ORF-Wahl: 29 Stimmen für den Politikflüsterer

Alexander Wrabetz wurde am Dienstag mit 29 von 35 Stimmen im Stiftungsrat wiederbestellt. Sechs Räte enthielten sich ihrer Stimme. Die ÖVP will Wrabetz damit "noch eine Chance" geben.

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Wrabetz – (c) EPA (ROLAND SCHLAGER)

Vier Stunden. So lange ließen sich die Stiftungsräte am Dienstag für das Zeit, was ohnehin erwartet wurde. Um 14.10Uhr stand das Abstimmungsergebnis fest: Mit 29 von 35 Stimmen wurde Alexander Wrabetz als Generaldirektor des ORF wiederbestellt. Sechs Räte enthielten sich ihrer Stimme, darunter fünf ÖVP-nahe Stiftungsräte und der Unabhängige Alexander Hartig. Mit den Enthaltungen wolle man, so Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-Freundeskreises, Wrabetz auffordern, „es künftig besser zu machen“.

Besser machen will es Wrabetz auch in seiner zweiten Amtszeit, die regulär bis Ende 2016 läuft. Obwohl er freilich schon jetzt sicher ist, dass er das Unternehmen zwei Jahre nach einer massiven Krise wieder auf Erfolgskurs gebracht hat. Was er bis 2016 erreichen will, sagte er Journalisten bei der anschließenden Pressekonferenz im ORF-Zentrum am Küniglberg: „Weiterhin die Nummer eins in TV, Radio und Online sein.“ Und dass die Information „bis dahin unbestritten unabhängig ist“. Er wisse natürlich, dass dies jetzt schon der Fall sei, ergänzte er.

Über das Telefonat mit SPÖ-Stiftungsrat Nikolaus Pelinka, das am vergangenen Wochenende für Aufregung gesorgt hatte, wollte er keine weiteren Auskünfte mehr erteilen. Auf Fragen zur Causa „Nikofon“ hatte er sich einen Stehsatz parat gelegt: „Ich stehe für Zurufe von Unzuständigen nicht zur Verfügung.“ Und der Stiftungsrat sei in Programmfragen jedenfalls unzuständig.

Auch Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp gab sich in der Pressekonferenz zugeknöpft: Zu Pelinka und der Frage, ob sie sich als burgenländische Landesdirektorin bewerben werde, wollte sie nichts sagen. Dafür betonte sie, wie „historisch und eindrucksvoll“ die Wiederbestellung von Wrabetz sei, „weil meines Wissens noch kein General mit einem derart hohen Votum ausgestattet wurde“.

 

Wrabetz mit „Vertrauensvorschuss“

Das Wort „Vertrauen“ war am Dienstag immer wieder zu hören gewesen. Wrabetz sah seine Wiederbestellung, die ihn „mit großer Freude“ erfülle, als „großes Vertrauensvotum“. Die ÖVP wiederum, die für die sieben „Ja“-Stimmen ihrer zwölf Stiftungsräte einige Personalwünsche erfüllt bekommen möchte, sprach von einem „Vertrauensvorschuss“, den man Wrabetz gegeben habe. Aus Sicht der ÖVP sei das ausverhandelte Personalpaket „sehr gut“. Der Partei sei wichtig gewesen, künftig „auf allen Ebenen“ im ORF Ansprechpartner zu haben, hörte man am Dienstag aus ihren Reihen. Konkret heißt das unter anderem: Es soll künftig eine ÖVP-nah besetzte Bundesländerkoordinationsstelle eingerichtet werden. Wer mit dieser Aufgabe betraut wird, steht allerdings noch nicht fest.

Gerhard Klein, Hauptabteilungsleiter für Wissenschaft und Religion, könnte als Gesamtkoordinator für die Magazine aufgewertet werden. Stefan Gehrer dürfte auf Wunsch der ÖVP stellvertretender Innenpolitik-Chef im TV werden und Hannes Aigelsreiter Radio-Chefredakteur, wenn der derzeitige Chefredakteur, Stefan Ströbitzer, im Gegenzug Channel Manager von ORF2 wird.

Von all diesen Personalwünschen will Wrabetz allerdings nichts gehört haben. Auf die Frage, ob er den Parteien personelle Versprechungen gemacht hat, sagte er am Dienstag lapidar: „Nein.“ Dabei hatte er noch bei seiner Konzeptpräsentation betont, wie gut er darin sei, ORF-Dinge bei der Politik so anzusprechen, dass sie umgesetzt werden.

Der einzige Gegenkandidat zu Wrabetz, Christian Wehrschütz, wurde schließlich doch zur Wahl zugelassen – er erhielt aber keine Stimme. Darüber sei er „nicht enttäuscht“, sagte er nach dem Hearing.

Was sich Wrabetz für die nahe Zukunft wünscht? Dass die Nabelschau der anderen Medien auf den ORF bald ein Ende hat. „Ich bin auch überzeugt, dass mir das gelingen wird“, sagt er. Die ÖVP und der ORF Seite5

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2011)

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