Was Wrabetz vorhat: Mehr Werbung und mehr Gebühren

Der Generaldirektor präsentierte sein Zukunftskonzept für den ORF. Er wünscht sich eine Haushaltsabgabe statt Gebühren und mehr Eigenproduktionen.

Wrabetz vorhat Mehr Werbung
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(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Die erste Hürde ist geschafft: In der Nacht auf Freitag endete die Bewerbungsfrist für den Posten des ORF-Generaldirektors. Ernsthafte Konkurrenz für den amtierenden Direktor Alexander Wrabetz ist nicht auszumachen. Die weiteren Bewerber gelten als chancenlos. Beworben haben sich die frühere EU-Abgeordnete Karin Resetarits-Kraml, ORF-Balkankorrespondent Christian Wehrschütz, Lebenshilfebuch-Autor Manfred Greisinger, Rene Hager, Aktionskünstler Dario Lindes und Martin Roger Müller.

Mehr Werbung, mehr Gebühren

Freitagmittag lud Wrabetz Journalisten zu einem Pressegespräch ins ORF-Zentrum auf den Küniglberg, wo er die Eckpunkte seiner abgegebenen Bewerbung skizzierte, die er in einem 115 Seiten starken Bewerbungskonzept zusammengefasst hat.

Wrabetz wünscht sich eine Ausdehnung der Werbezeiten, Lockerung von Werbebeschränkungen, Steigerung der Programmentgelte, vollständige und dauerhafte Gebührenrefundierung, "um die vielen Projekte, die von uns erwartet werden, als Rundfunk der Gesellschaft erfüllen zu können".

Haushaltsabgabe statt TV/Radio-Gebühr?

Finanziell erwartet sich Wrabetz eine Steigerung der Programmentgelte. Dauerhaft dürfte ihm eine Haushaltsabgabe vorschweben, wie sie 2013 in Deutschland eingeführt wird. Allerdings will er zunächst die Entwicklung und die Erfahrungen des Nachbarlandes abwarten und dann sehen, "ob es ein Modell gibt, das in Österreich passend ist".

Die Gebührenbefreiungen will Wrabetz "unbefristet und vollständig refundiert bekommen" und gibt sich zuversichtlich, dass er dies bei der Politik auch durchsetzen wird. Gebühren sollen wie bisher "nach Notwendigkeit" an die Inflation angepasst werden, reale Erhöhungen sollen nicht kommen.

"Ich bin gut darin, ORF-Themen so anzusprechen, dass sie auf politischer Ebene dann auch umgesetzt werden", gab sich Wrabetz selbstbewusst. Gestärkt werden müsse der ORF auch im personellen Bereich. Bis Mitte 2012 müsse der laufende Personalabbau abgeschlossen sein, dann müsse man wieder "neue Leute an das Unternehmen heranführen und binden". Wo diese bis 2016 benötigt und eingesetzt werden und wo es Umstrukturierungen geben muss, will Wrabetz in einem detaillierten Personalentwicklungskonzept erarbeiten.

Grasl und Amon sind fix

Was die Geschäftsführungsebene im ORF angeht, so will Wrabetz künftig mit jeweils einem Direktor für den Kaufmännischen Bereich, das Fernsehen, Radio und Technik auskommen. Komplett wegfallen soll somit der Posten des Online-Direktors. Statt eines Informationsdirektors und eines Programmdirektors soll es künftig einen TV-Direktor geben.

Fest stehen für Wrabetz die Namen Richard Grasl und Karl Amon. Was die zwei anderen Direktoren angeht, will er die Ausschreibung abwarten - "dann wird man sehen, wen ich vorschlage". Das dürften dann wohl Personen seines Vertrauens sein, denn was Wrabetz aus seiner laufenden Amtszeit gelernt hat und besser machen will, ist: "Wenn man darauf kommt, dass man sich in der Geschäftsführung nicht so gut versteht, dann würde ich schneller agieren."

Kein Direktor für Online

Hinsichtlich sogenannter Channel Manager hielt sich Wrabetz bedeckt. Es werde unter der Ebene des TV-Direktors "eine stärkere Produktverantwortung für ORF eins und ORF 2 geben", die konkrete Ausgestaltung werde er gemeinsam mit dem oder der neuen Direktorin vornehmen. Die Online-Agenden, die bisher zum Teil in einer eigenen Direktion angesiedelt waren, sollen, wie bisher operativ in der Tochtergesellschaft ORF Online und Teletext GmbH stattfinden und weiters soll es entweder in der Generaldirektion oder in einer der anderen Direktionen eine Stabsstelle für strategische Weiterentwicklung geben.

Für das Fernsehen erwartet sich Wrabetz nicht nur eine Ausdehnung der Werbezeiten - eine Größenordnung nannte er nicht - , etwa um das Projekt Frühstücksinformation zu finanzieren, sondern auch insgesamt einen "größeren Anteil am Werbekuchen". Daran will er gemeinsam mit anderen TV-Anbietern arbeiten.

Abgeschafft gehört in den Augen des ORF-Chefs der vor allem von den Betriebsräten bekämpfte Paragraf 31 im ORF-Gesetz, der unter anderem Pro-Kopf-Einsparungen vorschreibt und für dessen Streichung der ORF-Chef ebenfalls auf politischer Ebene werben will. Auslagerungen werde es, wie von den Belegschaftsvertretern oft befürchtet, unter ihm nicht geben, betont Wrabetz - auch nicht in der Technik.

Medienmagazin und Geschichte

Auch inhaltlich schlägt Wrabetz in seinem Konzept, in das übrigens "sehr viele Ideen von Mitarbeitern des Hauses" eingeflossen sind, zahlreiche neue Projekte vor. Konzentrieren will er sich dabei vor allem auf Eigenproduktionen, sowohl im Bereich von Film als auch bei Serien.

Endlich auf den Schirm kommen soll das seit langem kursierende Medien-TV-Magazin, das sich mit neuen Medien-Trends aber auch selbstreflektorisch mit dem ORF auseinandersetzen soll. Weiters plant Wrabetz diverse Dokumentationsleisten. So will er bis 2015 die "gesamte Geschichte des 20. Jahrhunderts aufgearbeitet haben". Ab 2012 werden daher Dokureihen über die 50er, 60er und 70er die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft beleuchten.

Dass er sich mit seinen Forderungen vor allem in Reihen der bürgerlichen Stiftungsräte keine Freunde machen könnte, glaubt Wrabetz nicht. Auch unter diesen werde es einige geben, "die einen starken ORF unterstützen werden".

Medwenitsch: "Kein gutes Signal"

Franz Medwenitsch, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises", ist enttäuscht von den Kandidaten: "Sehr wenige Bewerbungen, darunter eine lustige, eine, die leider am Gesetz scheitert (jene von Resetarits-Kraml, Anm.), einige Unbekannte, einige Bekannte und eben Wrabetz. Für das österreichische Leitmedium hätte ich mir mehr Interesse erwartet und erhofft. Kein gutes Signal."

> Die Bewerbung von Alexander Wrabetz als PDF

> Das Konzept von Wrabetz als PDF - Teil 1 (82 Seiten)

> Das Konzept von Wrabetz als PDF - Teil 2 (33 Seiten)

(Red.)

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