Die Liste an Dementis ist lang und vermutlich gut verwertbar in der ORF-Satire „Wir Staatskünstler“: Die Gerüchte, SPÖ-Stiftungsrat Niko Pelinka wechsle in den ORF, seien „völlig haltlos“, sagte Alexander Wrabetz im August, kurz nachdem er zum zweiten Mal zum Generaldirektor des ORF bestellt wurde. Es „entbehre jeder Grundlage“, schließlich habe Pelinka immer „einen Wechsel für sich ausgeschlossen.“
Plötzlich ist alles anders. Der Druck aus der SPÖ-Parteizentrale auf Wrabetz ist offenbar zu groß geworden: Am Freitag machte er in einer Aussendung offiziell, was sich seit der ORF-Weihnachtsfeier Mitte Dezember inner- und außerhalb der ORF-Studios wie ein Lauffeuer verbreitet hatte: Niko Pelinka wird mit 1. Jänner Büroleiter von Alexander Wrabetz.
Offener Brief der ZIB-Redakteure
Er wird also nicht Kommunikationschef, nicht Generalsekretär, sondern und „nur“, wie manche Beobachter meinen, engster Vertrauter des ORF-Chefs. Im ORF reagierte man auf die Personalie, die dezent und wie zur Ablenkung in einem Paket mit anderen Personaländerungen bekannt gegeben wurde, mit Empörung. „ZiB 2“-Moderator Armin Wolf stellte lakonisch via Twitter fest: „Ich bin wirklich ein großer ORF-Fan, aber manche Dinge in diesem Haus machen einen echt fassungslos.“ Der Redakteursrat sieht „den ORF am Gängelband der Parteien“ und die ZIB-Redakteure forderten Wrabetz in einem offenen Brief auf, „diese Entscheidung im Interesse des Unternehmens zurückzunehmen“.
Für ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf ist die Pelinka-Bestellung die Bestätigung, dass „Wrabetz nur ein willfähriger Erfüllungsgehilfe der SPÖ-Zentrale“ sei. Wrabetz wies eine parteipolitische Motivation zurück und bezeichnete Pelinka als „absolut qualifiziert“.
Trotz der Empörung über die unübersehbare Einflussnahme der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk war am Freitag bei manchen sogar so etwas wie Erleichterung zu spüren. Schlimmer wäre es gewesen, wenn Pelinka Generalsekretär geworden wäre. So würden „alle im Haus Pelinka als Büroleiter akzeptieren, aber als sonst nichts“, sagt ein hochrangiger ORF-Mitarbeiter.
Beobachter sehen Pelinkas Rolle im ORF daher sogar geschwächt. Bisher habe er im Stiftungsrat vorn die Reden geschwungen, ab sofort werde er auf der Hinterbank sitzen und das Protokoll schreiben. Offen bleibt freilich, welche und wie viele Kompetenzen Wrabetz dem 25-jährigen Laura-Rudas-Vertrauten übertragen wird.
Sehr besorgt sind vor allem die Mitarbeiter aus Information und Programm, die ab Jänner mit Kathrin Zechner eine neue Chefin bekommen. Wird sie die Einflüsterungen aus der Löwelstraße abwehren können?
Dass es die gibt, bestätigt einmal mehr folgende Anekdote: Wrabetz habe auf Geheiß der SPÖ versucht, die „Niko & Laura“-Sketche mit Nicholas Ofzcarek und Claudia Kottal am Ende jeder „Staatskünstler“-Folge rauszuschneiden. Da dies nicht gelang, war die Passage in der TVthek fast einen Tag lang nicht sichtbar. An die „technischen Probleme“, auf die verwiesen wurde, glaubt im Haus niemand.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2011)
Reaktionen: Lob und Tadel für den Rückzug
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