Was Wrabetz vorhat: Mehr Werbung und mehr Gebühren

29.07.2011 | 14:58 |   (DiePresse.com)

Der Generaldirektor präsentierte sein Zukunftskonzept für den ORF. Er wünscht sich eine Haushaltsabgabe statt Gebühren und mehr Eigenproduktionen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die erste Hürde ist geschafft: In der Nacht auf Freitag endete die Bewerbungsfrist für den Posten des ORF-Generaldirektors. Ernsthafte Konkurrenz für den amtierenden Direktor Alexander Wrabetz ist nicht auszumachen. Die weiteren Bewerber gelten als chancenlos. Beworben haben sich die frühere EU-Abgeordnete Karin Resetarits-Kraml, ORF-Balkankorrespondent Christian Wehrschütz, Lebenshilfebuch-Autor Manfred Greisinger, Rene Hager, Aktionskünstler Dario Lindes und Martin Roger Müller.

Mehr zum Thema:

Mehr Werbung, mehr Gebühren

Freitagmittag lud Wrabetz Journalisten zu einem Pressegespräch ins ORF-Zentrum auf den Küniglberg, wo er die Eckpunkte seiner abgegebenen Bewerbung skizzierte, die er in einem 115 Seiten starken Bewerbungskonzept zusammengefasst hat.

Wrabetz wünscht sich eine Ausdehnung der Werbezeiten, Lockerung von Werbebeschränkungen, Steigerung der Programmentgelte, vollständige und dauerhafte Gebührenrefundierung, "um die vielen Projekte, die von uns erwartet werden, als Rundfunk der Gesellschaft erfüllen zu können".

Haushaltsabgabe statt TV/Radio-Gebühr?

Finanziell erwartet sich Wrabetz eine Steigerung der Programmentgelte. Dauerhaft dürfte ihm eine Haushaltsabgabe vorschweben, wie sie 2013 in Deutschland eingeführt wird. Allerdings will er zunächst die Entwicklung und die Erfahrungen des Nachbarlandes abwarten und dann sehen, "ob es ein Modell gibt, das in Österreich passend ist".

Die Gebührenbefreiungen will Wrabetz "unbefristet und vollständig refundiert bekommen" und gibt sich zuversichtlich, dass er dies bei der Politik auch durchsetzen wird. Gebühren sollen wie bisher "nach Notwendigkeit" an die Inflation angepasst werden, reale Erhöhungen sollen nicht kommen.

"Ich bin gut darin, ORF-Themen so anzusprechen, dass sie auf politischer Ebene dann auch umgesetzt werden", gab sich Wrabetz selbstbewusst. Gestärkt werden müsse der ORF auch im personellen Bereich. Bis Mitte 2012 müsse der laufende Personalabbau abgeschlossen sein, dann müsse man wieder "neue Leute an das Unternehmen heranführen und binden". Wo diese bis 2016 benötigt und eingesetzt werden und wo es Umstrukturierungen geben muss, will Wrabetz in einem detaillierten Personalentwicklungskonzept erarbeiten.

Grasl und Amon sind fix

Was die Geschäftsführungsebene im ORF angeht, so will Wrabetz künftig mit jeweils einem Direktor für den Kaufmännischen Bereich, das Fernsehen, Radio und Technik auskommen. Komplett wegfallen soll somit der Posten des Online-Direktors. Statt eines Informationsdirektors und eines Programmdirektors soll es künftig einen TV-Direktor geben.

Fest stehen für Wrabetz die Namen Richard Grasl und Karl Amon. Was die zwei anderen Direktoren angeht, will er die Ausschreibung abwarten - "dann wird man sehen, wen ich vorschlage". Das dürften dann wohl Personen seines Vertrauens sein, denn was Wrabetz aus seiner laufenden Amtszeit gelernt hat und besser machen will, ist: "Wenn man darauf kommt, dass man sich in der Geschäftsführung nicht so gut versteht, dann würde ich schneller agieren."

Kein Direktor für Online

Hinsichtlich sogenannter Channel Manager hielt sich Wrabetz bedeckt. Es werde unter der Ebene des TV-Direktors "eine stärkere Produktverantwortung für ORF eins und ORF 2 geben", die konkrete Ausgestaltung werde er gemeinsam mit dem oder der neuen Direktorin vornehmen. Die Online-Agenden, die bisher zum Teil in einer eigenen Direktion angesiedelt waren, sollen, wie bisher operativ in der Tochtergesellschaft ORF Online und Teletext GmbH stattfinden und weiters soll es entweder in der Generaldirektion oder in einer der anderen Direktionen eine Stabsstelle für strategische Weiterentwicklung geben.

Für das Fernsehen erwartet sich Wrabetz nicht nur eine Ausdehnung der Werbezeiten - eine Größenordnung nannte er nicht - , etwa um das Projekt Frühstücksinformation zu finanzieren, sondern auch insgesamt einen "größeren Anteil am Werbekuchen". Daran will er gemeinsam mit anderen TV-Anbietern arbeiten.

Abgeschafft gehört in den Augen des ORF-Chefs der vor allem von den Betriebsräten bekämpfte Paragraf 31 im ORF-Gesetz, der unter anderem Pro-Kopf-Einsparungen vorschreibt und für dessen Streichung der ORF-Chef ebenfalls auf politischer Ebene werben will. Auslagerungen werde es, wie von den Belegschaftsvertretern oft befürchtet, unter ihm nicht geben, betont Wrabetz - auch nicht in der Technik.

Medienmagazin und Geschichte

Auch inhaltlich schlägt Wrabetz in seinem Konzept, in das übrigens "sehr viele Ideen von Mitarbeitern des Hauses" eingeflossen sind, zahlreiche neue Projekte vor. Konzentrieren will er sich dabei vor allem auf Eigenproduktionen, sowohl im Bereich von Film als auch bei Serien.

Endlich auf den Schirm kommen soll das seit langem kursierende Medien-TV-Magazin, das sich mit neuen Medien-Trends aber auch selbstreflektorisch mit dem ORF auseinandersetzen soll. Weiters plant Wrabetz diverse Dokumentationsleisten. So will er bis 2015 die "gesamte Geschichte des 20. Jahrhunderts aufgearbeitet haben". Ab 2012 werden daher Dokureihen über die 50er, 60er und 70er die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft beleuchten.

Dass er sich mit seinen Forderungen vor allem in Reihen der bürgerlichen Stiftungsräte keine Freunde machen könnte, glaubt Wrabetz nicht. Auch unter diesen werde es einige geben, "die einen starken ORF unterstützen werden".

Medwenitsch: "Kein gutes Signal"

Franz Medwenitsch, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises", ist enttäuscht von den Kandidaten: "Sehr wenige Bewerbungen, darunter eine lustige, eine, die leider am Gesetz scheitert (jene von Resetarits-Kraml, Anm.), einige Unbekannte, einige Bekannte und eben Wrabetz. Für das österreichische Leitmedium hätte ich mir mehr Interesse erwartet und erhofft. Kein gutes Signal."

> Die Bewerbung von Alexander Wrabetz als PDF

> Das Konzept von Wrabetz als PDF - Teil 1 (82 Seiten)

> Das Konzept von Wrabetz als PDF - Teil 2 (33 Seiten)

(Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

134 Kommentare
 
12 3 4

Nein zum ORF

ja zu parteiunabhängigen Medien

Gast: gute nacht
31.07.2011 11:20
3

der Orf Fördert

der Orf ist eine gute Einrichtung.
Er fördert das Lesen.
Er motiviert uns zum Kinogehen
laßt uns im Internet uns informieren
läßt uns gerne am abend ausgehen
Unterhaltung mit Freunden suchen
Sport machen statt schauen
das frühe Schlafengehen
....
alles das ist nur möglich weil der ORF
absichtlich ein SCHLECHTES Fernsehprogramm
macht.
Danke ORF
DANKE Wrabetz
Danke Hr. Fayman
danke SPÖ

Gast: werbistdu
31.07.2011 00:19
1

Früher gab es den Komödienstadel

im Fernsehen.
Heute ist der ORF der reinste Komödienstadel, und der Wrabetz der Oberkomödiant, und Hans-Wurst.
Wenn ich den Schund aus ORF 1 konsumieren würde, müßte mir der ORF die Gebühren als Schmerzensgeld zurückzahlen.

Gast: Walter g
30.07.2011 16:46
4

Wrabetz ist nur ein Schwätzer,

denn das das ORF Proramm für die Fisch ist übersieht er. Mit seinen Hollywood Käse liefert er brav die Tantiemen ab und auch die EU übersieht er ,aber keiner regt sich auf.
Kadavergehorsamer USAvertreter.

Antworten Gast: sowiesoundüerhaupt
30.07.2011 19:35
0

Re: Wrabetz ist nur ein Schwätzer,

Sicherlich , "USAvertreter" ... Männer mit seinen Leistungsmerkmalen und dem Sinn für Innovation haben sie jenseits des Teichs noch nichtmal zugelassen. Dort war das Volk von Anfang an so schlau zu wissen das ein staatlich geführter Rundfunksender nur Mittel zum Zweck ist. Was unsere Informationspolitik betrifft kann man nur froh sein das es Amerika gibt, siehe z.B. auch das Internet. Würde man sich Medientechnisch immer noch auf Fortschritte aus Europa verlassen wären wir wohl immer noch in der Zeit von Gutenberg zuhause.

Wrabetz ist mit seiner planwirtschaftlichen Copy & Paste Politik allenfalls ein Synonym für die nicht vorhandene mediale und personelle Perestroika im ORF - ein Verhinderer mit millionemschwerem Budget aus dem er nix macht um Rudas & Co. Zucker einzublasen...

Gast: Traunsee
30.07.2011 15:35
2

Schwarzsehen

SPÖ Parteifunktionär wird ORF Chef und ruiniert Programm und wirtschaftlichen Erfolg. Ein verantwortungsvoller Eigentümer (der Bundeskanzler samt Regierung) müsste diesen Mann sofort seines Postens entheben. Da aber ZIB 1 und ZIB 2 inzwischen zu Belangsendungen der SPÖ verkommen sind darf er bleiben. Am wichtigsten ist noch immer was de Partei nützt, und nicht das, was gut für Österreich ist.
Also werde ich weiterhin KEINE Gebühren zahlen. Ich habe damals schließlich auch nie für die Arbeiter Zeitung gezahlt.

Die Zwangsgebühren sind absolut nicht einzusehen,

die angepeilte Haushaltsabgabe noch weniger. Wie komme ich dazu ORF Gebühren zu zahlen, wenn ich diesen Rotfunk gar nicht sehen will! Verschlüsselung, und wer ÖRF will soll bezahlen. Natürlich hat der ÖRF davor Angst, denn damit würden die ohnehin bereits niedrigen Quoten weiter in den Keller fallen.
Wrabetz möchte einfach nicht einsehen, dass ein gr. Teil der Österreicher den Parteifunk, samt der Indoktrinierung, ablehnt. Die Berichterstattung des ÖRF ist zu einer rotgrünen Meinungsdiktatur verkommen! ABMELDEN!

Antworten Gast: Jaja
08.08.2011 10:39
1

Re: Die Zwangsgebühren sind absolut nicht einzusehen,

Vollkommen richtig, dazu möchte ich noch hinzufügen:
Warum sollte ich eine Haushaltsabgabe bezahlen, wenn ich seit Jahren keinen Fernseher oder Radio zuhause habe?

Antworten Gast: gastenhuber
30.07.2011 17:58
1

Re: Die Zwangsgebühren sind absolut nicht einzusehen,

gut gesprochen, absolut richtig!

Der hat sein Handwerk in der verstaatlichten Industrie ..

... gerlernt und denkt seither, das Handaufhalten für öffentliche Unterstützungen ist ein Merkmal erfolgreichen Managements.

Gast: kinderlein
30.07.2011 13:17
12

Linke Fieberträume

Alexander Wrabetz fordert mehr Geld und mehr Werbezeiten für seine zweite Amtszeit.

Sowas nennt man gemeinhin Chutzpe.

Der ORF, dieser linxgrüne Propagandasender, will also mehr Geld (sprich: die ohnehin schon hohen Rundfunkgebühren sollen weiter hinaufgesetzt werden) und mehr Werbung (sprich: wir sollen noch mehr durch Werbung genervt werden, obwohl wir ja schon gezahlt haben).

Das kann sich sonst höchstens ein Propagandasender einer Diktatur vorstellen. Allen westlichen Medien sind derartige Fieberträume fremd.

Abschaffung des ORF!

Sollte ich jemals so ein programm.......

bei meiner agentur vorlegen - bin ich umgehend gefeuert..................

Das ist doch wohl das Letzte, oder?

Mehr Werbung
mehr Gebühren

weniger Programm
weniger Kreativität
weniger Information?

Muss es wirklich sein, dass Freitag Abend mit einer DOPPELFOLGE vom Frauenschläger Charlie Sheen vollgepflastert wird?

Muss es wirklich sein, dass die interessanten Berichterstattungen, die wenigstens einen Hauch Bildung in sich tragen, erst ab 22:00 Uhr ausgestrahlt werden?

Muss es wirklich sein, dass der Chefposten beim Staatsfernsehen politisch besetzt wird?

Muss es wirklich sein, dass dabei nicht auf Qualität (Kompetenz), sondern aufs Parteibuch geachtet wird?

Langsam aber sicher kommt mir das K O T Z E N in diesem Land!

Gast: das mädchen aus dem song
30.07.2011 12:40
0

Mehr Werbung und mehr Gebühren

kühn !
man muss bei gebührenfreien sendern die werbung "aushalten", aber dafür heben diese auch keine gebühren ein !

der ORF wird mit steuergeld subventioniert, spielt - was die qualität angeht - in der untersten liga mit und hebt ohnehin schon enorme gebühren ein !
die geplante zwangsverpflichtung, sich eine neue ORF-sim-karte kaufen zu müssen, ist ein guter zeitpunkt, diesem sender endgültig adieu zu sagen und die zahlungen einzustellen !


bildungsauftrag!!!

Wo und wie melde ich mich von diesem Verblödungsverein ab?

Gast: Wrabetzovic
30.07.2011 12:02
11

Ich trete an!

Mein Programm für den dann ehemaligen Rotfunk:

1.) Sofortiger Privatisierung von ORF 1, ORF 2 zu einem vollständig österreichischen Sender ohne Werbung machen, keine Konkurrenz mit Privatfernsehen auf Gebührenzahlers Kosten fahren.

2.) Sofortige Durchforstung des Personals auf überbezahlte Müßiggänger, Reduzierung des Personalstandes um 50%

3.) Durchforstung des Personalstandes auf Verwandtschaft und Verschwägerung --> Kompetenztest und ggf. Beförderungsstop oder Kündigung.

4.) Sofortige Eliminierung von ideologisch durchgefärbten Redakteuren (Löw, Moschitz,...) aus dem Informationsbereich --> können bei Universum weiterarbeiten

5.) Direkte oder getarnte Meinungsäußerungen zu politischen Themen unter dem Deckmantel der Information führen über eine Verwarnung zur Suspendierung --> können beim Musikantenstadel weiterarbeiten

6.) Kontakt zu Parteisekretariaten und ähnlichem --> fristlose Entlassung.

7.) Kostenstruktur durch Personalabbau massiv senken

Wer wählt mich?

"Sofortige Eliminierung von ideologisch durchgefärbten Redakteuren"

Die Sprache des norw. Mörders ...

Re: "Sofortige Eliminierung von ideologisch durchgefärbten Redakteuren"

Er sprach deutsch?

Antworten Antworten Gast: check
30.07.2011 15:17
1

Die Sprache des norw. Mörders ...

DAS ist die Sprache des norw. Mörders!

Re: Ich trete an!

Die, die da zu entscheiden haben, leider nicht. Dann würden sie ja ihr Propaganda Kommunikationstool verlieren...

Re: Ich trete an!

ich, und hoffentlich viele andere!!!

Gast: qaywsx
30.07.2011 12:01
2

"Zeit für Gerechtigkeit"

den orf braucht kein mensch ich sage nein danke.

na, das ist mal

ein konzept, hut ab! zum glück sehe ich nicht mehr fern...

Gast: Bürger01
30.07.2011 11:37
1

kein alternativloser Versager .....

Es wird Zeit , das sich der ORF reformiert -
ein Striptease der Gehälter , der Betriebsräte , der Parteienstatthalter , usw... einfach ein ORF neu , der selbsterhaltungsfähig ist und trotzdem ein gutes Programm macht . Aber das geht ja nicht !

Von 0:00

bis 19:30 Uhr könnte man den ORF komplett abdrehen, denn alles was bis dahin geboten wird, dient einzig zur Verblödung der Massen und unterscheidet sich in keiner Weise von RTL oder ProSieben. Stumpfsinnige amerikanische Serien, Kinderprogramm bis mittags, dann Kochshows etc. entsprechen nicht dem sog. Bildungsauftrag, so wie ca. 95% der vom ORF gesendeten Programme.
Auch nach 19:30 ist der Großteil der zugekauften Sendungen auf oben genannten Niveau; bis auf vereinzelte Ausnahmen sind auch ORF-eigene Formate hochgradig ungenießbar und unnütz.
Für effektiv 1h gehaltvolles Fernsehen täglich zahlen Herr und Frau Österreicher jährlich wie viel Millionen???

Gast: Gast: Leser
30.07.2011 11:18
10

Gebühren

Das einzig gerechte System wäre es, wenn der ORF ganz einfach ein Bezahlsender wird: wer ihn sehen will, kauft sich einen Decoder und zahlt eine jährliche/monatliche Gebühr, wer nicht zahlt, kann ihn auch nicht empfangen. Das würde auch das (tatsächliche oder angebliche) Problem der "Schwarzseher" lösen. Dass der ORF dies aber nicht einmal andenken will, sondern im Gegenteil, sogar alle (auch die Nichtfernseher) zur Zahlung verpflichten will, zeigt wohl, wie unattraktiv er selbst wohl sein Programm einschätzt und daher jedwelche Konkurrenz mit anderen Sendern scheut.

 
12 3 4

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden