Udo Bachmair: „Größte Gefahr rührt aus dem Personalmangel“

Ö1-Journal-Moderator Udo Bachmair verlässt nach 40 Jahren mit Handshake-Vertrag den ORF, um Zeit für neue Herausforderungen zu haben. Er denkt, Wrabetz wird die Pelinka-Entscheidung zurückziehen.

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(c) AP (Ronald Zak)

Die Presse: Sie sind fast 40 Jahre beim ORF. Hat Sie die jüngste Aufregung um Politbestellungen im Haus überhaupt noch überrascht?

Udo Bachmair: Nicht wirklich. Es kann nicht verleugnet werden, dass Parteipolitik bei ORF-Postenbesetzungen immer hineingespielt hat. Aber im Fall Pelinka zeigt sich für mich doch ein verblüffend hohes Maß an Unverfrorenheit oder mangelnder Fähigkeit, die Konsequenzen abzusehen.

Warum ist die Aufregung diesmal so groß?

Ich denke, das hat mehrere Facetten. Zum einen liegt es an der Person Niko Pelinka, zum anderen an der speziellen Funktion. Ich halte es menschlich betrachtet für nachvollziehbar, dass ein junger, ehrgeiziger Mann, der von einer Partei viel zu früh in Sphären der Macht gehievt worden ist, vor lauter Selbstbewusstsein förmlich abheben muss. Unverständlich aber ist mir, dass der Generaldirektor eines derart renommierten Unternehmens offenbar jemanden wie Pelinka zu seiner Orientierung braucht. Dazu kommt, dass in den letzten Monaten und Jahren der Personalmangel enorm zugenommen hat. Alle zusätzlichen Ereignisse, die heikler Natur sind, werden dann mit Sicherheit noch sensibler empfunden.

Glauben Sie, dass der Protest der ORF-Redakteure Erfolg haben wird?

Ich glaube schon, dass der interne Druck aufrecht bleiben wird und dass Wrabetz seine Entscheidung zurücknehmen wird. Aber das kann in einer Woche ganz anders aussehen.

Die Journale, vor allem das Morgen- und Mittagsjournal, spielen innenpolitisch eine wichtige Rolle.

In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit war früher das Mittagsjournal sicher dominanter. Mittlerweile ist das Morgenjournal als Themengeber für den Tag wichtiger geworden. Nicht zuletzt, weil die sogenannte A-Schicht-Zielgruppe aus beruflichen Gründen eher das Morgenjournal hören kann.

Wie oft gab es politische Interventionen?

Ich kann da von Glück reden, weil der Radiobereich diesbezüglich immer eine Insel der Seligen war. Es hat selten Fälle gegeben, wo Politiker bis in die Journalredaktion gelangt sind.

Wieso hören Sie gerade jetzt auf?

Es hat jedenfalls nicht mit dem Fall Pelinka zu tun. Hauptgrund ist, dass ich mich neuen Herausforderungen widmen möchte. Ich werde weiter journalistisch tätig sein, moderieren, aber auch Theater spielen in dem kleinen, feinen Team namens Porträt-Theater.

Es heißt, Sie nehmen sich eine zweijährige ORF-Auszeit. Was bedeutet das?

Es ist ein Handshake-Vertrag mit vorgezogener Abfertigung bis Ende 2013, der mir bereits vor zwei Jahren, wie allen anderen meines Alters, angeboten wurde und den ich nun angenommen habe.

Woher kommt die größte Gefahr für qualitätsvollen Journalismus?

Die größte Gefahr rührt aus dem zunehmenden Personalmangel. Man muss schon froh sein, mit dem vorhandenen Personal das politische Alltagsgeschäft erledigen zu können. Es wird immer seltener möglich, Hintergründe zu recherchieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2012)

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