Elfriede Jelinek ist "zornig". Nach der parteipolitischen Bestellung des SPÖ-Manns Niko Pelinka zum ORF-Büroleiter rechnet die Literaturnobelpreisträgerin mit der Sozialdemokratie ab. Sie erklärt diese sogar für tot. "Das Ende der Sozialdemokratie, es ist jetzt gekommen",schreibt die 65-Jährige pünktlich zum Jahreswechsel auf ihrer Website. Und es trete mit einem "entwaffnenden Grinsen" als "sympathischer junger Mann" auf. "Grins grins grins, dagegen war die Sonne vom Wörthersee ein Kind von Traurigkeit...", schreibt Jelinek über ihren Protagonisten, Niko Pelinka.
Ein Totengräber der Sozialdemokratie sei neben Niko dem "rotblonden, sympathischen jungen Mann" und „Kinderkönig" auch "seine Cousine im Geiste, die kesse fesche Lola, nein Laura, der Liebling der Nation". Gemeint ist Laura Rudas, SPÖ-Bundesgeschäftsführerin. Jelinek zieht her, über die Verschränkungen des ORF mit der SPÖ, über die "Sprößlinge, Parteikinder dieser Sozialdemokratie, welche nicht mehr gewählt wird, sondern selber wählt, sie wählt ihre Leute in die Positionen, die sie auch selber geschaffen hat".
Die Sozialdemokratie sei jedenfalls „zur Maßschneiderei für Karrieren" verkommen. Und "so endet sie, das ist wie sie endet", schreibt Jelinek. "Unter den Schuhen dieser Mädel und Buben geht die Welt der Sozialdemokratie, grinsend wie ein Hirschhornknopf, zugrunde, die einmal für Gerechtigkeit angetreten ist." Der Sozialdemokratie sei aber ihr eigenes Ableben entgangen, mutmaßt Jelinek: "Ich glaube sie weiß es wirklich nicht, wenn ich mir diese Gesichter so ansehe."
"Ein düsterer Schatten" kommt
Und was kommt nach der Sozialdemokratie. "Ich ahne schon was kommt", schreibt Jelinek in ihrer apokalyptischen Schrift. "Ein düsterer Schatten."
Jelinek hat sich immer wieder mit Wortmeldungen in die Innenpolitik eingeschaltet. Sie protestierte auch mehrmals gegen die schwarz-blaue Regierung bei den sogenannten Donnerstag-Demonstrationen.
(jst)
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