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Die Stiftungsräte haben keine Wahl

04.08.2011 | 18:25 |  ANNA-MARIA WALLNER UND ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Alexander Wrabetz bleibt einzig ernst zunehmender Kandidat für den ORF-Chefposten. Die ÖVP schickt keinen eigenen Kandidaten ins Rennen und überlegt noch, mit wie viel Stimmen sie den SPÖ-Mann unterstützt.

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Es wird eine ungewöhnlich kurze Sitzung für die Stiftungsräte am Dienstag werden. Seit Donnerstag steht fest, dass kein weiterer Kandidat für den ORF-Chefposten nachnominiert wurde. Von den insgesamt sieben Bewerbern werden gar nur zwei zum Hearing am 9. August zugelassen: Alexander Wrabetz und ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz. Die Abstimmung kurz darauf wird demnach eine reine Wiederbestellung des SPÖ-Favoriten Wrabetz. Manch ein Stiftungsrat macht bereits Scherze, was er mit dem freien Nachmittag am Dienstag anfangen werde.

Die ÖVP schickt also wie erwartet keinen eigenen Kandidaten ins Rennen. Wie ihre zwölf Stiftungsräte abstimmen werden, ist parteiintern noch immer nicht geklärt. Am Donnerstag hieß es, es werde zwar eine Zustimmung für Wrabetz geben, aber vermutlich nicht von allen VP-nahen Stiftungsräten. Das bürgerliche Lager ist gespalten: Zu den vehementen Wrabetz-Gegnern zählen Klubobmann Karlheinz Kopf, Freundeskreis-Chef Franz Medwenitsch und Stiftungsrat Franz Krainer. Parteichef Michael Spindelegger, Generalsekretär Hannes Rauch und einige Landeshauptleute sollen hingegen eher bereit sein, den Amtsinhaber zu unterstützen – allerdings nicht ohne eine angemessene Gegenleistung. Denn auch wenn Spindelegger noch vor einer Woche getönt hatte, es gäbe „keinen Deal“ mit der SPÖ, sieht es nun doch danach aus. Das Paket, das die ÖVP ausverhandelt hat, soll dem Vernehmen nach „sehr, sehr gut“ sein – und es wird wohl noch bis Dienstag an den Feinheiten gebastelt. Es soll nun vor allem um Posten auf der zweiten und dritten Führungsebene und Wrabetz' Forderungen nach mehr Geld und Werbezeiten gehen.

Einen Posten hat sich die ÖVP freilich von Anfang an gesichert: den des kaufmännischen Direktors Richard Grasl. Ein zweiter ÖVP-Direktor dürfte nicht dazukommen. An der TV-Direktion hat die Partei wenig Interesse. Zuletzt wurde Kathrin Zechner, Intendantin der Vereinigten Bühnen Wiens, für den Posten kolportiert. Sie winkte ab. Es gilt vielmehr als fix, dass sich Wrabetz eine Kandidatin aus dem Ausland suchen wird. Immer wieder genannt werden die WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff und die derzeitige EBU-Chefin Ingrid Deltendre. Letztere hat aber schon mehrfach abgewinkt.

 

Restliche Bewerbungen „enttäuschend“

So wenig ernst zu nehmende Kandidaten wie bei dieser ORF-Generalsbestellung gab es selten zuvor. Qualifizierte Bewerber, wie Gerhard Zeiler, wurden dank des vorhersehbaren Stimmverhaltens der SPÖ-Stiftungsräte von vornherein von einer Kandidatur abgehalten. „Das Interesse von Topmedienleuten am ORF ist praktisch auf dem Nullpunkt“, sagt Stiftungsrat Medwenitsch. Er könne qualifizierten Personen gar nicht raten, sich zu bewerben, weil sie ohnehin keine Chance hätten. „Ich sehe es nicht als Aufgabe der Parteien, als Headhunter für den ORF tätig zu werden“, sagt er.

Dass neben Wrabetz nur sein Mitarbeiter Christian Wehrschütz zum Hearing am Dienstag vorgelassen wird, liegt auch an dem niedrigen Niveau der restlichen Bewerbungen. Die seien mit Ausnahme der 115-Seiten-Arbeit von Wrabetz allesamt „enttäuschend“ gewesen, so ein Stiftungsrat. Wehrschütz wurde von ORF-Betriebsratschef Gerhard Moser und Caritas-Präsident Franz Küberl im Grunde nur deshalb eingeladen, weil es „peinlich gewesen wäre, wenn Wrabetz der Einzige wäre“, wie es heißt.

Auch am Konzept von Wrabetz wurde erneut Kritik geübt. Der Verband Österreichischer Privatsender meinte in einem offenen Brief an die Stiftungsräte, Wrabetz' Konzept „lasse daran zweifeln, dass er tatsächlich für diese Position geeignet“ sei. Sie appellierten an die Räte, bei dessen Wiederbestellung durch „geeignete Weisungen“ dafür Sorge zu tragen, dass künftig der Programmauftrag in allen ORF-Programmen eingehalten und „eine Kommerzialisierung der TVthek dauerhaft ausgeschlossen“ wird.

Gerüchte, Wehrschütz erhoffe sich durch seine Bewerbung einen Jobwechsel, dementiert dieser. Er habe bisher nicht mit Wrabetz gesprochen. Sein Vertrag in Belgrad laufe 2012 aus, natürlich werde er Gespräche führen, was er danach machen werde. „Das hätte ich aber auch getan, wenn ich nicht kandidiert hätte.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2011)

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14 Kommentare

Seit wann ist Wrabetz

ein ernst zu nehmender Kandidat?

Gast: krikri
05.08.2011 12:15
1 0

So wenig ernst zu nehmende Kandidaten wie bei dieser ORF-Generalsbestellung gab es selten zuvor. „Das Interesse von Topmedienleuten am ORF ist praktisch auf dem Nullpunkt“

das ganze ist nur eine farce damit man die ILLUSION einer wahl veranstaltet!!!

doch das ganze ist politisch geschoben bis zum dünndarm!!! die geben es wenigstens zu!!!

der ORF gehört privatisiert, weg mit der GIS, und her mit kompetenten medienleute die etwas von der materie verstehen!!!

KEINE FARBENLEHRE mehr!!!
(ein albtraum für unsere politiker!!!)

weg mit den vielen unnötigen posten und "frenderln". weg mit dem "Bildgungsauftrag", der sorgt nur für mehr durcheinander... die jugend kennt sich nicht mehr aus!!!!

Gast: 1. Parteiloser
05.08.2011 11:17
1 0

Demokratischer Standardprozess!

Beim ORF gab es ja schon immer freie Wahlen. Offen für alle Kandidaten und ein sehr faires Auswahlverfahren, welches den Notwendigkeiten und Wünschen der Bevölkerung auch entspricht. Das war auch so als die ÖVP nahen Chef durch diese exzellenten demokratischen Prozesse gekürt wurden.

Was aktuell beim ORF abgeht ist doch auch nicht viel anderes als auch im Parlament passiert. Da ist auch alles so frei und offen und alle Wahlberechtigten sind auch über das Abstimmungsthema und die Auswirkungen des Stimmverhaltens voll informiert. Ja, sogar die Wahlberechtigen sind etwas was vollkommen frei und demokratisch entstanden ist.

Bei solch freien Wahlen und den transparenten demokratischen Prozessen können wir Österreich doch sehr glücklich sein.

Wie die Autorin auf diese Aussage kommt ist doch gänzlich unverständlich "Widerstand in den eigenen Reihen wird nicht geduldet – auch jene SP-Stiftungsräte, die lieber Zeiler gewählt hätten, blieben stumm".

So etwas gibt es in einer Demokratie wie in Österreich doch niemals. Nicht von der SPÖ, nicht von der ÖVP, nicht FPÖ/FPÖ, das kann doch gar keiner der ethisch hochstehenden Parteien und deren hohen Repräsentanten unterstellt werden. Da ist doch unerhört!

Neben der Ironie, ich würde meinen, dass auch dieser Vorgang nicht anders ist als die Normalität in Österreich. Eine Normalität, welche auch als korrupt eingestuft werden kann, weil es ein grausiger Posterschacher ist. Das ist doch alles nur noch zum Kotzen!

Re: Demokratischer Standardprozess!/1. Parteiloser

Guter Kommentar, leider bittere Wahrheit. :o(( Das Wort "PosteRschacher" (ich weiß, dass etwas anderes gemeint ist) finde ich wirklich köstlich! ;o))

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Das Zentralkomitee der rotschwarzen Einheitspartei gibt bekannt

dass der verdiente Genosse Wrabetz in seiner Funktion als Propagandabeauftragter bestätigt wird.

Gast: der wiener
05.08.2011 09:55
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Trauerspiel

oder Absprache ohne Tonbandaufzeichnung?
- Staatsanwalt ?
wo is Er?

Gast: _hw_
05.08.2011 09:46
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diktatur

zustände wie in einer diktatur!

Gast: gerechtiker
05.08.2011 01:16
1 0

Freunderlwirtschaft

"unabhängig, objektiv, ausgewogen" braucht sich der parteienstadl ORF nicht nennen.

alles nur Farce.

der Proporz in Österreich ist schon unerträglich.

aber bei uns wird es als "Freunderlwirtschaft" verniedlicht.

in Italien ist man da ehrlicher, da sagt man gleich "mafiös" dazu.

Gast: Kundigunde
04.08.2011 22:35
3 0

Was ist los mit der ÖVP?

Die ÖVP nominiert keinen eigenen Bundespräsidentenkandidaten, sie ist nicht imstande einen kompetenten konservativen/liberalen
ORF-General auf die Beine zu stellen.
Liegt die ÖVP im Wachkoma? Was ist bloß aus dieser einstmals staatstragenden Partei geworden? Ein Jammer......


In einer ORF-"Information", deren Angestellte

bei Betriebsratswahlen zu 80 Prozent rot oder grün wählen, wäre auch ein schwarzer Generaldirektor nur eine Marionette. Die machen ohnehin, was ihre Parteien anschaffen.

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Re: Wie wahr !

Leider

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Stiftungsräte

sprich 35 Strohmänner bzw Quote.

Ein Affenzirkus made in Austria.

Gast: UKW
04.08.2011 19:47
4 0

Einfach bemittleidenswert, diese ÖVP

Einfach bemittleidenswert, diese ÖVP
Zuerst schickt die ÖVP das SPÖ-Mitglied Zeiler gegen das SPÖ-Mitglied Wrabetz ins Rennen - Und scheitert selbst damit grandios.

Dann beansprucht die ÖVP neben Grasl einen zweiten Frühstücksdirektor, der gegen den roten Generaldirektor und die rote Übermacht der ORF-Redakteure ohnehin nichts zu melden hätte - Und scheitert abermals fulminant.

Jetzt verlangt sie "eine politisch nicht zuordenbare Frau" - Hauptsache weiblich.

http://diepresse.com/home/kultur/medien/683422/ORFWahl_Weg-frei-fuer-Wrabetz?direct=683567&_vl_backlink=/home/kultur/medien/683567/index.do&selChannel=
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Ich nehme an, dass die SPÖ diesmal der ÖVP entgegenkommen dürfte und als Kompromiss zwar eine Frau vorschlagen wird, aber sie ist halt zufällig eine Rote. Die ÖVP wird danach wieder behaupten, dass sie sich durchgesetzt hat, und wenigstens die Frauenquoote heben konnte. Das kommt bei den konservativen ÖVP-Wählern immer gut an ...

Das Sahnehäubchen auf diese chaotische Medienpolitik ist aber ihr Parteichef, der die Ausstrahlung und das Charisma von einem Stück Holz hat. Mit Ausnahme, dass er ständig grinst.

Kann man unqualifizierter als Wrabetz sein?

Hat er seine absolute Unfähigkeit nicht schon längst bewiesen? Warum ist da jemand anderer untragbarer? Sollen sie einen Kanarienvogel oder einen Pavian wählen - es wäre noch immer besser als diesen Sozi Buchhalter.