbei führte sie ihr Lokal in St.Marx. Bei der letzten EU-Wahl 2009 kandidierte sie nicht mehr selbst. Gerade deshalb versteht sie nicht, warum das Gesetz ihr den Zugang zum ORF-Chefsessel verwehrt. „Ich habe mich damals entschieden, in meinen Beruf – das TV-Geschäft – zurückzukehren und wusste nichts davon, dass ich ein Jahr später wegen meiner Vergangenheit als Europaparlamentarierin ausgeschlossen werde. Ich denke, dieser Ausschluss ist rückwirkend rechtlich nicht möglich.“ Diesen Passus will sie, wenn nötig, rechtlich bekämpfen. Auch, weil sie den Sinn des Ausschlusses von allen EU-Abgeordneten nicht versteht.


Zwei Frauen im Team. Sogar ein Führungsteam hat sie sich schon zusammengestellt – für den Fall der Fälle. Ihr Direktorium würde nur aus drei, nicht vier Führungskräften bestehen – „und zwei davon wären Frauen“.

Obwohl sie sich „unabhängige Kandidatin“ nennt, hat sie von Anfang an auch mit Parteien gesprochen. Ihr ähnlich chancenloser Kollege Christian Wehrschütz, der erst im Juni mit seiner Kandidatur nachzog, hatte den Kontakt mit Politikern von Anfang an ausgeschlossen: „Ich finde das ein bisschen naiv“, sagt Resetarits. „Weil: Wem gehört der öffentlich-rechtliche Rundfunk? Den Gebührenzahlern. Und wer vertritt die? Die Politik. Natürlich muss man mit ihnen reden, sonst braucht man sich gar nicht erst bewerben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2011)

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