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Ein "Muslim-Girl" bekämpft Klischees

01.01.2012 | 15:44 |  von STEPHANIE LEHNER (Die Presse)

Muslimische Frauen sind selbstständig und gebildet - mit diesem Credo will die junge Autorin Sineb El Masrar das Bild der Muslimas in der Öffentlichkeit ändern. Seit 2006 gibt sie ihr eigenes Magazin heraus.

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Sie sind beide Feministinnen. Sie geben beide Magazine für emanzipierte Frauen heraus. Und doch trennen Sineb El Masrar und Alice Schwarzer Welten. Denn während Feminismus-Ikone Schwarzer in ihrem Buch „Die große Verschleierung“ mit der Verhüllung muslimischer Frauen hart ins Gericht geht, sieht die gläubige Muslima Sineb El Masrar Kopftuch, Niqab & Co. keinesfalls als Integrationsmaßstab. Zugegeben, die knapp 30-Jährige ist noch weit vom Bekanntheitsgrad Schwarzers entfernt. Doch in ihrem Auftreten ist sie bereits ähnlich selbstbewusst.

„Man kann Schwarzer das lange erklären, auch Studien heranziehen“, meint El Masrar. „Aber ich glaube, sie hat sich da in ihr Welt- und Frauenbild eingebettet.“ Schwarzer würde sich in der Diskussion um die Frauen im Islam stets für Gerechtigkeit einsetzen. „Aber man muss sich schon fragen, ob sich die betroffenen Frauen mit Schwarzers Gerechtigkeit auch wohlfühlen.“ Denn junge Muslimas seien bei Weitem nicht so arme und geknechtete Wesen, wie die Argumentation der Feminismus-Ikone das nahelege. „Muslima 2.0“, diesen Begriff verwendet El Masrar in diesem Zusammenhang gern. Und meint damit selbstständige und gebildete junge Frauen, die eben auch an Allah glauben. Nur würden das die Medien und deshalb auch die Gesellschaft einfach nicht wahrnehmen.


Kritisches Role Model.Sineb El Masrar ist die perfekte deutsche Einwanderertochter: Sie spricht akzentfreies Deutsch, ist erfolgreich und obendrein gut aussehend. Die deutschen Medien haben der gebürtigen Hannoveranerin viel Aufmerksamkeit geschenkt. Selbst die „Bild-Zeitung“ hat sie vor Kurzem zu den „100 Frauen, an die wir glauben“ gezählt. El Masrars Kritik richtet sich trotzdem an all die Medienvertreter, die Migranten nach wie vor nicht zu ihrer Leserschaft zählen. Schon mit 23 Jahren hat sie deshalb 2006 „Gazelle“ gegründet, das bislang einzige multikulturelle Frauenmagazin in Deutschland. Im gleichen Jahr wird sie von der deutschen Integrationsstaatssekretärin Maria Böhmer in die Arbeitsgruppe „Medien und Integration“ der Integrationskonferenz geholt. Nach wie vor ist sie Teilnehmerin der Deutschen Islam-Konferenz. Außerdem hat sie eine kleine PR-Agentur in Berlin.

El Masrars marokkanischer Vater kam in den 1970er-Jahren mit einem Wanderzirkus nach Deutschland. Dass die Tochter eines Kfz-Schlossers und einer Analphabetin so jung Verlegerin und Autorin wird, ist für sie selbst nichts Besonderes. El Masrar, die schnell denkt und spricht, weiß aber, dass sie in der Öffentlichkeit immer noch eine Sonderstellung hat. „Ich werde natürlich in diese muslimische Rolle gezwängt. Wenn ich in der ,Bild‘ über mich lese, ,Sie versteht den Propheten und die Frauen‘ nehme ich das nur zur Kenntnis. Und widme mich weiter meinen Aufgaben.“

Und deren gibt es genügend. Da wäre etwa die finanzielle Absicherung von „Gazelle“ für das Jahr 2012. Denn das Magazin kann derzeit nur online erscheinen. Trotzdem, für El Masrar ist „Gazelle“ das Magazin von morgen. „Was wir machen, müssen andere Medien spätestens in zehn Jahren umsetzen.“ Allein aus demografischen Gründen könnten sie nicht mehr auf Migranten als Rezipienten verzichten.


Neue Bilder schaffen. Inhaltlich gehe es um alle möglichen Themen, vom Leben in Deutschland über Familie und Partnerschaft bis zu Kultur und dem Themenbereich Mode und Schönheit – letzterer gehöre zu einem Magazin für Frauen einfach dazu. Eine Sache möchte sie jedoch klarstellen: „Wir sind nicht die türkische ,Emma‘ oder die muslimische ,Bunte‘.“ „Gazelle“ sei ein Magazin für alle deutschen Frauen, die eben zum Teil einen Migrationshintergrund haben oder sich für Migration interessieren. Und so könne „Gazelle“ neue Bilder in den Köpfen schaffen.

Neue Bilder schaffen, das soll auch ihr Buch „Muslim Girls“, das sie 2010 herausgegeben hat und in dem sie ihr Bild der modernen muslimischen Frauen skizziert. Denn was Frauen mit Migrationshintergrund und besonders verschleierte Frauen einerseits im Alltag erleben und Medien andererseits abbilden, klaffe oft weit auseinander. Auch die zahlreichen Bücher, die zum Thema Frauen im Islam erscheinen, seien immer dieselben: sehr dramatische und tragische Geschichten, die in der Öffentlichkeit ein einseitiges Bild erzeugten von fremdbestimmten und unterwürfigen Frauen. El Masrar muss sich selbst noch mit dem Bild herumschlagen, das die Medien von ihr erzeugen. „Ob ich jetzt geschieden bin oder nicht, das ist kein Maßstab für meine Emanzipation.“

Das Wandeln zwischen Identitäten gehört für Sineb El Masrar zum Alltag. Sie selbst bezeichnet sich als Deutsche, – an manchen Tagen aber auch als Marokkanerin. „Wir switchen in unseren Identitäten“, meint sie. Das mache Menschen natürlich um einiges schwerer greifbar. Und vor allem jene, die nach einfachen Antworten suchen, hätten damit ein großes Problem. „Aber“, meint die junge Muslima, „es gibt eben nicht nur die eine Antwort.“ Und es gibt eben nicht nur das eine Bild der muslimischen Frau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2012)

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19 Kommentare
AldoLevi
02.01.2012 17:25
6 5

Grossartig

Es ist grossartig, daß es in Europa tolerante Muslime gibt, die sich gut einleben und viele Werte und Lebensarten miterleben; soweit, so gut.
Steht dies jedoch nicht in Widerspruch zu manchen Teilen des Koran?
Ist dies damit nicht "ungesetzlich", da der Koran Gesetz ist?

Gast: oldshatterhand
02.01.2012 13:08
6 1

Euro-Geschöpfe

Da mögen im europäischen Umfeld ja einige selbständige Muslimas herangewachsen sein. Aber wenn man nach Afghanistan guckt, das sieht das anders aus. Dank Europas Kultur gibt es einzelne selbständige Muslimas. Dank Europas Kultur.

die_ratte
02.01.2012 10:45
9 10

die postings hier sind unglaublich!

und eine beleidung für jeden denkenden menschen. wenn unwissenheit und ignoranz weh tun würden, müssten sich hier einige vor schmerzen winden!

Antworten Phil65
02.01.2012 17:48
7 12

Re: die postings hier sind unglaublich!

Sehe es auch so. Die FPÖ hat anscheinend viel Geld um rechte Kampfposter anzuheuern. Wenn man diese Meldungen liest, glaubt ich fast, dass so mancher in seiner Parallel-Stadt mit vielen, vielen bösen Menschen lebt. Ob sie mangels Sprachkenntnisse überhaupt in der Lage sind, Türkisch, Albanisch, Englisch oder Französisch von einander zu unterscheiden? Ich amüsiere mich eher über diese Leute und freue mich, dass sich tolle Frauen, wie El Masrar sich nicht von diesen aufhalten lassen.

3 2

das mit dem vielen Geld...

Es wird seit Jahr und Tag in den Medien genug Geld dafür eingesetzt, sämtliche Probleme schön zu reden und klein zu schreiben, um die Leute nur ja nicht zu "beunruhigen". Da darf man sich über ein paar - tatsächlich unbezahlte - kritische Stimmen gegen die Mainstream-Manipulation wirklich nicht wundern.

9 2

Re: die postings hier sind unglaublich!

naja, user orakelaushernals hats ein wenig direkt formuliert, hat aber im grunde recht. besuchen sie doch mal die betroffenen bezirke. sie hören da oft tagelang kein deutsches wort. anteil der muslime (türken, kosovo-albaner) liegt bei über 20-30%. nach aktuellen statistiken belegen diese, in allen erdenklichen bereichen, den mit abstand letzten platz (erwerbstätigenquote, arbeitslosenrate, lhonniveau, bildung, integration, …).
das sind fakten und keine unwissenheit. das ist die realität der vielfach bejubelten und herbeigeredeten bereicherung und nicht ignoranz.

15 9

was wir in wien so sehen an mus....

sind dauerträchtige kopfwindelträgerinnen, deren einziges ziel das kindergeld und die mindestsicherung sein dürfte.- und das natürlich auf kosten der österreichischen steuerzahler.

Dagobert
01.01.2012 19:57
23 7

Switch

Na dann soll sie ganz schnell mal nach Marokko (oder ein anderes islamisch geprägtes Land) switchen und dort ihre Einstellung zum Islam den modernen, aufgeklärten muslimischen Frauen ihre Zeitschrift verkaufen.

Mal sehen, wie lange es dauert, bis die modernen, aufgeklärten Imane ihr die Türe eintreten.

9 16

sie ist aber deutsche und tut dies in deutschland. was dagegen?

ihr rechtskonservativen lebt in einer tollen welt. ist eine muslima konservativ, so ist sie feindbild. ist sie liberal - dann auch. tut sie nichts, ist sie feindbild. erschafft sie was - dann auch.

ich neige zur theorie, dass diese frau wesentlich mehr in der rübe hat als 99,9 % der fpö-poster hier.

11 5

Re: sie ist aber deutsche und tut dies in deutschland. was dagegen?


viel in der rübe hat diese frau nicht. denn anstatt sich mit kritisch mit einer rückständigen, gewaltverherrlichenden (eroberungs)religion zu beschäftigen, versucht sie mit ein bisserl intellekt diesen glauben schönzureden. dass ihr im freien westen die leute auf den leim gehen ist deswegen interessant, weil es in der regel genau die gleichen sind die das christentum bei jeder gelegenheit abwerten und als deppen/verblödungsreligion hinstellen. kritik am christentum gibt es zu hauf und es ist ja beinahe schon gesellschaftlicher zwang irgendetwas kritisches darüber von sich zu geben. kritik am islam ist verpönt, man könnt ja jemanden beleidigen.
abgesehen davon und ihrem projekt. dort wo ich wohne (XX.bezirk) sieht der islam ganz anders aus. dort tägt er einen bodenlangenmantel, kopftuch, spricht kaum/nicht deutsch, wohnt im gemeindebau und lebt vom sozialtransfer. und ja, ich weiss auch dass diese bild nicht für alle zutrifft – nur von den geschilderten gibt’s im XX. so ca. 20.000 … .

Antworten Antworten Antworten Gast: Messalina-X
02.01.2012 13:18
8 2

Re: Re: sie ist aber deutsche und tut dies in deutschland. was dagegen?

ja, ich denke sie haben mit ihrer Einschätzung recht, das ist nämlich auch meine Wahrnehmung

Sinus17
01.01.2012 19:45
6 2

Solange sie bestimmte Bücher nicht liest.......


LNLN
01.01.2012 18:36
28 9

Ideologie bleibt Ideologie

Jaja der Islam ist ja sooo toll!

Das hört man ja immer öfter in den Medien!

Dann bitte ich die tolle "Mulim Power Frau" ihr Magazin in Saudi Arabien, Somalia, Ägypten, Gaza oder anderen Ländern mit der Staatsreligion Islam herauszugeben.

Da ist sie dann wahrscheinlich nicht mehr so mutig...

Wie steht sie als ach so gläubige Muslimin zur Tatsache ihres heiligen Buches, dass jeder der eine andere Religion wählt mit dem Tode bestraft werden muss?

Na...

"das Bild der Muslimas"

Es gibt keine Muslimas.
Es gibt eine Muslimin, oder viele Musliminnen.

3 2

Re: "das Bild der Muslimas"

verstanden, danke. aber das ändert nichts an der Sachlage. soll die Gute doch mal nach Saudi Arabien gehen und dort ihre Internetzeitung herausgeben. wird nicht lange dauern und sie wird oeffentlich ausgepeitscht. vielleicht sollte man das nach Europa auch fuer die KorananhaengerInnen importieren, waer doch mal was tolles aus der Heima des Islam

Antworten Antworten Gast: anoubi
02.01.2012 23:12
2 3

Re: Re: "das Bild der Muslimas"

Warum soll eine Deutsche "nach Saudi Arabien gehen"? - Da Sie gern das Frauen auspeitschen "importieren" würden, wäre es doch eher für Sie angebracht, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen. Wir hätten dann einen Perversen weniger.

Antworten salocin
02.01.2012 09:19
0 0

Re: "das Bild der Muslimas"

bei muslima handelt es sich um die arabisch feminine Endung

Antworten Antworten Gast: sprachforder
02.01.2012 09:43
0 0

Re: Re: "das Bild der Muslimas"


Gast: Hans Berger
01.01.2012 16:52
14 7

Ich würde gerne eine Lebensversicherung für sie abschließen

Ich würde die Beiträge bezahlen, wenn ich dafür als Begünstigter eingetragen werde.