Niko Pelinka wird Büroleiter von ORF-Chef Wrabetz

23.12.2011 | 17:10 |   (DiePresse.com)

Was lange spekuliert wurde, stimmt: Der SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter im Stiftungsrat wechselt in die ORF-Führungsetage.

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Lange haben ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter Niko Pelinka die Gerüchte dementiert, nun stimmen sie also doch: Pelinka wird Büroleiter des ORF-Chefs. Das bestätigte der 25-Jährige gegenüber der "Presse" am Freitag.

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Der hauptberuflich als ÖBB-Lobbyist tätige Pelinka wird in seinem Brotberuf nämlich degradiert: Maria Gasteiger, bislang Assistentin von ÖBB-Chef Christian Kern, wird Leiterin der neu geschaffenen Abteilung "Corporate and Internal Affairs" der Bundesbahn. Pelinkas Abteilung "Public Affairs" wird in diese integriert und Gasteiger somit seine Chefin.

Im August noch "ausgeschlossen"

Pelinkas ORF-Karriere begann im Vorjahr: Im April 2010 servierte Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas mit Rückendeckung des Kanzleramts den damaligen Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" Karl Krammer völlig überraschend ab und ersetzte ihn durch ihren Vertrauten, den damals 23-jährigen Pelinka. Die Wiederwahl von ORF-Generaldirektor Wrabetz Anfang August wurde als Erfolg Pelinkas gewertet.

Rund um die ORF-Wahl im Sommer war Pelinka bereits als neuer ORF-Generalsekretär gehandelt worden. Wrabetz reagierte damals mit deutlichen Worten: Diese Gerüchte seien "völlig haltlos", sagte der ORF-Chef im August. Zu anderen Jobspekulationen hatte Wrabetz erklärt, Pelinka habe einen Wechsel in den ORF "für sich ausgeschlossen", weshalb "dem nichts hinzuzufügen ist".

Zuvor hatte der 25-Jährige mit einer Aussage gegenüber dem Magazin "Fleisch" für Aufregung gesorgt: Der ORF-Chef, mit dem er häufig telefoniere, frage ihn, wen er in die Diskussionssendung "Im Zentrum" einladen solle, so Pelinka. "Fleisch" nahm die Passage zurück, nachdem der rote Stiftungsrat dagegen protestiert hatte. Man habe die Passage gekürzt zitiert, so "Fleisch"-Herausgeber Markus Huber damals.

"Warum nicht gleich Laura Rudas?"

Scharfe Kritik an dem Wechsel folgte prompt von ÖVP-Klubobmann und Mediensprecher Karlheinz Kopf: Wrabetz Personalentscheidung sei "eine beispiellose Unverfrorenheit", so Kopf. "Er raubt damit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen ORF den letzten Rest an Glaubwürdigkeit. Ein Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens."

Die Bestellung Pelinkas erzeuge eine "mächtig schiefe Optik", so der Mediensprecher der Grünen, Dieter Brosz: "Unabhängig von der Qualifikation der Person wird sich bei einem solchen Wechsel immer die Frage von Deals im Hintergrund stellen." ORF-Moderator Armin Wolf schrieb auf seinem Twitter-Account: "Das glaub ich jetzt nicht! APA meldet eben, Niko Pelinka wird Wrabetz-Büroleiter. Warum nicht gleich Laura Rudas?"

Auch der Redakteursrat des ORF hat für den neuen Büroleiter von Generaldirektor Wrabetz, keine warmen Willkommensworte übrig. Pelinkas Tätigkeit als ORF-Stiftungsrat habe sich durch "das Image des unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks schädigendes Verhalten" ausgezeichnet. Dass "ausgerechnet so jemand" Büroleiter des Unternehmenschefs werde, erwecke den Eindruck, "der ORF hängt am Gängelband der Parteien", kritisierte der Redakteursrat.

Pelinka will Kritiker überzeugen

Pelinka selbst will seine Kritiker "durch mein Handeln im Interesse eines starken und unabhängigen ORF überzeugen". Als Parteigünstling sehe er sich nicht, sagte er der APA. "Ich habe einen sehr professionellen Zugang zu meiner Arbeit, unabhängig von persönlichen Einstellungen."

Weitere Personalrochaden

Der ORF gab am Freitag außerdem weitere personelle Neuerungen bekannt. Pelinkas Vorgänger, Wrabetz-Büroleiter Kurt Reissnegger, soll künftig in der Generaldirektion die Aufgaben strategische Planung und medienübergreifende Programmprojekte übernehmen. Büroleiterin in Kathrin Zechners Fernsehdirektion wird Angelika Simma, bisher Sendungsverantwortliche für die Sendung "Contra". Zweiter Referent wird Johannes Fiala, den Zechner von den Vereinigten Bühnen mit auf den Küniglberg nimmt.

Pelinkas Werdegang
Niko Pelinka ist der Sohn von "News"-Chefredakteur Peter Pelinka und Neffe des Politologen Anton Pelinka.

Bevor der Nachwuchspolitiker zum ORF kam, war er Pressesprecher von Unterrichts-und Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ). Davor war er parlamentarischer Mitarbeiter beim heutigen Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ).

An der Donau-Universität Krems absolvierte er außerdem einen berufsbegleitenden Universitätslehrgang mit dem Titel "Politische Kommunikation".

(her/awa/APA)

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604 Kommentare
 
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Part of the game?

Wrabetz galt ja nicht immer als Wunschkandidat, schon gar nicht von Ostermaier u. Faymann und deshalb wird das bereits vor dem Durchdrücken von Wrabetz als GD ausverhandelt worden sein, dass die SPÖ ganz offen u. unverschämt im ÖRF einmaschiert.

Gebührenboykott!!

Gast: Gast ohne Namen
28.12.2011 15:36
1 0

Das Imperium schlägt zurück

So eine Wutrede, wie die vom Düringen, lässt sich halt die SPÖ nicht gefallen!

Da werden gleich ein paar entsprechende "Korrekturen" vorgenommen!!

Ironischerweise...

... hielt Armin Wolf kürzlich einen Vortrag mit dem Titel "Wofür brauchen wir noch Journalisten?"
Im Nachhinein ist das Thema zu komisch.

Kein Wunder, dass die Leute lieber Blogs lesen.

Fernsehen ist tot.


Gast: allesgebacken
27.12.2011 16:39
1 0

das war schon lange klar

der Job im ORF war schon lange klar, da es jedoch nicht sofort durchführbar war, musste der Umweg über die ÖBB genommen werden, wo eigens ein Job als Zwischenstation geschaffen wurde - so viel zu den überraschenden Entscheidungen des Landes

Gast: durchleuchter
27.12.2011 12:57
5 0

Roter Adel outet sich wieder

Ob in naher Zukunft die österreichischen Roten das edle "von" vorm Namen setzen dürfen?
Von der Gier und Masse der Roten (Wien) her wurde ja der österr. Altadel übertroffen.
Jetzt gilt offensichtlich auch noch das Weitervererbungsrecht betreffend Jobs.
Was sagen die Arbeiter dazu?

1 0

Re: Roter Adel outet sich wieder

Was Arbeiter dazu sagen ist der SPÖ schon lange egal.

Zauberlehrling Armin Wolf

Bei aller Fassungslosigkeit sollte Armin Wolf einmal für sich überlegen, wie er den Weg für den Politkommissar Niko Pelinka gelegt hat.

Armin Wolf ist einer jener Redakteure, die dem linken Mainstream folgend den Weg bereitet haben. Und nun stehen sie da. Wie die Zauberlehrlinge.

Ich bin schon gespannt, wie die Diskussionrunden besetzt werden und in welcher Form die Huldigungen im O-Rot-Funk für unseren großtartigen Kanzlerdarsteller ausfallen werden.

Vielleicht frägt man beim NDR nach, ob dieser Beitrag dem ORF zur Verfügung gestellt wird:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/freunderl101.html

Das wäre wirklich objektive Berichterstattung.

Re: Zauberlehrling Armin Wolf

Dass jemand wie Wolf den Weg für Personen wie Pelinka gelegt haben soll, ist auch bezüglich der Argumentationsschwäche des Verfassers, absolut nicht nachvollziehbar und meiner Ansicht nach Schwachsinn.
Es ist als Wechselwähler für mich stets ein Genuß, wie hart Wolf Politiker egal welcher Couleurs befragt. Hätten wir mehr Wolfs und keine Würstl an der Spitze des ORF, sehe dieser auch deutlich besser aus.

Re: Re: Zauberlehrling Armin Wolf

Bestimmte Personen wird Armin Wolf sowieso nicht verhören pardon interviewen.

Soweit ich weiß gab es bis jetzt Wolf-Interview mit Kanzerdarsteller Faymann zum Thema Inserate und Medienpolitik.

Antworten Gast: Joes World
27.12.2011 11:33
1 0

Vielen Dank für diesen wichtigen Link

Vorallem die letzten Sekunden sind, wieder einmal, entlarvend.

Gast: b754
27.12.2011 10:29
2 3

der wrabetz führt sich schon auf wie der schüssel


Antworten Gast: Ausguck
27.12.2011 16:10
0 2

Re: der wrabetz führt sich schon auf wie der schüssel

Lass Deinen Verfolger mal behandeln - SCHNELLSTENS!

Endlich mal ein junges Gesicht im ...

... vor sich hinalternden ORF. Pelinka hat wie sein Vater schon Großes für Österreich geleistet Ganze Generationen haben schon das Schreiben mit seinen Füllfedern erlernt und die Bundeshymne sollte statt den Töchtersöhnen auf "Heimat bist Du großer Pelinkas" umgeändert werden. Ich bin sicher, auch der Bundespräsident freut sich, der hat eben auch so wie der Wrabetz einen alten Hawerer an seiner Seite.

1 0

Der ist gut!

Aber die Füllfeder heisst PELIKAN.

Endlich....

hat der orf jemanden gefunden, der alleine vom aussehen her für wagemut, draufgängertum und inovativen geiste steht. Zusammen mit Frl. Rudas, der jeanne dárc der innenpolitik, ein unschlagbares duo, daß uns kleinen leuten zeigt, wie man nägel mit köpfen macht. Bravo weiter so......oder hab i da was jetzt verwechselt?

Gast: rotsüchtler
27.12.2011 09:34
2 0

korruption in österreich?

oba gehngans...

Gast: 123max
27.12.2011 09:32
5 0

HALLO - 582 Kommentare...

...und schon im letzten Winkel der Kulturspalte???

geben nicht 582 negativ Kommentare zu denken, könnte ja doch interessant sein weiter zu diskutieren... aber lassen wir das mal, die entscheidung fürs Burli ist ja schon gefallen, lassen wir mal Gras drüber wachsen... ... das Fussvolk wird sich schon dran gewöhnen....

NEUER EIGENTÜMER von PRESSE - NEWS/Pelinka

mfg

Mehr eine Stehleiter?


Gast: Gehbitte
27.12.2011 08:15
2 0

naja

Deswegen sind die Staatsbetriebe auch so erfolgreich, weil ein 25 jähriger Parteigänger mit Nebenjob bei den ÖBB mal schnell Bürochef beim ORF General wird.

Gast: 1er
27.12.2011 05:14
5 0

dieser artikel

befindet sich in der kultursparte. hat hier nix verloren, denk ich, sollte eher unter politik - innen laufen. oder unter un-kultur!

Gast: wrabetzkunihast
27.12.2011 00:39
5 0

traurig

Wie viel wie wenige in so kurzer Zeit zerstören können.

Armer ORF, armes Oesterreich

Fernsehen ist sowieso tot


Gast: corbu4
26.12.2011 22:03
3 0

ORF - einfache Lösung

Wir Gebührenzahler zahlen 6 Monate keine Gebühr, das trocknet den ORF ganz schnell aus.

Dazu sind keine Politiker notwendig, facebook Seite folgt; wir sind optimistisch in Kürze ziemlich viele zu sein.

Gast: Freidenker
26.12.2011 20:57
3 0

Überrascht?

Dass die Position des politischen Kommissars im Staatsfunk aus sozialistischem Erbadel besetzt wird, kann uns als gelernte Österreicher aber nicht wirklich überraschen, oder?

Gast: EineWarnung
26.12.2011 19:53
11 1

Klage beim Verfassungsgerichtshof?

Das ORF Gesetz
http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10000785

besagt in § 1 Abs 3
"Der Österreichische Rundfunk hat bei Erfüllung seines Auftrages auf die Grundsätze der österreichischen Verfassungsordnung, insbesondere auf die bundesstaatliche Gliederung nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Länder sowie auf den Grundsatz der Freiheit der Kunst, Bedacht zu nehmen und die Sicherung der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, der Berücksichtigung der Meinungsvielfalt und der Ausgewogenheit der Programme sowie die Unabhängigkeit von Personen und Organen des Österreichischen Rundfunks, die mit der Besorgung der Aufgaben des Österreichischen Rundfunks beauftragt sind, gemäß den Bestimmungen dieses Bundesgesetzes zu gewährleisten."

Wie ist es möglich, dass sich die SPÖ so skurpellos über die Unparteilichkeit und Unabhängigkeit hinwegsetzt, und die anderen Parteien nicht Sturm laufen?

Hier entsteht ein faschistisches Mediensystem, ist euch das nicht klar?
Es beginnt mit den Schmierblattln Heute und Österreich, nun wird der ORF übernommen, und bald wird jede von der "parteilinie" abweichende Meinung einfach nirgends mehr vertreten sein.

 
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