Wrabetz' Konzept: Die wichtigsten Eckpunkte

29.07.2011 | 17:09 |   (DiePresse.com)

Direktoren, Gebühren, Werbung und Landesstudios: Was Wrabetz verändern möchte und was bleiben soll, wie es ist.

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Der amtierende ORF-Generaldirektor und aussichtsreiche Wiederbewerber um diese Funktion, Alexander Wrabetz, hat am Freitag sein Konzept vorgelegt.In 115 Seiten hat er ein Konzept für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich dargelegt. Im Folgenden die Schwerpunkte:

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GESCHÄFTSAUFTEILUNG: Die ORF-Geschäftsführung besteht aus der Generaldirektion, der Fernsehdirektion, der Hörfunkdirektion, der Kaufmännischen Direktion, der Technischen Direktion sowie aus neun Landesdirektionen. Im Fernsehen sind Channelmanager angedacht, aber noch nicht fix: Deren Einführung "wird zu prüfen sein", heißt es. Die Online-Direktion fällt somit weg, die Programm- und die Informationsdirektion werden zur TV-Direktion zusammengelegt.

GEBÜHREN: Gebühren sollen wie bisher "nach Notwendigkeit" an die Inflation angepasst werden, reale Erhöhungen sollen nicht kommen. Wrabetz weist daneben "auf gesellschaftspolitisch bedenkliche Lücken" in der Erfassung hin. Abhilfe könnte etwa eine Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild schaffen. Auf eine vollständige unbefristete Gebührenrefundierung pocht Wrabetz weiter. Die bis 2013 befristete teilweise Gebührenrefundierung sei ein Etappensieg.

WERBUNG: Wrabetz will für einen höheren Werbeanteil im Fernsehen Lobbying betreiben, denn der Fernsehanteil von 23 Prozent am Werbekuchen sei mit Ausnahme Irlands "der kleinste Europas". Zeitliche Werbebeschränkungen im TV seien "zu überdenken". Im Onlinebereich will Wrabetz gegen inhaltliche und erlösseitige Beschränkungen der Werbung vorgehen.

FERNSEHFLOTTE: Wrabetz will die "Flottenstrategie auch im TV umsetzen". Soll heißen: Den "Flaggschiffen ORF eins und ORF 2" sollen "Beiboote" in Form der Spartensender ORF III, Sport Plus und 3sat beigestellt werden. Auch ein zweistündiges Programmfenster im deutschen öffentlich-rechtlichen "Kinderkanal" (Ki.Ka) soll kommen. ORF eins und ORF 2 sollen ein noch stärkeres Zielgruppenprofil erhalten

FERNSEHPROJEKTE: Die Informationsschiene in der Früh soll wie angekündigt ausgebaut werden. Ergebnisse einer eingesetzten Arbeitsgruppe sollen in den kommenden Monaten evaluiert werden. Der ORF will auch mit einem eigenen Medienmagazin in die Fachberichterstattung einsteigen - auch in eigener Sache. Auf ORF 2 soll eine mehrteilige Dokumentationsreihe über "Die Österreicher" eine Geschichte der heutigen Republik von Urzeit bis EU-Beitritt erzählen. Dazu kommt ein Zeitgeschichteschwerpunkt ("Die 2. Republik"), und eine Dokureihe namens "Themen der Zeit", die sich - von Klimawandel bis Finanzkrise - selbiger annehmen soll.

THEMENSCHWERPUNKTE: Wrabetz will die bisher über alle ORF-Mediengattungen gesetzten Themenschwerpunkte weiter fortsetzen, behandelt werden Nachhaltigkeit und Energiewende, Integration, Armut, Alter, Medienzukunft und der 100. Jahrestag des Beginn des Ersten Weltkrieges. Der ORF soll sich auch der Jugend annehmen und eine Plattform bieten, ein Schwerpunkt wird auch auf die Medienkompetenz von Kindern gelegt

ORF 2: Der zweite Hauptkanal soll bis 2012 ein neues Design erhalten.

RADIO: Das Aufrücken der Regionalradios zu Ö3 will Wrabetz korrigieren. Auch die Positionierung des Hitradios soll überdacht werden. Dieses sei in seiner Positionierung "etwas älter geworden".

ONLINE: Die Onlinedirektion wird gestrichen, die Agenden werden künftig in einer Stabsstelle gebündelt, die in der Generaldirektion oder in einer der anderen Direktionen angesiedelt werden soll. Eine mögliche Vermarktung der TVthek bleibt weiter Thema und soll evaluiert werden, sendungsbasierte Angebote sollen ausgebaut werden. Neue Erlösquellen im Bereich Smartphone- und Tablet-Applikationen werden angestrebt, "allerdings nur in Übereinstimmung oder in Kooperation mit den heimischen Printanbietern".

CROSS MEDIA: Die Zusammenarbeit über die Mediengattungen soll verstärkt werden. ORF eins soll wie bei "Song Contest" und "Die große Chance" weiter stark mit Ö3 kooperieren, ORF III zukünftig mit Ö1 und die Bundesländer mit ORF 2.

STANDORT: Verbleib am Küniglberg oder Absiedelung werden weiter überprüft. Fest stehe lediglich, dass damit "keinerlei Personal-Abbau-Maßnahmen verknüpft sind".

MARKTANTEILE: Entsprechend der zunehmenden Segmentierung in junge und ältere Seherschichten und der zunehmenden Verbreitung über Online-Kanäle will Wrabetz neue Benchmarks in der Publikumsmessung etablieren. Tagesmarktanteile seien "jedenfalls auf Dauer kein valider Parameter für die TV-Nutzung", heißt es dazu im Konzept. Hierzu sei eine Annäherung der TV-"Währung" an jene anderer Mediengattungen anzustreben.

TECHNIK: Der Tapeless-Workflow soll weiter ausgebaut werden. Auch der HD-Ausbau soll fortgeführt werden. 3D-Fernsehen behandelt man noch zurückhaltend. Eigene Produktionstechnik "ist derzeit kein Planungsszenario".

FILMFÖRDERUNG: Die strategische Partnerschaft mit dem österreichischen Film soll gepflegt werden und das Vergabevolumen von Filmförderungen "zumindest auf hohem Niveau gehalten werden, im Rahmen der Möglichkeiten sogar ausgebaut werden".

KORRESPONDENTEN: Das Korrespondentennetz des ORF soll nach der Eröffnung von Büros in Peking und Istanbul nach Möglichkeit ausgebaut werden. Neue denkbare Standorte sieht Wrabetz in Südamerika, Süd-/Zentralafrika oder Südostasien.

SPORTRECHTE: Große Sportereignisse für den ORF sind unter anderem die Olympischen Spiele (Verhandlungen 2014/2016 "vor dem Abschluss"), die Fußball-WM 2014, die Fußball-EM 2012 sowie die Formel 1 (2012-2016). Auch Europa-League-Rechte für die Saisonen 2012/2013 bis 2014/2015 hat der ORF erworben. Die Fußball-Bundesliga überträgt der ORF fix bis 2012/2013, die demnächst ausgeschriebenen Rechte des ÖSV für Ski Alpin und Nordisch haben "oberste Priorität".

EINSPARUNGSVORGABEN: Der Paragraf 31 des ORF-Gesetzes, der unter anderem Pro-Kopf-Einsparungsvorgaben enthält, soll weiter bekämpft werden.

PERSONALENTWICKLUNG: Ein Konzept für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter für freiwerdende Stellen soll erarbeitet werden. Der vom Gesetz vorgeschriebene Frauenanteil von 45 Prozent soll unter anderem anhand eines Gleichstellungsplans erfüllt werden.

LÄNDER: An den Landesstudios wird nicht gerüttelt. Sie seien "Garanten für gelebten Föderalismus im ORF und stellen regionale Identität sicher".

 

(APA)

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4 Kommentare

Wrabetz Eckpunkte

Zur Programmqualität gibt es da nichts zu lesen. Ist auch nicht notwendig, da genügt das Samstag Abend Fernsehprogramm:
ORF1 - 2 and 1/2 men zweimal, ORF 2 - Narrisches Feistritz; die letzten 5 Jahre. ("letzten" kann man interpretieren wie man will) Die angesprochenen Themenschwerpunkte kommen dann wahrscheinlich nach noch mehr Werbung frühestens um 23:00 Uhr so wie z.B. der Kulturmontag. Muss ja nieman arbeiten am nächsten Tag.

Gast: Zyprian
30.07.2011 01:54
1 0

zu teuer, zu viele Günstliche

Anhebung auf 45%-Frauenquote bedeutet doch nur, dass verschiedene Lager (Parteien, AK) noch viel mehr talentierte Töchter (analog zur Hymne) im ORF unterbringen können.

Millionen Zuseher dürfen dann blechen bis sie "Schwarz" oder "Blau" (jetzt ist Rot Trumpf) werden!

Wie wäre es mit einer neuen Sendung,...

..."Mitten im Fünfzehnten" z.B?

Gast: Kunigunde
29.07.2011 19:56
0 0

ORF - Wrabetz

Alles gut und schön, aber wesentlich wäre,
dass das Niveau drastisch angehoben wird - ob das auch ein ernsthaftes Vorhaben ist??? 45 Prozent-Frauenquote - so ein Schwachsinn,
die BESTEN sollen im ORF arbeiten, aber woher nehmen, das ist die Frage.


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