20.05.2013 00:54 Merkliste 0

ÖVP: „Stiftungsräte sind doch keine Parteisoldaten“

10.08.2011 | 19:00 |  THOMAS PRIOR (Die Presse)

Nachdem Gerhard Zeiler ausgeschieden sei, hätte die ÖVP ihren Stiftungsräten die Wahl von Alexander Wrabetz freigestellt, sagt Generalsekretär Hannes Rauch. Um Posten sei es der Partei dabei nicht gegangen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die Presse: Wie kann es eigentlich sein, dass die ÖVP Alexander Wrabetz monatelang für unwählbar hält und ihn dann plötzlich sieben ÖVP-nahe Stiftungsräte wählen?

Hannes Rauch: Die Wahl des Generaldirektors geht faktisch nur mit der SPÖ. Selbst wenn alle anderen Parteien gegen Alexander Wrabetz gewesen wären, hätte er eine Mehrheit hinter sich gehabt. Das ist die politische Realität.

Die ÖVP beugt sich also der Mehrheitsmeinung, wenn sie merkt, dass sie sich nicht durchsetzen kann.

Es geht nicht um Parteipolitik, sondern um den ORF. Nachdem wir gesehen haben, dass ein anderer Kandidat – etwa Gerhard Zeiler, der auch kein ÖVPler ist, aber der erfolgreichste Medienmanager Europas – keine Mehrheit bekäme, haben wir den Stiftungsräten gesagt: Ihr müsst euch selber entscheiden, ob ihr Wrabetz wählen könnt. Jetzt geht es darum, dass er das Unternehmen in eine gute Zukunft führt.

Klubobmann Karlheinz Kopf meinte noch in der Vorwoche: Mit Wrabetz werde die Fehlentwicklung des ORF fortgesetzt. Da fragt man sich: Ist das eine Einzelmeinung in der ÖVP, oder hat sie sich nicht bis zu den Stiftungsräten durchgesprochen?

Die Stiftungsräte sind doch keine Parteisoldaten. Und das Ergebnis war, dass sieben aus unserem Freundeskreis für den Herrn Wrabetz waren und fünf sich der Stimme enthalten haben. Damit ist die Sache erledigt. Die Mehrheit der Stiftungsräte hat dem amtierenden Generaldirektor eine zweite Chance gegeben.

Bei allem Respekt, Herr Rauch: Dass die Stiftungsräte unabhängig sind, wäre mir neu.

Dann ist es für Sie neu, aber in der ÖVP ist es so.

Seit wann?

Jetzt ist es so, und ich finde das gut. Wir haben immer gesagt, wir wollen den ORF entpolitisieren.

Es schaut aber so aus, als wäre es der ÖVP wichtiger, ihr nahestehende Journalisten an wichtigen Stellen im ORF unterzubringen, als zu ihrer Meinung zu stehen.

Da kann ich nur Zeiler zitieren, der gesagt hat: Der ÖVP ist es nie um Posten gegangen.

Sie können ausschließen, dass es der ÖVP nicht um Posten gegangen ist?

Das schließe ich aus. Ich finde es außerdem unappetitlich, Journalisten immer einer Partei zuzuordnen. Auch im ORF muss es möglich sein, dass Journalisten ihre Arbeit machen. Ich ordne Sie ja auch nicht einer Partei zu.

Die Realität im ORF sieht anders aus, das wissen wir beide.

Ich bin Optimist und deshalb sicher, dass meine Meinung künftig die Realität sein wird.

Glauben Sie, dass sich in der Ära Wrabetz II vieles ändern wird?

Wir gehen davon aus. Der Info-Bereich funktioniert sehr gut, aber ich glaube, dass im Programm noch einiges zu tun ist. In Zukunft ist Pluralität gefragt – das erhoffen wir uns neben einer positiven wirtschaftlichen Fortführung des Unternehmens.

Was würden Sie im Programm tun?

Ich bin Generalsekretär der ÖVP und nicht Programmmanager des ORF. Da gibt es sicher Experten, die ein Programm aufstellen können, das Herrn und Frau Österreicher begeistert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

8 Kommentare
Gast: Plach2
12.08.2011 12:08
0 0

Das merkt man an der Reaktion von der FPÖ!

Die ÖVP hat sich im Proporz zwei der ausgeschriebenen Direktorenposten gesichert. Solche Posten werden IMMER durch zwei teilbar ausgeschrieben. Diesmal sind es 4.

Bald haben wir einen Staatsfunk wie einmal die DDR. Das nennen sie auch noch "unabhängiger ORF"!

Gast: fritz ungemach
12.08.2011 07:06
0 0

humor

bruahah man muss ihm lassen, er hat humor.

stiftungsraete sind keine parteisoldaten
der osterhase ist kein maerchen
der orf ist unabhaengig

kleinkunst in ihrer ganzen groesse

Antworten Gast: Franz9
12.08.2011 13:53
0 0

100% richtig!

Stiftungsräte werden von den Parteien vorgeschlagen, ohne einem Parteibuch kommt gar niemand dran! - und dann spricht der ÖVP Generalsekretär "von keinen Parteisoldaten".

Was sind sie den?

Gast: Nordlicht
11.08.2011 13:28
0 0

Stiftungsräte sind doch keine Parteisoldaten

Ich kann mir nicht vorstellen, dass diesen Unsinn, den Herr Schall und Rauch von sich gegeben hat, auch noch glaubt.

In diesem Greium sitzen doch nur Abgesandte diverser Parteizentralen.

Gast: Gast 2011
10.08.2011 21:40
0 0

die "neue" ÖVP

hat keine Parteisoldaten in den Stiftungsräten und bald auch keine Wähler mehr. Das Erscheinungsbild der ÖVP zur Zeit ist katastrophal. Ein verlorener Haufen Schwachmatiker als kopfloses SPÖ-Anhängsel.

Gast: gast45
10.08.2011 20:16
1 0

was denn dann gute ÖVP???

„Stiftungsräte sind doch keine Parteisoldaten“ meinen die övp-ler

warum wird dann massiv von der politik aufgestellt und hinter den Kulissen eingegriffen? das soll wohl ein witz sein oder was??

wozu werden sonst Parteipolitiker in den Stiftungsrat entsendet ?

ja, Stiftungsräte sind Parteisoldaten.

Gast: strolto
10.08.2011 19:52
1 0

Ist Rauch dabei rot geworden?

Scheinheiliger gehts jedenfalls nicht, denn wenn dem so ist, dann fragt man sich, wozu Parteien überhaupt Vertreter in den Stiftungsrat schicken??

Oder glaubt der VP-Sekretär, wenn sich die vom Volk gewählten Politiker schon nicht um Meinungen jener kümmern, die einen Abgeordneten zur ihrer Vertretung ins Parlament geschickt haben, es auch die Stiftungsräte bezüglich der jeweiligen Parteiansicht so machen sollen? Die Vertreter sind ja nicht für sich, sondern in Vertretung der jeweiligen Parteien im Stiftungsrat.