ORF zeigt Schlagabtausch zwischen Sido und Jeannée

Der mächtige "Kronen Zeitung"-Kolumnist Michael Jeannée wurde bei "Die große Chance" von Juror Sido zurechtgestutzt. Die "Krone" schießt zurück: Sidos Leben sei "ein einziger Mix aus Kriminalität und Taktlosigkeit."

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''Krone''-Briefschreiber Michael Jeannee und sein Freund Martin Zimmermann – (c) ORF (Ali Schafler)

Jener Clip aus der ORF-Castingshow "Die große Chance",  der im Moment auf YouTube für Furore sorgt, wurde am  Freitag im ORF gezeigt. Der Clip zeigt den sehenswerten Schlagabtausch zwischen dem deutschen Rapper Sido, Juror in der Sendung, und dem mächtigen "Kronen Zeitung"-Kolumnisten Michael Jeannée. Entstanden ist der Konflikt bei der Aufzeichnung der Show am 9. September.

Der Clip beginnt damit, dass Jeannée, dem ein Schlüsselbund locker aus der Hosentasche hängt, auf die Bühne kommt. Mit blumigen Worten kündigt er einen Freund, den Grinziger Heurigenwirt Martin Zimmermann, als "Motorenimitator" an. "Siehst aus wie ein Hausmeister mit deinem Schlüssel da an der Hose", sagt Sido. "Vielleicht bis du einer", schießt Jeannée zurück. Der Journalist fährt in seiner Ansage fort und wird erneut von Sido unterbrochen. Was er hier eigentlich mache, wird Jeannée gefragt und auch Zimmermann kriegt sein Fett ab: "Lass da nicht deinen Hodenhalter reden für dich die ganze Zeit", fordert Sido auf. "Hier ist noch kein anderer hochgekommen und hat jemanden angekündigt - was is'n das für ein Scheiß?"

"Du kennst die Wiener Verhältnisse nicht"

"Wir machen hier nur unsere Show", sagt Jeannée. Das sieht Sido anders: "Das ist doch keine Show. Du willst dich doch nur großmachen", sagt der Deutsche und verweist den Journalisten von der Bühne. Zirkus-Roncalli-Chef Bernhard Paul, ebenfalls Juror, versucht zu schlichten: "Die zwei da sind ein Doppel, das man in Wien schon ein bisschen kennt und der Kollege ist Journalist, der dich morgen fertig machen könnte", sagt Paul. "Du kennst die Wiener Verhältnisse nicht." Doch das stört den Rapper nicht. Nur weil man in Wien bekannt sei, müsse man kein Talent haben, meint Sido: "Und welcher Journalist macht mich denn nicht fertig? Darauf geschissen."

Die Motorengeräusch-Show ist langweilig, das Publikum buht Zimmermann aus. "Soll das lustig sein?" fragt Sido. "Ihr habt jetzt ganz krass meine Zeit verschwendet mit so einer arroganten Scheiße". Jeannée wendet sich an Paul: "Was sagst du, Bernhard, der Hausmaster-Bua, der! Deutschland und Österreich unterscheidet eben mehr als die Sprache."

"Haben Angst vor dir und der Zeitung"

"Bernhard möchte nicht schlimm über dich reden, weil er nichts Schlechtes in der Zeitung über sich haben will", sagt Sido. "Mit allem Respekt, aber das war ja das Letzte, oder?" meint Mitjurorin Karina Sarkissova. Beide stimmen mit einem Minus gegen den Aufstieg Zimmermanns in die nächste Runde. Als sowohl Paul als auch Sängerin Zabine den Kandidaten mit einem Plus bewerten, resümiert Sido: "Ich glaube, dass die, die dir ne Plus geben, Angst vor dir und deiner Kritik in der Zeitung haben." Das Publikum zeigt sich furchtlos und stimmt mit Minus.

>>> "Die Große Chance" in der ORF-TVthek

Übrigens: Durch das Vor-Casting hätten es die Motoren-Imitatoren ganz regelkonform geschafft, versicherte man im ORF.

"Krone" gegen Sido: "Talentlosigkeit und Drogenprobleme"

Bernhard Pauls Warnung, dass "der Herr Journalist" jemanden fertig machen könnte, kam nicht von ungefähr. Denn tatsächlich hat der Redakteur Michael Pommer in der "Kronen Zeitung" in die Tasten gegriffen und für die Freitagsausgabe einen vernichtenden Artikel über Sido verfasst, in dem sämtliche Verfehlung aus der Vergangenheit des Rappers aufgelistet werden. Mit "Das Leben des 'ORF-Stars' als einziger Mix aus Kriminalität und Taktlosigkeit" ist der Text überschrieben. Dem Rapper, der nie einen Hehl um seine Vergangenheit machte, werden seine Texte über Drogen und sexuelle Gewalt sowie Witze über die Fälle Kampusch und Amstetten vorgeworfen. Die "Krone" zitiert etwa den "Arschficksong" des Rappers, der vor sieben Jahren veröffentlicht wurde und damals auf dem Index landete.

Neben der Aufzählung von Sidos Verfehlungen schießt die "Krone" auch scharf gegen den ORF, dem ja ein Naheverhältnis zur Boulevardzeitung nachgesagt wird: "Jetzt kann man einen solchen Außenseiter ins Gefängnis stecken, ihn bestenfalls meiden. Oder man kann es so machen wie der ORF: Dort sitzt der deutsche Gangster-Rapper Sido in der Jury von 'Die große Chance' vor 812.000 Gebührenzahlern", heißt an einer Stelle. Und: "Vielleicht ist es ja auch der Mix aus Talentlosigkeit, Sexismus und Drogenproblemen, der ihn so ideal für den ORF macht."

Post von Jeannée an Sido und "Küniglberger"

 

Jeannée selbst richtete sich erstmals in der Samstagsausgabe an Sido. Und das hört sich so an: Der Rapper sei "ganz offensichtlich vorab gezielt und intensiv gebrieft" worden, "was meine für 'Die Große Chance" periphere Person betraf". Sido sei der Anordnung aus dem "Intrigantenstadl ORF" in "vorauseilendem Gehorsam" gerecht geworden. Jeannée habe seinen Freund Martin Zimmermann, der "als Selbstdarsteller ein sympathischer Versager ist" nur vorstellen wollen. Sein Fazit: "Ich bin Ihnen persönlich nicht gram wegen Ihrer Rülpser und Rüpeleien ... Aber die Küniglberger, Herr Sido, die Küniglberger halt ich dafür umso besser im Visier."

Die Show

Pro Castingshow gehen bis zu 50 Acts an den Start, aber nur jeweils drei von ihnen erhalten von der Jury, bestehend aus Zabine, Karina Sarkissova, Bernhard Paul und Sido, ein Ticket für das Halbfinale. Einen vierten Startplatz für das Halbfinale vergibt in jeder Castingshow das bei den Aufzeichnungen außerdem das anwesende Saalpublikum.

Ab Ende Oktober wird es dann ernst, wenn die drei Halbfinalshows starten, die ebenfalls Freitags um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden - diesmal live. Wer schließlich bei "Die große Chance" als Sieger mit 100.000 Euro belohnt wird, entscheidet sich beim Finale Mitte November.

>>> Das Video des Schlagabtauschs auf YouTube

(her)

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