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Sido: Schlechtes Vorbild

10.12.2011 | 18:03 |  von MattHÄus Maier und Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Der ORF bekommt nicht genug vom deutschen Rapper. Am Donnerstag startet mit Blockstars die nächste Sendung nur mit ihm. Die Vermarktungsmaschinerie hält Sido derzeit geschickt auf allen Seiten am Laufen.

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Vielleicht ist das so ein Rapper-Ding. Dass man Zuneigung, die einem entgegengebracht wird, irgendwann in besonderem Überschwang erwidert. Der deutsche Rapper Sido, der mit bürgerlichem Namen Paul Hartmut Würdig heißt, hat sich für die Zuneigung des ORF und der Österreicher auf seine Art bedankt: Er hat sich eine Wohnung in Döbling gemietet und plant, demnächst ein Tattoostudio in Wien zu eröffnen. Kurz gesagt: Der Mann hat vor, noch eine Weile im Land zu bleiben.

Für ihn ist das wirklich sinnvoll, denn der ORF hat den 31-Jährigen, der sich sowohl mit gewalt- und drogenverherrlichenden als auch sexistischen Liedtexten eine solide Bekanntheit erarbeitet hat, zum neuen Show-Darling erklärt. Obwohl er seine zahlreichen Engagements in Talentesuchshows in Deutschland begonnen hat, sind es nun die Ösis, die ihm nach Juryauftritten bei den Talentsuchshows „Helden von Morgen“ und die „Große Chance“ eine eigene Sendung geben.


Der Schmäh funktioniert bedingt. Auch beim Late-Night-Comedy-Duo Grissemann & Stermann durfte er vor einiger Zeit Werbung für die neue Sendung „Blockstars“ (Start: 15. Dezember) und die Gangsterrapkomödie „Blutzbrüdaz“ (Wien-Premiere: 16. Dezember) machen. Dort verblüffte er mit unvorstellbar dümmlichen Aussagen: Weil er Alkohol nur trinke, um betrunken zu werden, greife er stets zu Jägermeister, damit er sein Ziel schneller erreiche. Er wolle bitte nicht wissen, was seine Mutter und andere Frauen auf der Toilette machen, um sich das Bild der reinen Frau nicht zu zerstören. Gangsterrap-Image hin oder her, solches Geschwafel ist nur schwer zu ertragen. Auch Christoph Grissemann, sonst bei fast jedem Gast die Höflichkeit in Person, konnte seine dezente Ablehnung nicht verbergen. Als Sido erklärte, warum es ihn nach Österreich ziehe („In Deutschland funktioniert mein Schmäh nicht“), konterte Grissemann: „In Österreich aber auch nur bedingt.“

Es mag Sido-Verweigerer geben, aber spätestens seit seinem verbalen Schlagabtausch mit „Krone“-Kolumnist Michael Jeannée, den er vor laufender Kamera als „Hausmeister“ abkanzelte, hat er auch Sympathisanten außerhalb des Teenagersegments. Die Vermarktungsmaschinerie hält Sido derzeit geschickt auf allen Seiten am Laufen: Vor wenigen Wochen hat er mit seinem einstigen Erzfeind Bushido das Album „23“ herausgebracht. In der selbstherrlichen Hymne „So mach ich es“ geht es, wenig überraschend, um die Lieblingsthemen der zwei Berliner Rüpelrapper: Geld, Sex, Drogen.


Der rappende Retter. Sido zum ORF geholt hat 2010 die Programmentwicklerin Dodo Roscic, die nach wie vor in höchsten Tönen von ihrer Entdeckung schwärmt: „Er hat eine unglaubliche Strahlkraft, eine Aura.“ Bei der neuen Sendung darf Sido nicht nur partizipieren, das gesamte Konzept stammt von ihm persönlich. In „Blockstars – Sido macht Band“ sollen Jugendliche, die wie er aus sozial benachteiligten Verhältnissen kommen, den Sprung in ein geordnetes Leben schaffen. Anders als bei üblichen Castingshows sollen die Kandidaten nicht nach Berühmtheit streben, sondern, im Gegenteil, kein Ziel vor Augen haben. Er sucht Menschen „für die diese Sendung die einzige Chance im Leben ist“.

Sido als Vorbild? Zugegeben, das klingt skurril. Schließlich sang der nicht wenig von sich Überzeugte (auf seinem linken Arm prangt sein Geburtsdatum), in dem Song „Schlechtes Vorbild“: „Ich bin all das, vor dem dich deine Eltern immer gewarnt haben.“ Allerdings: Sido ist gelernter Erzieher und möchte die jungen Menschen „unter seine Fittiche nehmen“. Wie er sollen die Teilnehmer mithilfe von Rapmusik aus dem sozialen Sumpf steigen und am Ende von „Blockstars“ fähig sein, eine erfolgreiche Rap-Band darzustellen.

Leise Kritik äußert der österreichische Rapper Skero von der Band Texta, der mit seinem Hit „Kabinenparty“ selbst zur Popularisierung von Rapmusik beigetragen hat. Er lehnt das hier vermittelte Klischee ab, Rapper könnten ausschließlich aus ärmlichem Milieu stammen, „und selbst wenn die Protagonisten nicht aus dem Ghetto kommen, müssen sie so tun als ob, um in diese Sendung zu passen“. Zwar räumt er ein, dass die intensive Auseinandersetzung mit Hip-Hop dazu beitragen kann, zu lernen, „sich selbst zu organisieren, den Arsch hochzukriegen und die eigene Kreativität zu entdecken“, ob die Show jedoch Kandidaten hervorbringt, die auch nach der Sendung weiterhin Rapper werden wollen, sei fraglich. Er hofft, dass bei den Teilnehmern „keine Illusionen nach dem großen Geld“ geweckt würden, dafür sei der österreichische Hip-Hop-Markt zu klein.

Aus den Gewinnern der Show soll eine Band werden, die vielleicht als österreichischer Eurovision-Song-Contest-Starter tauglich ist oder zumindest den Sprung in die Charts schafft. Die Krux mit dem Danach bleibt auch bei dieser Castingshow ungelöst. Schon Gewinner von Shows, die nicht automatisch soziales Elend erfahren haben, klagen über Post-Show-Depressionen, was soll dann erst aus den „Blockstars“ werden, wenn der große Durchbruch verwehrt bleibt?

Zwar soll Sido den „Perspektivlosen“ nicht nur musikalisch unter die Arme greifen, sondern sie auch charakterlich wie menschlich festigen und „ihr Leben in Ordnung bringen“, soziale Verantwortung übernimmt der ORF in der Show jedoch keine.

Paul Hartmut Würdig alias Sido, geb. am 30.11.1980 in Ostberlin. Er ist deutsch-sintischer Herkunft. Sido steht für „Super-intelligentes Drogenopfer“ oder „Scheiße in dein Ohr“.

1997
erste musikalische Schritte als „Royal TS“, ab 2003 startet er seine Solokarriere. Sein jahrelanges Markenzeichen ist eine silberne Gesichtsmaske. 2011 veröffentlicht er das Album „23“ mit seinem früheren Erzfeind Bushido.

Ab 2007
regelmäßige Auftritte im deutschen TV, u.a. bei „Popstars“ oder in der Sendung „Sido geht wählen“.

Seit 2010
Auftritte im ORF bei „Helden von Morgen“, „Die große Chance“. Am 15.12. startet die neue Show „Blockstars“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2011)

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12 Kommentare

UNGLAUBLICH

für den SHUT zahle ich GIS Gebühren!! Für den Mist? Jojo Oida..Rap mit Sido!! So ein Schwachsinn!! Ich bin Sprachlos. Die glauben, dass man mit dem Schwachsinn erfolg hat im Leben! Andere rackern von morgens bis abends und der Jugend wird so ein Schwachsinn vorgegaukelt!!!

Gast: looky
13.12.2011 17:52
0 0

dumm und dümmer geseelt sich gern

HAHA.
Ich lache erstmals darüber hier die Leute wirklich glaubt die Verfasser des Artikels würden meinen das diese Aussage Sidos erst gemeint ist. Das ist ja für jeden offensichtlich gewesen, dass er sich damit nur wiedereinmal quer stellen wollte.
Es aber aufzugreifen und journalistisch zu kritisieren ist jedoch eigentlich nicht das Problem oder? Immerhin sind solche Aussachen in der Öffentlichkeit einfach nur dumm. Genauso werden zb. öffentliche Personen angegriffen wenn sie dumme Nazi Witze machen, die ja auch offensichtlich im Scherz gemeint sind.
Wo liegt hier der Unterschied?
Dumme blöde (sexistische, rassistische....ect) und unnötige Aussagen muss man in der Öffentlichkeit einfach nicht tätigen, das kann man mit seinen Freunden machen aber wenn der Mensch ein bisschen intellekt hät merkt er, es ist ja nicht mal da lustig.
HAHA. Frauenwitze.
HAHA. Behindertenwitze.
HAHA. Ausländerfeindlichewitze.
HAHA. Ich meins ja nicht so...

Da kann man doch mal einen Punkt machen oder!? Werdet erwachsen und macht mal ein bisschen die Augen auf- die Welt funktioniert genau wegen solcher falschen schmähs und scheinbar coolen Macho Ansagen so verkehrt.

Und dann auch noch behaupten die Journalisten hättens nicht gecheck- geh bitte.


Gast: überdrüber
12.12.2011 16:33
1 0

Typisch...

"Dort verblüffte er mit unvorstellbar dümmlichen Aussagen: Weil er Alkohol nur trinke, um betrunken zu werden, greife er stets zu Jägermeister, damit er sein Ziel schneller erreiche. Er wolle bitte nicht wissen, was seine Mutter und andere Frauen auf der Toilette machen, um sich das Bild der reinen Frau nicht zu zerstören."

1. Was genau finden die beiden hochintelligenten Journalisten dümmlich daran, Jägermeister zu trinken, um schnell besoffen zu werden? Würde mich echt interessieren. Das einzige, was dumm war, war Griesgrämers Entgegnung: "Schlägt sich aber auf den Magen, das Jägermeister, oder?" Sido zurecht: "Nein, eben nicht, deshalb trinke ich es ja!"

2. Dass er nicht wissen wolle, was Frauen am Klo machen, war EIN SCHERZ! Ein Scherz, den Journalisten offenbar nicht verstehen - zumindest nicht, wenn er von ihrem Hassobjekt Nummer eins kommt.

"Gangsterrap-Image hin oder her, solches Geschwafel ist nur schwer zu ertragen."

Das sehen zigtausende Menschen anders. Sido ist einfach ehrlich! Ehrlich, locker, authentisch und direkt. Und das lieben die Leute an ihm. Sicher zieht er damit auch Hass und Neid auf sich, da sich nicht jeder so eine Freiheit rausnehmen kann und viele nur vor sich hinschwafeln.

So ein Journalistengeschwafel ist nur schwer zu ertragen. Typisch "Qualitätszeitung"...

Gast: bitteichweisswas
12.12.2011 11:54
0 1

Dort verblüffte er mit unvorstellbar dümmlichen Aussagen

>: Weil er Alkohol nur trinke, um betrunken zu werden, greife er stets zu Jägermeister, damit er sein Ziel schneller erreiche. Er wolle bitte nicht wissen, was seine Mutter und andere Frauen auf der Toilette machen, um sich das Bild der reinen Frau nicht zu zerstören.< irgendwie hat d Verfasser d Artikels die bewusste Streuung dieser "markigen Macho-Ansagen" nicht gecheckt und ist Sido herrlich auf den Leim gegangen-!? Der Junge weiss schon ganz genau, wie er die (österr.) Konsi-Presse bedient--

rap hat keine qualität.

die qualität von kunst kann definiert werden: sie überdauert ihre zeit und die mode.

das eine oder andere klassische werk wird man noch in hundert jahren hören.
detto einen beatles-song oder auch manches, das heute produziert wird.

mit sicherheit aber keinen rap-song. die sind bereits morgen schnee von gestern.

und wer in 100 jahren von rap spricht, der hat sich versprochen und wollte eigentlich rat sagen.

Gast: foobaro
11.12.2011 23:42
3 0

Heider, Strache, Sido

lauter Leute die ich niemals finanzieren wollte, aber musste.

Gast: Gast 999
11.12.2011 19:57
3 0

Sido

Und für einen derartigen Schmarrn muss man den ORF-Zwangsbeitrag zahlen!?

Gast: Gastus
11.12.2011 15:07
1 0

Kriegt der..

..auch die Staatsbürgerschaft nachgeworfen?

Gast: quatsch
11.12.2011 11:41
0 0

GIS

Na endlich was gutes im TV. Werd sofort einen Fernseher anmelden... -.-

Verstehe nicht, dass wir immer mit ein paar Jahren Verspätung....

... den in Deutschland übrig gebliebenen Müll nachmachen und eine Plattform bieten müssen.

9 0

Es gibt kein Niveau, ...

... daß der ORF nicht mit Leichtigkeit unterbieten kann.

Strohfeuer sind hell!

Aber wenn SIDO in dieser Zeit, dem noch immer erzkonservativen Österreich auf die Sprünge hilft, hat sich auch dieses gelohnt.