Causa Pelinka als Hetzpublizistik und Generationenkonflikt

05.01.2012 | 13:45 |   (DiePresse.com)

Medienschau. Onkel Anton Pelinka und Vater Peter Pelinka melden sich zu Wort. Auch ein Interview von Niko Pelinka mit Laura Rudas ist aufgetaucht.

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Vor knapp zwei Wochen wurde die Bestellung von SPÖ-Jungpolitiker Niko Pelinka zum Büroleiter von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bekannt. Der mediale Wirbel, den die parteipolitische Besetzung auslöste, nimmt immer noch Fahrt auf. In den Österreich-Seiten der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit", die am Donnerstag erschien, meldete sich der Politologe Anton Pelinka, Onkel des Jungpolitikers, zu Wort. Er kreidet in dem Artikel vor allem die Struktur des ORF an: "Der ORF zeigt sich als das, was er immer war und weiterhin ist: ein politisch abhängiges Massenmedium, von dem zu hoffen ist, dass sich seine Abhängigkeit ausgewogen und pluralistisch äußert."

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Anton Pelinka prangert die "falsche Häme" an, die derzeit auf seinen Neffen einprasselt. Der ORF-Geschäftsführung wirft er vor, sich bei der Bestellung des Büroleiters "von einer atemberaubend dilettantischen Seite gezeigt" zu haben, auch wenn er nicht versteht, dass "diese so unprofessionell eingeleitete Personalentscheidung eine Welle der Erregung mitsamt moralisierendem Geraune ausgelöst hat, die mittlerweile bereits zwei Wochen anhält und nicht abzuebben scheint".

Was ist daran neu?

Daraus, dass Niko Pelinka politisch etikettiert ist, macht Anton Pelinka keinen Hehl. Aber was sei neu daran, "dass Personen mit eindeutiger parteipolitischer Bindung in die Führungsetage des ORF gehievt werden", fragt er. Das Vorgehen des Generaldirektors bei der Wahl seines Büroleiters unterstreiche, "dass er das System des ORF, die allgemein akzeptierte Balance politischer Verflechtungen, aufrechtzuerhalten gedenkt".

Er verstehe nicht, warum dem Generaldirektor nicht zugestanden werden soll, eine Person seines Vertrauens zum Leiter seines Büros zu bestellen, so Anton Pelinka. Der mediale Aufruhr "ist nicht Kritik - das ist der irrationale Zorn einer Generation, die sich eines nicht eingestehen will: Auch ihr folgt eine neue Generation nach."

Peter Pelinka: "Mein Sohn denkt eigenständig"

Das von Niko Pelinka Vater Peter Pelinka geführte Nachrichtenmagazin "News" wehrt sich indes gegen "Sippenhaftung". In Peter Pelinkas Editorial in dem am Donnerstag erschienenen "News" heißt es: "Mein in die Causa höchst involvierter Sohn lebt, denkt und handelt seit acht Jahren völlig eigenständig. Gott sei dank." Die Sorge der ORF-Mitarbeiter bezeichnet Pelinka senior als "berechtigt".

Deutlich schärfer äußert sich "News"-Chefredaktionsmitglied Walter Pohl im Heft: Er attackiert in einem Kommentar frontal Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die in einem aktuellen Text die Bestellung von Niko Pelinka als Symptom für das Ende der Sozialdemokratie charakterisiert.

Pohl rückt in "News" Jelineks Text in die Nähe des Nationalsozialismus und bezeichnete ihre Wortwahl als "widerlich und degoutant". er nennt sie sogar "völkische Beobachterin" (der "Völkischer Beobachter" war das Parteiorgan der NSDAP) und meint, dass die Nobelpreisträgerin am Ende ihres Textes für eine "Endlösung" plädiere. 

Pohls Kommentar stößt indes beim Chefredakteur nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Der Beitrag sei "leider höchst emotional und persönlich", sagte Peter Pelinka der APA. Er selbst habe den Text erst gesehen, als die Zeitschrift schon im Druck war.

Kritik an unfairer Berichterstattung

Zum Gegenschlag holt auch der Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell aus, der in einem Gastkommentar im "News" unfaire und interessengetriebene Berichterstattung an der Person Niko Pelinka kritisiert. Interessant hierbei ist, dass er am Anfang feststellt: "Der ORF ist freier denn je".

Auch in der "Wiener Zeitung" bringt Hausjell seine Kritik dar: Die Berichterstattung habe Züge von "Hetzpublizistik", so der Wissenschaftler. Denn auffällig oft werde auf das Äußere des künftigen Büroleiters eingegangen. Diese würden mit "negativen, herabwürdigenden, lächerlich machenden Zuschreibungen" einhergehen, so Hausjell. Er fragt sich, ob die Heftigkeit der Debatte der Erregung angemessen sei.

Moitzi: Pelinka soll Bewerbung zurückziehen

Einen klaren Appell an Niko Pelinka formulierte indes Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend (SJ) auf Standard.at: Pelinka solle seine Bewerbung zurückziehen, meint der Jungpolitiker. "Es entsteht in der breiten Öffentlichkeit der Eindruck, der SPÖ würde es darum gehen, den ORF ans Gängelband zu nehmen", sagte der SJ-Vorsitzende. "Das ist für das Image der Sozialdemokratie absolut schädlich. Tritt Pelinka diesen Job an, würde das für viele Wochen und Monate Aufsehen erregen und das Image der SPÖ weiter schädigen."

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter macht indes ein alter "Standard"-Artikel die Runde: Niko Pelinka moderierte dort 2006 ein Streitgespräch von Partei-Kollegin Laura Rudas mit Johann Gudenus (FPÖ). Erheiternd wirkt im Nachhinein die letzte Bemerkung Pelinkas, denn er konstatiert: "Vergleicht man die jungen Parteifunktionäre von früher mit heutigen Jungpolitikern, hat man das Gefühl, dass Pragmatiker und Realisten die Revolutionären und Aufmüpfigen abgelöst haben."

(APA/Red.)

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298 Kommentare
 
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Hat

man nicht seinerzeit über die Buberlpartie Haiders Witze gerissen? Heute bauen sich die sogenannten "Großparteien" selbst solche Partien zusammen, mit dem Unterschied, dass auch das eine oder andere Mäderl dabei ist.

Pelinka, Pelinka, Hausjell und Pohl zur Causa Pelinka

das nennt man Objektivität.

Gastkommentatoren nächste Woche: Laura Rudas, Werner Feimann, Josef Cap.

immer das gleiche

Menschen, die sich von einer Parte (gleich welchen Coleurs) in die Höhe hieven lassen, sind sofort wehleidig, unsachlich und beleidigt, wenn man ihnen genau das zum Vorwurf macht.

Was wären denn die Pelinkas ohne die SPÖ?
Niemande.

noch was: die Redaktion von News kann frei und unbeeinflusst berichten? Welch Verarschung. Das kann keine Redaktion in Ö, am ehesten unbeeinflusst sehe ich Profil, Presse und Standard.

Das Profil ist längst ein Endlager der Hinterbliebenen der Arbeiterzeitung

und ein Schatten seiner selbst. Es war rührend zu lesen, als der Gründer Oscar Bronner zum dreißigjährigen Jubiläum den noch-immer-Herausgeber Rainer zur Schnecke gemacht hat. Ganz nachsichtig, wie mit einem schwachsinnigen Kind.

Die Zeitung berichtet längst nur mehr, was die Partei will.

Gast: Garst
08.01.2012 10:28
1 0

Österreicher

haben von Natur aus eine grausame Ader. Wenn das Volk erst mit dem Pelinka Buben fertig ist, greift ihn vermutlich keiner mehr mit der Kohlenzange an. Karriereende. Dabei hätte alles so einfach und schön sein können.

4 0

Irgendwie finde ich

es genial das der Anton Pelinka sehr genau beschreibt wo das Problem liegt. Seine Schlussfolgerung ist aber leider falsch. Denn "weils immer so war" und "das ist ja eh klar dass das es politisch motiviert ist" sind keine Lösungsvorschläge dieses natürlich größeren Problems der politisch motivierten Postenbesetzung im Lande. Was will er uns also damit sagen??

Gast: daniel hechter
07.01.2012 17:41
12 1

Nicht Vergessen!

Nicht vergessen sollte man, dass herr wrabetz zurücktreten müsste! er ist es, der auf die unverschämte idee kam, schon vor der ausschreibung eines jobs zu verkünden, wer den job bekommen würde. in meinen augen müsste man ihn zum rücktritt zwingen, wenn das rechtlch möglich ist! herr n.pelinka ist mir im persönlichen gespräch schon sehr unangenehm durch selbstüberschätzung aufgefallen: er wollte mir weismachen, dass sein pressesprecherjob bei frau schmid mit 4 personen nachbesetzt werden musste! kann ein journalist bitte recherchieren, was seine leistung bei frau schmid und auch bis vor kurzem bei der öbb war? es würde die emotionalen attacken, die m.m. nach hr. wrabetz gehören, rechtfertigen oder eben nicht!

10 0

Wir zeigen`s dem ORF!


Bei jeder Bewerberin muss der ORF gemäß Selbstverpflichtung ein Hearing durchführen. Dieses beansprucht nach internen Informationen pro Kandidatin ca. zwei Stunden, sodass bei fünf Damen zumindest ein ORF „Arbeitstag“ vergeudet sein müsste.
Unter Zuhilfenahme div. Klagsmöglichkeiten usw. könnte das ganze unwürdige Verfahren um 100 Jahre hinausgezögert werden, sodass sich nach Ende des Projektes der arme Niko gleich in die Pension verabschieden könnte.

Das müsste doch erreichbar sein!

MUSTERBEWERBUNG

Personalabteilung des ORF

Würzburggasse 30
1132 Wien

personal@orf.at



Ihr Name

ADRESSE
Telefon

08. Jänner 2012

Betr.: Ausschreibung in der „Wiener Zeitung“
Vom 28. Dezember 2011

Sehr geehrte Damen und Herren !
Varianten: „Liebe Töchtersöhne!“
„Grüße Sie Genossinnen!“

Binnen offener Frist darf ich Ihnen hiermit meine Bewerbung für die Postion der „Redakteurin“ für die Leitung des Büros des Generaldirektors übersenden.
Ich darf betonen, dass ich aufgrund meiner Ausbildung und Berufserfahrung genau den in der Ausschreibung gestellten Anforderungen entspreche!

Als Frau ersuche ich im Sinne der ORF Selbstverpflichtung unbedingt um Einladung zum Hearing.

Anlässlich dieses Gespräches werde ich alle weiteren Unterlagen vorlegen. Variante: In der Anlage finden Sie meinen Lebenslauf



Mit dem Ersuchen um Erledigung
verbleibe ich mit

freundlichen Grüßen
Ihr Name


Hätt ich diese Mischpoch, würd ich auswandern. Nach Neuseeland, weil am weitesten entfernt...


Gast: Diedrich Hessling
07.01.2012 13:56
5 0

von keines Gedankens Blässe angekränkelt

Glaub ich nicht, dass das Knäblein seit es 16 ist auf eigenen Beinen steht.

Antworten Gast: Madeimbacon
07.01.2012 14:22
4 0

Re: von keines Gedankens Blässe angekränkelt

Klingt irgendwie so als ob der Vatti froh wär, dass er den Lackl los is. Ich glaub ihm!

Gast: amon pelikan
07.01.2012 13:43
2 0

also, ich bin auch verwandt...

also, ich bin auch verwandt mit nico pelinka. und kann nur das beste über ihn berichten!
er ist zu jung, zu erfolgreich und zu schön für dieses land. und diesen kontinent...

wie wäre es gleich mal mit einer Professur an der Donau-Uni für den Niko

,wenn er so tüchtig ist!

Re: wie wäre es gleich mal mit einer Professur an der Donau-Uni für den Niko

Seine Berufserfahrung rechnet man sicher als Doktor der Wissenschaften!

3 0

Re: Re: wie wäre es gleich mal mit einer Professur an der Donau-Uni für den Niko

immer schön zu sehen das es ein paar Leute gibt die wissen wie viel Wert die Donau Uni im Vergleich zu richtigen Unis hat! Die Ironie in den Kommentaren ist nämlich leider sehr Nah an der Wahrheit.

Gast: justerix
07.01.2012 13:07
7 0

in der Causa Pelinka....

...sollte die ganze Pelinka-Sippe endlich den MUND
halten!

Re: in der Causa Pelinka....


Nur in DIESER Causa?

Gast: Alien (Dauerzensuriert)
07.01.2012 12:53
14 0

Das Erfreulichste an diesem Skandal ist die Reaktion der Bevölkerung

Vor Jahren wäre sowas noch als Gott gegeben hingenommen worden, oder gar nicht an die Öffentlichkeit gekommen (vielleicht irgendwann nach ein paar Jahren, wenn niemand mehr etwas machen kann). Heute erzeugt diese Padeiernennung einen Aufschrei in den Medien (außer in den SPÖ-kontrollierten!) und in der Bevölkerung.
Natürlich war es schon immer so, daß Posten politisch besetzt wurden, aber vielleicht können wir etwas daran ändern.
Der Druck auf die Padeien muß stärker werden!

5 0

Re: Das Erfreulichste an diesem Skandal ist die Reaktion der Bevölkerung

Stimmt genau!
Der „arme“ Niko kann nichts für sein jetziges Pech – er wollte nur einen Super Job. Aber die „Mächtigen“ müssen endlich realisieren, dass die Zeit der Selbstherrlichkeit vorbei ist. Die Bürger wehren sich und lassen sich nicht mehr „vorführen“ und für deppert halten sollte man sie schon gar nicht!

Gast: Nordlicht
07.01.2012 11:53
14 0

Causa Pelinka: Die Verwandtschaft meldet sich zu Wort

News, das Parteiorgan der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) meldet sich zu Wort. Es ist billiger "Heute" oder "Österreich" zu lesen als sich dieses Parteischmierenblatt zu kaufen.

Gast: Der Gast67
07.01.2012 11:21
18 0

NEWS

Nicht Ein Wort Stimmt

Gast: Zugfahrer
07.01.2012 10:44
13 0

Warum bekommt man eigentlich in der 1. Klasse der ÖBB NEWS immer gratis?


Weil am News sonst nichts erstklassig wäre

zumal die Berichterstattung letztklassig ist.

Das wird wohl das Ende von NEWS

und der Reputation des Onkel Pelinka sein.

Jedes weitere (Regierungs)Inserat in dieser Postille, jeder weitere bezahlte Kommentar, jedes ORF Statement des Onkels wird in Hinkunft klar als Dankeschön der roten Sippschaft gedeutet werden.
Ich werde jedenfalls bei jeder Gelegenhait darauf hinweisen.

Hoffentlich montiert sich bald die nächste "systemrelevante" Familie derart ab!

Re: Das wird wohl das Ende von NEWS

Das Ende wird es leider nicht sein. Jeder der News aufmerksam gelesen hat, hat schon immer die rote Handschrift gesehen.
Aber noch eine kleine Hilfe - der "unabhängige" Aufdecker Kurt Kuch (Newsaushängeschild und Korruptionsbekämpfer), ein echter burgenländischer roter Politadel aus dem schönen Oberwart. Sein Vater hatte dort auch ein nettes öffentliches Amt.
Damit nicht immer die gleichen Namen genannt werden müssen.

Antworten Gast: kein-steuerzahler-in-oe-mehr
07.01.2012 10:37
12 0

Re: Das wird wohl das Ende von NEWS

Österreich ist eine Republik der Spitzbuben!

Für jede andere Bezeichnung würde vorerst die Unschuldsvermutung gelten.

Spätestens 2013 sollte man mit einem innenpolitischen Erdbeben rechnen.

 
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