ORF-Wahl: 29 Stimmen für den Politikflüsterer

09.08.2011 | 18:17 |  Von Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Alexander Wrabetz wurde am Dienstag mit 29 von 35 Stimmen im Stiftungsrat wiederbestellt. Sechs Räte enthielten sich ihrer Stimme. Die ÖVP will Wrabetz damit "noch eine Chance" geben.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Vier Stunden. So lange ließen sich die Stiftungsräte am Dienstag für das Zeit, was ohnehin erwartet wurde. Um 14.10Uhr stand das Abstimmungsergebnis fest: Mit 29 von 35 Stimmen wurde Alexander Wrabetz als Generaldirektor des ORF wiederbestellt. Sechs Räte enthielten sich ihrer Stimme, darunter fünf ÖVP-nahe Stiftungsräte und der Unabhängige Alexander Hartig. Mit den Enthaltungen wolle man, so Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-Freundeskreises, Wrabetz auffordern, „es künftig besser zu machen“.

Mehr zum Thema:

Besser machen will es Wrabetz auch in seiner zweiten Amtszeit, die regulär bis Ende 2016 läuft. Obwohl er freilich schon jetzt sicher ist, dass er das Unternehmen zwei Jahre nach einer massiven Krise wieder auf Erfolgskurs gebracht hat. Was er bis 2016 erreichen will, sagte er Journalisten bei der anschließenden Pressekonferenz im ORF-Zentrum am Küniglberg: „Weiterhin die Nummer eins in TV, Radio und Online sein.“ Und dass die Information „bis dahin unbestritten unabhängig ist“. Er wisse natürlich, dass dies jetzt schon der Fall sei, ergänzte er.

Über das Telefonat mit SPÖ-Stiftungsrat Nikolaus Pelinka, das am vergangenen Wochenende für Aufregung gesorgt hatte, wollte er keine weiteren Auskünfte mehr erteilen. Auf Fragen zur Causa „Nikofon“ hatte er sich einen Stehsatz parat gelegt: „Ich stehe für Zurufe von Unzuständigen nicht zur Verfügung.“ Und der Stiftungsrat sei in Programmfragen jedenfalls unzuständig.

Auch Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp gab sich in der Pressekonferenz zugeknöpft: Zu Pelinka und der Frage, ob sie sich als burgenländische Landesdirektorin bewerben werde, wollte sie nichts sagen. Dafür betonte sie, wie „historisch und eindrucksvoll“ die Wiederbestellung von Wrabetz sei, „weil meines Wissens noch kein General mit einem derart hohen Votum ausgestattet wurde“.

 

Wrabetz mit „Vertrauensvorschuss“

Das Wort „Vertrauen“ war am Dienstag immer wieder zu hören gewesen. Wrabetz sah seine Wiederbestellung, die ihn „mit großer Freude“ erfülle, als „großes Vertrauensvotum“. Die ÖVP wiederum, die für die sieben „Ja“-Stimmen ihrer zwölf Stiftungsräte einige Personalwünsche erfüllt bekommen möchte, sprach von einem „Vertrauensvorschuss“, den man Wrabetz gegeben habe. Aus Sicht der ÖVP sei das ausverhandelte Personalpaket „sehr gut“. Der Partei sei wichtig gewesen, künftig „auf allen Ebenen“ im ORF Ansprechpartner zu haben, hörte man am Dienstag aus ihren Reihen. Konkret heißt das unter anderem: Es soll künftig eine ÖVP-nah besetzte Bundesländerkoordinationsstelle eingerichtet werden. Wer mit dieser Aufgabe betraut wird, steht allerdings noch nicht fest.

Gerhard Klein, Hauptabteilungsleiter für Wissenschaft und Religion, könnte als Gesamtkoordinator für die Magazine aufgewertet werden. Stefan Gehrer dürfte auf Wunsch der ÖVP stellvertretender Innenpolitik-Chef im TV werden und Hannes Aigelsreiter Radio-Chefredakteur, wenn der derzeitige Chefredakteur, Stefan Ströbitzer, im Gegenzug Channel Manager von ORF2 wird.

Von all diesen Personalwünschen will Wrabetz allerdings nichts gehört haben. Auf die Frage, ob er den Parteien personelle Versprechungen gemacht hat, sagte er am Dienstag lapidar: „Nein.“ Dabei hatte er noch bei seiner Konzeptpräsentation betont, wie gut er darin sei, ORF-Dinge bei der Politik so anzusprechen, dass sie umgesetzt werden.

Der einzige Gegenkandidat zu Wrabetz, Christian Wehrschütz, wurde schließlich doch zur Wahl zugelassen – er erhielt aber keine Stimme. Darüber sei er „nicht enttäuscht“, sagte er nach dem Hearing.

Was sich Wrabetz für die nahe Zukunft wünscht? Dass die Nabelschau der anderen Medien auf den ORF bald ein Ende hat. „Ich bin auch überzeugt, dass mir das gelingen wird“, sagt er. Die ÖVP und der ORF Seite5

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

158 Kommentare
 
12 3 4
Gast: egi
10.08.2011 19:00
0

Abschalten!

Der einzige Protest der Gesellschaft außerhalb des ORF ist, diese Programme nicht mehr konsumieren, außgenommen Ö1 und FM4. Es ist ekeleregend, die Landesstudios und der Küniglberg, reine Geldverbrenngsmaschinen in der Funktion von Parteienvorfeldorganisationen.

Gast: Prof. Reinhard Horner
10.08.2011 15:02
0

Der ORF-Sumpf bleibt uns erhalten - wie lange noch?

Die Vorgänge rund um diese „Wahl“ sind je nach Wahrnehmung als abenteuerlich oder schlicht volksdemokratisch einzuschätzen. Jedenfalls hat die Beispielsammlung, wie Korruption funktioniert, eine Vermehrung erfahren.

Der ORF, der es trotz seinen nicht wenigen fähigen und wohl auch aufgabenwilligen Mitarbeitern zustande bringt, seine Sümpfe und sauren Wiesen auszubreiten und hierfür einem wehrlosen Publikum Zwangsgebühren abzupressen, kann so lange derartig agieren, als das vom Publikum aktiv und/oder passiv akzeptiert oder geduldet wird.

Der ekeligen Überheblichkeit im ORF und bei den mitverludernden Politikern ist zweifelsohne nicht so leicht beizukommen. Aber reinigende Kräfte der österreichischen Zivilgesellschaft müssten doch imstande sein, Abhilfe zu schaffen.

Dazu gibt es etliche demokratische Möglichkeiten. U. a. hat es das Publikum in der Hand, die Darbietungen und Absonderungen des ORF – insbesondere im Informationsbereich – ständigen kritischen Beobachtungen und reichlichen Stellungnahmen zu unterziehen. Zudem müssten unverzüglich das Ausfüttern des ORF aus Steuermitteln und das dreiste Verlangen des Herrn Wrabetz nach Erhöhung der abgepressten Zwangsgebühren hintangehalten werden. Dazu ist der erforderliche Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben, die sich ja vor Volksstimmungen und vor Massenmedien, die sie nicht dominieren können, fürchten. Das bedarf allerdings nicht nur aktiver Minderheiten, sondern des Engagements einer großen Zahl.

Gast: Sueton
10.08.2011 14:57
0

Suchanfrage

Wohin ist eigentlich unser journalistischer Edelmensch Armin Wolf verschwunden? Wäre eigentlich Zeit, wieder einmal SOS ORF zu rufen! Charakter ist scheinbar eine Frage der Weltanschauung.

Rote Buberl-und Mäderlpartie

der Rotfunk ist gesichert, keine schlechte Leistung für die beiden "Dummerchens". Aber wen und was hat die vormals staatstragende ÖVP dieser Kinderpartie entgegenzusetzen. Wo ist die große Strategie der großen Strategen in der ÖVP dagegen? Bis auf wenige Ausnahmen sitzen in der roten Schlüsselpositionen intellektuell recht bescheidene Gemüter . Doch sind sie mangels überlegener Gegner nahezu unbesiegbar. Macht das nicht Angst? Mir schon!

nette Wahl

ca. so demokratisch wie eine Wahl in Weißrussland. Hauptsache, alle Befindlichkeiten von SPÖ, ÖVP, Grüne und FPÖ werden bedient. Als Gebührenzahler und mündiger Staatsbürger kommt einem da das Kotzen.

Wann erwacht in Österreich endlich eine mündige Zivilgesellschaft?

Gast: Wutbürger
10.08.2011 13:22
0

Strache im Juni 2011: "Wir wollen den besten Kandidaten für den ORF und ich kann eines sagen: Wir werden auf alle Fälle bei den Siegern sein"


Strache will Gegenkandidaten bei ORF-Wahl stellen
http://www.pr-inside.com/de/strache-will-gegenkandidaten-bei-orf-wahl-stellen-r2653917.htm

Wie verlogen kann man sein ...

Antworten Gast: orfische Geisterreiter leben länger
10.08.2011 14:56
0

Re: Strache im Juni 2011: "Wir wollen den besten Kandidaten für den ORF und ich kann eines sagen: Wir werden auf alle Fälle bei den Siegern sein"

Poetisch gesehen ist der Rache-Strache eine verbale Talmi-Hybride Leerformel.

Antworten Gast: senso
10.08.2011 14:27
0

typisch

für wc stratsche
aber seine bezahlposter reissen hier wieder das m... auf

Programm für Hirntote

Dann werden wir uns offenbar weitere 5 Jahre über ein Qualitätsprogramm freuen dürfen, wie es seinesgleichen in Europa sucht.
Nur als Beispiel liefen an den letzten 3 Samstagen im Hauptabendprogramm hintereinander 2 Folgen "mein cooler Onkel Charlie" und danach 2 Folgen "How I meet your mother" - wenn das der Bildungsauftrag des ORF sein sollte, dann gute Nacht (soll wohl die Wiederwahl der Befehlsgeber des Herrn Wrabetz in 2 Jahren garantieren).
Auf dieses Niveau lassen sich nicht einmal die Privatsender hinunter, die entwickeln wenigstens selber die Schwachsinnskonzepte, die der ORF dann kopiert - siehe: österreichs beliebtester Hit, oder so ähnlich, ebenfalls samstags im Hauptabendprogramm gelaufen: völlig bedeutungslose Menschen geben auf unterstem Niveau ihre Kommentare zu irgendwelchen Austropop-Hits zum Besten, da schüttelt es einen schon bei der Vorschau.

Seht ihn an diesen Parteien-Homunkulus!


Dabei war er mangels Konkurrenz nicht einmal das kleinere Übel!


Spatzenflüsterer Pelinka

Stehsatz von Wrabetz zur Causa Nikofon: „Ich stehe für Zurufe von Unzuständigen nicht zur Verfügung.“ Für Einflüsterungen schon?

Gast: pächter der wahrheit
10.08.2011 10:10
6

Bitte nennt so was nicht "Wahl"

Entscheidungen solcher Art als "Wahl" zu bezeichnen ist halt eine Unverfrorenheit der österr. Politik. Das Einzige dass hier mit einer Wahl (im Sinne wie das gemeine Volk das versteht - freie Entscheidung, bestes Wissen und Gewissen und so) ist die Form der Stimmabgabe.

Alleine die Form und Besetzung des Gremiums "Stiftungsrat" erinnert eher an das ZK der KPdSU als an eine repräsentative, sich nach den Interessen der Eigentümern des ORF (also Uns Bürger) ausgerichtetes Wahlgremium.

Der Linke Meinungsterror

findet seine Fortsetzung.

Dieses minutiöse Protokoll...

...lässt erahnen, dass es sich bei der Wiederwahl um ein historisches Ereignis mit großer Tragweite handelte ;-)

Gast: senso
10.08.2011 09:38
3

Ist ja gut ...

... daß es noch andere Sender gibt, als den Polit-ORF. Eine Schweinerei nur, daß man den mitfinanzieren muß, auch wenn man ihn nicht "ansehen" will - bleibt nur: ABMELDEN!!!!!

Re: Ist ja gut ...

Ja wie den, klär mich auf.
Da muss man schon aus der Wohnung hinaussterben!

Gast: Wutbürger
10.08.2011 08:54
3

Man sollte in Zukunft...

... die OSZE als Wahlbeobachter einschalten...

Re: Man sollte in Zukunft...

das geht nur dort, wo die Linken keine Manipulationsmöglichkeiten haben, und sich daher vor einem realistischen Ergebnis fürchten.

Gast: Ernst Holt
10.08.2011 07:41
13

SCHMIERE

Um der Beitragszahler teures Geld wird da eine letztklassige Schmiere geboten, die nichts als widerlich ist.
Der ORF muss ehebaldigst privatisiert werden und die Beitragszahler sollten sich eher früher als später überlegen, ob sie solche Parteien, die das zulassen überhaupt noch wählen sollen.
Was da passiert ist eine riesige Frechheit dem Steuerzahler gegenüber.

Gast: Ernst Holt
10.08.2011 07:41
1

SCHMIERE

Um der Beitragszahler teures Geld wird da eine letztklassige Schmiere geboten, die nichts als widerlich ist.
Der ORF muss ehebaldigst privatisiert werden und die Beitragszahler sollten sich eher früher als später überlegen, ob sie solche Parteien, die das zulassen überhaupt noch wählen sollen.
Was da passiert ist eine riesige Frechheit dem Steuerzahler gegenüber.

Gast: Falke12
10.08.2011 07:24
8

Einfaches Mittel

den ORF aus den Sendern löschen und darauf achten, dass Super-Alex sein steuerfinanziertes Fernsehen nicht durchrbringen kann. Und beim Umzug auf die Anmeldung des Fernsehers vergessen....Mit Quote Null kann nämlich auch Alex nix mehr machen.

Re: Einfaches Mittel

Ich schau eh nicht ORF, aber hab vor einigen Jahren Haus gebaut. Umzug ist nicht!

Gast: Defender
10.08.2011 07:03
12

Demonstrationen gegen die ORF-Zwangsgebühr

sind nach der widerlichen Vorstellung dieser sogenannten Wahl eigentlich ein Muß!

Gast: hansee
10.08.2011 07:02
7

der mit Abstand widerlichste Haufen sind die ÖVP Figuren


Re: der mit Abstand widerlichste Haufen sind die ÖVP Figuren

das sind zugegebenermaßen armselige Gestalten, aber der widerliche Haufen im ORF ist schon rot, das erkennt man auch ohne sich damit zu beschäftigen an der unabhängigen Berichterstattung.

 
12 3 4


Belvedere News

Sind Sie an aktuellen News aus dem Belvedere interessiert? Melden Sie sich jetzt unverbindlich für den Newsletter an.





Aktuelle Ausstellung:
Im Lichte Monets ab 24. Oktober 2014

» Nähere Infos zur Ausstellung

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden